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International Fine Art Fair : Die Tiere haben die Arche verlassen: Die International Fine Art Fair in der New Yorker Armory

  • -Aktualisiert am

Veduten von Canaletto, Landschaften von Matisse und Abstraktes von Leger: 55 Kunsthändler aus aller Welt haben sich in New York versammelt, um erlesene Werke von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert zu präsentieren.

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          Dicke Sträuße blühender Kirschzweige schmücken die Gänge der altehrwürdigen Armory und lassen den Besucher voller Genuß zwischen Leinwänden von Pierre Bonnard und Bronzen von Marino Marini lustwandeln. Anläßlich der International Fine Art Fair haben sich wieder 55 Kunsthändler in New York versammelt, um Kunst von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert zu präsentieren.

          Katrin Bellinger aus München und Colnaghi aus London zeigen an ihrem gemeinsamen Stand großartige Arbeiten auf Papier. Das Prunkstück ist die über einen Meter breite Gouache mit dem Dankopfer Noahs von Joseph Anton Koch (190 000 Dollar). Im Vordergrund ist eine kleine Figurengruppe um einen flammenden Altar versammelt, doch das eigentliche Thema des Bildes ist die Landschaft, die heroische Felsmassive und zarte Hügel unter einem blassen Regenbogen miteinander versöhnt.

          Zitronengelb und Artischockengrün

          Schwäne, Pfauen, Tiger, Kühe, Kamele und Hasen haben die Arche verlassen und erkunden nun die sturmzerzauste Erde. Koch kam 1795 nach Rom und blieb dort, im Zirkel der nordalpinen Künstler um Berthel Thorwaldsen, bis 1812. Die Gouache ist wohl um 1802/03 als fein ausgearbeitete Studie zu dem nur wenig größeren Ölbild in Frankfurt entstanden, das die Städelsche Kunstsammlung schon 1829 akquirierte. Bemerkenswert ist hier auch ein Pastell von Adolf von Menzel aus den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts, das einen sitzenden Mann in Rückenansicht auf dunkelbraunem Papier abbildet, um das helle Licht und die Messingknöpfe auf der dunklen Jacke besonders leuchten zu lassen (120 000 Dollar).

          Die Pariser Galerie Haboldt & Co. präsentiert ein Stilleben von Pieter Claesz von 1658, das in eleganten Pastelltönen von hellem Zitronengelb über Artischockengrün bis Silbergrau gehalten ist und neben Würsten, Brezeln, Nüssen und Kapern einen prächtigen Zinnkrug, einen mit Weißwein gefüllten Römer und eine kunstvolle Silbertazza darstellt. Es kostet 375 000 Dollar.

          Bob Haboldt hat im Januar bei Sotheby's in New York sechs von zwölf Seestücken von Willem van de Velde ersteigert, die jahrzehntelang in einer vergessenen Mappe mit Zeichnungen auf einem Anwesen von John Pierpont Morgan II geschlummert hatten. Alle bis auf eine hat er schon verkauft. Die letzte Zeichnung, die die Krönungsfeierlichkeiten zu Ehren von James II. auf der Themse am 23. April 1685 darstellt, kostet 195 000 Dollar.

          Heldenhafte Pose in arkadischer Landschaft

          Die Londoner Galerie E & R. Cyzer, die sich auf Meister der Moderne spezialisiert, ist erstmals auf der Messe vertreten. Zwischen einer frühen Landschaft von Matisse und einer abstrakten Komposition von Leger hängt ein leuchtend buntes Stilleben von August Macke, „Weißer Krug mit Blumen und Früchten“ von 1910, das in den Farben der Orangen, der violetten Hyazinthe, dem blauen Tischtuch und der gelbgrünen Wand schwelgt (695 000 Dollar). Dagegen wirkt Picassos Grisaille „Tête de femme“ von 1944 farblos und grimmig. Sie soll rund 1,5 Millionen einspielen, während eine aquarellierte Straßenszene von George Grosz für 175 000 Dollar zu haben ist.

          Bei Ben Elwes, der eine Galerie in London betreibt, finden sich gleich drei Porträts von Afrikanern aus verschiedenen Jahrhunderten. Ein Porträt aus der Zeit um 1650 wurde wahrscheinlich von einem Holländer in Brasilien für einen portugiesischen Auftraggeber gemalt. Es stellt einen dunkelhäutigen Soldaten mit Gewehr in heldenhafter Pose vor einer arkadischen Landschaft dar. Das Motiv ist ungewöhnlich, weil es sich wahrscheinlich weder um einen Sklaven noch um einen Söldner, sondern um einen freien Schwarzen handelt (190 000).

          Ein kleines französisches Bild aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erforscht die exotischen Gesichtszüge eines Afrikaners von zwei Seiten und ist vermutlich eine Studie zu einem größeren, noch unbekannten Werk (28 000). Um 1880 schließlich ist der Kopf eines afrikanischen Tänzers mit expressiver Mimik in Terrakotta entstanden. Es ist eine eigenhändige, kleine Version einer Skulptur des Künstlers Herbert Ward, der fünf Jahre lang im Kongo lebte und selbst eine riesige Sammlung ethnographischer Artefakte zusammentrug (10 000).

          Aus der Sammlung eines Philanthropen

          Am Stand der Galerie Moretti, die in Florenz und London operiert, lassen sich kostbare Renaissancegemälde wie eine Madonna auf Goldgrund von Filippo Lippi (3,9 Millionen) bewundern. Ein Juwel der Barockmalerei und ein Highlight der Messe ist Canalettos detailreiche Ansicht des Canal Grande vom Palazzo Flangini in Richtung Osten zum Campo San Marcuola.

          Für die Vedute, die sich einst in der Sammlung des berühmten amerikanischen Philanthropen Charles Wrightsman befand, werden jetzt vierzehn Millionen Dollar erwartet. Canalettos Präzision wurde schon von Zeitgenossen sehr geschätzt. So hob ein Bewunderer hervor, daß er „nicht nur mit seiner Vorstellungskraft im Atelier arbeitet“, wie angeblich sein Konkurrent Luca Carlevarijs, „sondern an Ort und Stelle nach dem Leben zeichnet“.

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