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Internationale Toplose 2014 : Vorn rollt Giacometti, und van Gogh gibt das Schlusslicht

Modigliani, Bacon, Warhol: In internationalen Auktionen wurden wieder hohe Preise erzielt - und ein Tabu dabei gebrochen. Die teuersten Kunstwerke des Jahres

          Der internationale Auktionsmarkt im Spitzensegment scheint seit ein, zwei Jahren auf einem Plateau angelangt. Schwer zu sagen, ob ein weiterer Anstieg möglich oder der Abstieg aus diesen Höhen schon programmiert ist. Unter den Top Ten befindet sich für 2014 kein Los, das weniger als einen Hammerpreis von 55 Millionen Dollar gebracht hat; Schlusslicht ist ein Stillleben van Goghs (siehe Bilderstrecke 10). Für mehr ist er derzeit nicht gut - genauer: die Werke, die von ihm in die Versteigerungen fließen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Nur inklusive des Käuferaufgelds schaffte es Giacomettis großartiger „Wagen“ (1), mit dem Preis von 101 Millionen Dollar die magische Grenze zu überschreiten. Ein einziger Bieter engagierte sich für die (mit einer Garantiesumme versehene) Plastik, die aus der Sammlung von Alexander Goulandris, einem Mitglied der griechischen Reederfamilie, eingeliefert wurde. Als Käufer wird über den Hedgefonds-Milliardär Steven A. Cohen spekuliert. Dessen Hang zu ausgesprochenen Trophäen - darunter Damien Hirsts Hai-Konserve und Warhols „Superman“-Gemälde - könnte das entsprechen; eine Bestätigung gibt es nicht.

          Jedenfalls wird der Giacometti von Francis Bacons Triptychon „Three Studies of Lucian Freud“ spielend abgehängt, das 2013, ebenfalls bei Sotheby’s, den Zuschlag bei 127 Millionen Dollar erzielte. Auch für den Hammerpreis von 107 Millionen, den der amerikanische Finanzier Leon Black Edvard Munchs Pastell „Der Schrei“ 2012 spendierte, hat es für „Chariot“ mit neunzig Millionen Dollar nicht gereicht, und Warhols „Silver Car Crash (Double Disaster)“ rangiert im selben Jahr mit netto 94 Millionen Dollar auch noch davor.

          Drei Kunstwerke gleichauf

          Bacon hält sich: Seine „Three Studies for a Portrait of John Edwards“ (4), torsierte Versionen seines Geliebten, schafften im Mai durch ein Gebot aus Asien immerhin noch 72 Millionen Dollar. Das Triptychon hat zwar das identische Format wie die Lucian-Freud-Hommage, entstand allerdings fünfzehn Jahre später und hat nicht ein ebenso zwingendes Sujet, wie es der Malerfreund war. Bacons „Portrait of George Dyer Talking“ von 1966 (6a) erreichte im Februar in London 37,6 Millionen Pfund. Das sind zum Tageskurs umgerechnet 62,033 Millionen Dollar - weshalb das Bild gemeinsam mit einem unbetitelten Werk Cy Twomblys (6b) und Warhols Marlon-Variante (6c) Rang sechs belegt. Wie schon im Vorjahr gab es nur einen einzigen Top-Zuschlag in London, alle anderen ergingen in New York.

          Zwei Konzerne im Wettstreit

          Der Wettkampf zwischen der französischen Privatfirma Christie’s und dem amerikanischen Börsenunternehmen Sotheby’s wird immer schärfer. Im „Zeitgenossen“-Markt hat Christie’s die Führung übernommen, offenbar das Klassenziel des Hauses, nachdem der Sotheby’s-Star Tobias Meyer Ende 2013 die Konkurrenz verlassen hatte, um selbständig zu agieren. Der Umsatz von knapp 853 Millionen Dollar im November allein in der Abendveranstaltung mit Nachkriegs- und Gegenwartskunst - gern als das „höchste Gesamtergebnis der Auktionsgeschichte“ gepriesen - ist schon bemerkenswert.

          Dazu beigetragen hat maßgeblich - und das kann nicht oft genug als ein Tabubruch erwähnt werden - die nordrhein-westfälische Landesregierung, die Warhols „Triple Elvis“ (3) und „Four Marlons“ (6c) verschleuderte, um marode Spielbanken und Landesfinanzen zu sanieren. Mit Zuschlägen von 73 und 62 Millionen Dollar lag das Ergebnis kaum über der gemeinsamen Schätzung von 130 Millionen; kein Warhol-Rekord wurde eingestellt.

          Sotheby’s punktete dafür bei Impressionismus und Moderne, unter anderem mit Modiglianis wundervoller „Tête“ (5) die mit 63 Millionen Dollar ihre Taxe weit hinter sich ließ. Die Kalksteinskulptur hatte so im November Anteil an den starken 470 Millionen Dollar, die das Haus auf diesem schwieriger gewordenen Feld der Moderne umsetzte. Dennoch ist es wieder Christie’s, wo die 58 Millionen Dollar verbucht werden, die das Getty Museum in Los Angeles für Manets Frühlingsallegorie (8) investierte, als einzig verbliebene Vertreterin des Impressionismus.

          Und teuerster lebender Auktionskünstler bleibt übrigens Jeff Koons, der im aktuellen Ranking fehlt, aber die 52 Millionen Dollar von 2013 für den „Balloon Dog (Orange)“ stehen noch immer ungeschlagen im Raum.

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