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In Frankfurter Galerien : Von der Vergänglichkeit des Seins

  • -Aktualisiert am

Besuch in Frankfurter Galerien: Sandra Kranich bei Philipp Pflug Contemporary und Bernhard Schreiner bei Kai Middendorff.

          Mit der Frage, wie das Universum und die Ökologie das menschliche Sein determinieren, setzen sich derzeit in zwei Frankfurter Galerien zwei in der Stadt lebende Künstler auseinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während sich Bernhard Schreiner mit Klängen beschäftigt und sich mit seinen Keramikarbeiten in die Debatte um Nachhaltigkeit einmischt, experimentiert Sandra Kranich mit Pyrotechnik. Schreiners Bezugsgrößen sind die Natur und die tonale Resonanzerfahrung. Kranichs Werke setzen auf Überwältigung, sie sind laut, Feuer und Schießpulver sind die zentralen Elemente.

          Sandra Kranich hat an der Städelschule in Frankfurt studiert; 2003 qualifizierte sie sich zur Pyrotechnikerin weiter. Ihre Feuerwerke zeigte sie 2016 bei der Biennale in São Paulo. Ihre Arbeiten stehen im Spannungsfeld von Plastik, Grafik und Performance und lassen sich deshalb nicht gängigen Kategorien zuordnen. Ihre Kunst beschreibt sie selbst als „prozessual“. In ihrer dritten Einzelausstellung bei Philipp Pflug Contemporary (PPC) mit dem Titel „Cosmic Confusion“ wird deutlich, wie ihre Kunst durch unterschiedliche Arbeitsstufen geformt wird. Die Ausdehnung des Universums, die Vieldimensionalität des Weltalls und das davon bestimmte menschliche Bewusstsein sind Themen, die Kranich für die Schau inspiriert haben. An den Wänden hängen Siebdrucke mit Flechten, die sich in den Raum ranken, die Galerie scheint zum Wald zu werden.

          Die großformatigen Rauchzeichnungen „Cosmic Confusion 5–8“ (je 11.000 Euro) basieren auf Überresten ihrer pyrotechnischen Werke und sind mit Graphit verfeinert. Sie bilden mystische Weltraumstrukturen ab, Chimären aus Pflanzen und Gesteinen und architektonische Formen. Im Gegensatz dazu steht die Serie „Compact Time“, die 2012 aus den Relikten einer Feuerwerksperformance entstanden ist: Im großen Schaufenster der Galerie hat Kranich Schrottreste angeordnet. Blechdosen, Metallkabel und Zünder sind in Quadern zusammengepresst (je 3000 Euro). Damit möchte sie die Kondensierung von Raum und Zeit sichtbar machen. Die Kraft des Feuers ist gleichzeitig Metapher für Zerstörung und Neuanfang. (Bis zum 3. August.) Auch Bernhard Schreiners Ausstellung „Mr. Kev Moon“ bei Kai Middendorff analysiert die Naturgewalten. Der Name ist ein Anagramm, das aus dem Titel der zentralen Arbeit der Ausstellung, der Klanginstallation „Vorkommen“, geformt ist: Schreiner erzählt da mit Hilfe von Soundeffekten die Kommunikation von Pflanzen und Tieren nach (14.000 Euro). Pilze wachsen an der Decke. Aus Lautsprechern ertönen die Klänge der Natur, Seen plätschern. Alle Arbeiten treten in Beziehung zueinander, sie bilden einen Diskurs über das Verhältnis von Menschen und Natur. Kaputte Glasreste, die „bottle“ heißen (2200 Euro), und Plastikbecher als „repair“ (1800 Euro) sind verbunden mit Pilzen aus Keramik.

          Die Pilze (von 900 Euro an) durchziehen mit ihren Myzelien die Galerie. Der Künstler will mit der Objektifizierung von Lebewesen brechen. Er erschafft dafür eine ganzheitliche Raumerfahrung. Und wie eine Mahnung hat Schreiner in einer Ecke skulpturale Plastikabfälle unter dem Titel „Non-retournable Containers“ drapiert, die entsprechend leblos sind. Die Keramiken sollen Fragilität und Beständigkeit des Menschlichen symbolisieren, vielleicht sind sie auch eine Reminiszenz an den allgegenwärtigen Zerfall des Lebens. (Bis zum 17.August.)

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