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Internationale Auktionen : Wie läuft die Akquise?

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Natürlich richten sich aller Augen auf die Prestige-Auktionen mit Impressionismus, Moderne und Zeitgenossen, die zwei- mal im Jahr in New York stattfinden. Die für Mai geplanten Veranstaltungen sind bereits auf Ende Juni verlegt. Dafür wurden die Londoner Sommer-Auktionen in diesen Sparten gestrichen, was die britische Hauptstadt als europäischen Standort noch weiter gegenüber Paris schwächt. Doch wie läuft die Akquise für New York – unter erschwerten Bedingungen? Dazu sagt Boll, dass „die Grundversorgung mit Werken für die Frühjahrssaison in New York immer gleich nach den Auktionen im November zuvor beginnt. Im Januar wird der Beschaffungsmarkt dann sehr aktiv, und daher gibt es schon eine gute Kerngruppe an Objekten. Falls die derzeitigen Beschränkungen in einigen Wochen aufgehoben werden sollten, wird dies eine Welle von Einlieferungen in Auktionen und private sales auslösen.“ Auch bei Sotheby’s laufe die Zusammenstellung des Programms für New York „sehr gut“, versichert Barker: Dazu zählt zum Beispiel schon Francis Bacons „Triptych Inspired by the Oresteia of Aeschylus“ aus der Sammlung von Hans Rasmus Astrup, eingereicht vom Astrup Fearnley Museet in Oslo und geschätzt auf sechzig Millionen Dollar. Sotheby’s geht für seine Tagesauktionen mit Impressionismus und Moderne und mit Zeitgenossen in New York zudem einen Sonderweg: Sie wurden zu Online-Only-Auktionen umgewandelt, die schon in der ersten Maihälfte stattfinden werden.

Wie wichtig der Erfolg der New Yorker Auktionen ist, unterstreicht auch Dirk Boll: „Nach einer Krise müssen Auktionen mit Qualität inspirieren und ziemlich kommerziell zusammengestellt sein. Das ist eine Lehre, die wir aus den ersten Auktionen nach der Finanzkrise im Jahr 2008 gezogen haben, als zwei Monate nach dem Kollaps von Lehman Brothers rund die Hälfte der Lose in den New Yorker Novemberauktionen unverkauft blieb. Die Yves-Saint-Laurent-Versteigerung in Paris im Februar 2009 signalisierte dann, dass hochwertige Kunst weiterhin starke Preise erzielt.“ Bei Sotheby’s stellte dann im November 2009 Andy Warhols früher monumentaler Siebdruck „200 One Dollar Bills“ mit dem Hammerpreis von 39 Millionen Dollar das Vertrauen in den Zeitgenossen-Markt wieder her.

Die nächste große Saison mit Live-Auktionen steht für Christie’s und Sotheby’s allerdings schon von Ende Mai an in Paris an: Bei Christie’s sind bis Ende Juni vierzehn, bei Sotheby’s zwölf Saal-Auktionen geplant. Damit diese nicht abgesagt werden müssen – und um den Auktionsmarkt in Frankreich zu unterstützen – hat die zuständige Instanz, der „Conseil des Ventes“, Anfang April kurzerhand die bisher geltende Regelung gelockert, die den öffentlichen Zugang zu Objekten vor Live-Auktionen im Saal erfordert. In einer Mitteilung des Rates heißt es, dass angesichts der Corona-Krise von nun an „die Präsentation von Fotos auf der Website der vorherigen Ausstellung entspricht“. Mit dieser Neuerung hat Paris sich einen Wettbewerbsvorteil verschafft, falls die Regelungen zum „Social Distancing“ in anderen Ländern nicht bald gelockert werden. Einfach übernommen werden kann die französische Variante an den meisten Standorten jedenfalls nicht, wie Boll hervorhebt, weil dort Gesetzesänderungen nötig würden.

Für ihre Online-Only-Auktionen können die internationalen Auktionshäuser jedenfalls auch auf erst jüngste Verkäufe oder schon vor einiger Zeit geschätzte Objekte, auf Einlieferungen direkt aus Galerien oder aus professionell betreuten, mit verlässlichen Zustandsberichten versehenen Sammlungen privater und institutioneller Einlieferer bauen. Die Käufer sind bei reinen Online-Auktionen durch das Rückgaberecht für zwei Wochen nach Erhalt der Ware ohne Angabe von Gründen geschützt. Doch um ein marktfrisches, seit Jahrzehnten nicht gesehenes Spitzenwerk irgendwo ausfindig zu machen, müssen die Spezialisten eben wieder reisen können.

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