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Kunstmesse „fiac“ in Paris : Wo die großen Werke wohnen

  • -Aktualisiert am

Oligarchenfreundlich, so munkelt man, sei die „fiac“. Alles glänzt und glitzert, außerdem haben zwei Großsammler ein inoffizielles Vorkaufsrecht. Trotzdem gibt es Vieles zu entdecken - auch auf der Nebenmesse „Officielle“.

          Das im Jahr 1900 für die Pariser Weltausstellung gebaute Grand Palais, in dem die „Foire International d’Art Contemporain“ (Fiac) stattfindet, ist wirklich keine kleine Halle, mehr als 240 Meter lang, fast fünfzig Meter hoch - dagegen sieht die Londoner Frieze, die als ihre Hauptkonkurrenz unter den großen internationalen Messen gilt, schon eher wie ein Zeltlager für herrenlose Kunstwerke aus. In Paris dagegen: Barockfassade, Monumentalportale, eine gläserne Kuppel, über der die französische Fahne majestätisch in einem unfreundlichen Herbstwind knattert, darunter Stände über Stände. Und, auf dem zentralen Innenbalkon an der monumentalen Treppe über allem thronend, eine gigantische, meterhohe, von innen glimmernd schimmernde Skulptur aus Swarovski-Steinen, die mal wie das brennende Haar eines Riesentrolls und mal wie ein glitzernder Wasserfall aussieht und ein Werk von Wu Tsang ist.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Davor stand Jennifer Flay, die Künstlerische Leiterin der Fiac, und betonte, wie man sich über die Kooperation mit Swarowski freue. Wu stand daneben und lächelte freundlich: Er oder sie - mit beiden Personalpronomen kommt man bei der Transgender-Künstlerin nicht weiter - kommt aus Kalifornien und wurde im vergangenen Jahr durch eine schrill-elegant-glamourös-bizarr-zart-wilde Performance in der Berliner Galerie Isabella Bortolozzi bekannt, die allen, die sie sahen, lange im Gedächtnis blieb: Wu tanzte durch ein discoartiges Spiegelkabinett, das experimentell leuchtende Neonkleid war hinterher auch auf der Fiac zu sehen. Jetzt, ein Jahr später, liefert Swarovski das Material für die haushohe Wu-Leuchtglitzerskulptur, die natürlich auch den global energisch wachsenden Markt für glitzernde Riesenkunst bedient - in einer Stadt, in der sich Sammler wie Bernard Arnault von Frank Gehry gigantische Privatmuseen in öffentliche Parks bauen lassen, ist der Appetit auf Riesenwerke naturgemäß sehr groß. Überhaupt, Arnault: Eine Galeristin, die am Dienstag ihren Stand aufbaute, trieb ihre Mitarbeiter zur Eile an, man müsse am Mittwoch früh um Punkt acht Uhr fertig sein. Als der Mitarbeiter einwarf, der VIP-Einlass sei doch erst um zehn, bemerkte sie tadelnd, es wisse doch jeder, das zwei Menschen schon lange vorher kommen und als Erste kaufen dürften - François Pinault und Bernard Arnault. Wenn die ersten offiziellen VIPS dann kämen, seien die großen glitzernden Dinger schon an die Sonnenkönige verkauft.

          Jenseits der Remmidemmi-Großkunst

          Die Hallen im Grand Palais sind leerer als im Vorjahr, es sind weniger Galerien vertreten, die dafür - es herrscht der Hang zum Hypertrophen - immer mehr Platz beanspruchen. Die Tendenz, dass immer weniger Galerien übrig bleiben, die dafür aber immer massiver wachsen, ist auch hier zu beobachten. Dass das nicht in jedem Fall ein Nachteil für die Qualität sein muss, zeigt ein deutsches Beispiel auf der Fiac: Das aus der Fusion der Berliner Galerien Johnen und Schipper hervorgegangene Kunstgroßunternehmen präsentiert einen der klügsten und qualitativ besten Stände.

          Gezeigt werden unter anderem Arbeiten des argentinischen Künstlers Tomás Saraceno, die auf den ersten Blick wie hochfiligrane Feinstiftzeichnungen aussehen. Bei näherem Hinsehen sind es aber Spinnennetze. Und in einigen dunklen Vitrinen sind dann auch die erstaunlichsten Spinnennetze zu sehen, die aussehen wie Modelle für Zeltspannkonstruktionen von Frei Otto, oft aber von verschiedenen Spinnen gewoben wurden, die sich in der Natur nie begegnen würden (Preise 42.000 bis 54.000 Euro). Entsprechend delikat und faszinierend und féerique, wie es in Frankreich heißt, also unwirklich geisterhaft hingehaucht, sind die Schnittstellen und Knotenpunkte dieser dreidimensionalen Netzwerke. Ähnlich geisterartig sind auch die gläsernen Lampen von Philippe Parreno, am selben Stand (42.000 Euro).

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