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Ingvild Goetz zum Geburtstag : Kunst ist ihre große Liebe

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Ingvild Goetz Bild: Sammlung Goetz

Sie hat eine einzigartige Sammlung zeitgenössischer Kunst aufgebaut und der Öffentlichkeit vermacht. Der Sammlerin Ingvild Goetz zum Achtzigsten.

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          Es gibt wohl nur eins, was Ingvild Goetz im hingebungsvollen Umgang mit der Kunst ausgelassen hat: Künstlerisch tätig war sie nie, soweit bekannt. Sonst aber durchdrang sie diesen Kosmos in jedweder Weise. Sie half Kunst zu produzieren, sie handelte mit ihr; vor allem aber sammelt sie in spektakulärem Ausmaß. Ihr erstes Werk, eine Mappe von Eduardo Paolozzi, erwirbt sie 1969 und gründet damals in Konstanz auch den Grafikverlag Edition Art in Progress. Drei Jahre später scheitert ein Galeriestart in Zürich, weil Wolf Vostells Happening zur Eröffnung Kritik an Schweizer Waffenlieferungen nach Angola übt. Ingvild Goetz zieht mit Art in Progress nach München in die Maximilianstraße, zeigt unter vielen anderen Cy Twombly, Arakawa, Bruce Nauman, Jochen Gerz und auch Christo, der die Galerie verpackt. Arte Povera ist ebenfalls im Programm. Sie wird, als die Galeristin sich von 1984 an ganz auf ihre Sammlung konzentriert, eines der Herzstücke neben Kunst aus Amerika, Young British Artists, Fotografie, Medienkunst und, in alter Leidenschaft, Kunst auf Papier.

          Das alles soll nicht im Lager versauern, also baut Ingvild Goetz ein eigenes Museum nach Plänen von Herzog & de Meuron in ihrem Garten und macht ihre Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich. Seit 1993 zeigt sie dort Wechselausstellungen, wo man oft genug das sieht, was den anderen Münchner Kunsthäusern fehlt. Zugleich wuchs die international bewunderte und kooperierende Kollektion. Neue Schwerpunkte kamen hinzu. Das Museum wurde unterirdisch erweitert – ein idealer Ort für die zentrale Mediensammlung, die bald auch den ehemaligen Luftschutzbunker des Hauses der Kunst bespielte.

          Im Jahr 2014 schenkte Ingvild Goetz den Löwenanteil dieses Sammlungsbereichs dem Freistaat Bayern und das Museum noch dazu. Alles Übrige, Abertausende Kunstwerke, steht seither den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, dem Münchner Haus der Kunst und dem Neuen Museum in Nürnberg als Dauerleihgabe zur Verfügung. Die Aufzählung der Ingvild Goetz verliehenen Preise und Ehrungen füllt ebenso Seiten wie die Liste ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten in Kuratorien, Ankaufkommissionen, Fördervereinen sowie Expertenrunden – nicht nur in München buhlt man um ihre Kompetenz und Erfahrung in Sachen Kunstbetrieb, vor allem aber vertraut man ihrem Urteil und ihrem immer à jour gehaltenen Wissen um die zeitgenössische Kunst. Am heutigen Mittwoch feiert Ingvild Goetz ihren achtzigsten Geburtstag.

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