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Galerie-Ausstellung : In den Gärten der Sehnsucht

  • -Aktualisiert am

Die Galerie des Verlags St. Gertruden in Hamburg zeigt eine Ausstellung mit Werken aus allen Schaffensphasen von Hannah Höch - mit Aquarellen, Gemälden, Zeichnungen und Collagen.

          2 Min.

          Lange Jahre war sie nur für ihre dadaistischen Collagen und satirischen Bildmontagen der Weimarer Republik bekannt. Doch dass Hannah Höch eher einer „Picasso-Natur“ glich – das sagte sie selbst einmal scherzhaft –, dass sie viele Stile auf sich vereinte, belegen die seit einigen Jahren zunehmenden Ausstellungen. Der Verlag St. Gertruden in Hamburg zeichnet nun mit seiner kleinen Schau „Hannah Höch. Auf der Suche nach der versteckten Schönheit“ den Werdegang der außergewöhnlichen Künstlerin anhand ausgewählter Arbeiten nach.

          Hannah Höch, 1889 in Gotha als älteste Tochter in eine gutbürgerliche Familie geboren, ging 1912 an die Kunstgewerbeschule in Berlin-Charlottenburg. Von 1916 an arbeitete sie zehn Jahre lang halbwöchentlich als Entwurfszeichnerin für den Ullstein Verlag: Einige kolorierte Linolschnitte für Stoffmuster und Tapetenentwürfe sind in der Galerie ausgestellt (Preise von 3500 bis 11 000 Euro). Sie entwarf komplexe dekorative Muster, die nach dem Prinzip des Rapports auf der unbeschränkten Erweiterung des Motivs basierten. Gleichzeitig entstand in ihr der Wunsch nach Gleichberechtigung von freier Kunst und Kunsthandwerk.

          Bildwelten mit menschlichen Lebensstufen

          Im Jahr 1915 lernte Hannah Höch den verheirateten Raoul Hausmann kennen. Die instabile und kräftezehrende Liebesbeziehung sollte sieben Jahre lang dauern. Künstlerisch beflügeln sie sich gegenseitig, zusammen lernen sie die Wegbereiter des Berliner Dada kennen, zu dessen Höhepunkt die „Erste Internationale Dada-Messe“ 1920 wird. Kleinere Tuschezeichnungen, wie die „Verfolgung“ von 1923 (8800 Euro), und der amüsante Linolschnitt „Das Vierviertelschwein und die Auftakteule“ von 1925 (2200 Euro) zeugen noch vom Einfluss des Dada.

          Später wendet sich Höch zunehmend der Malerei zu, auch als Ausdruck ihrer inneren Emigration während der NS-Zeit. Blumen spielen auf ihren Bildern eine entscheidende Rolle, von 1939 bis zu ihrem Tod 1978 pflegt sie ihren Garten in Berlin-Heiligensee mit großer Sorgfalt. Das 1938 entstandene Gemälde „Jahresablauf“ zeigt im Zentrum der Komposition einen gewundenen Weg, der von zahlreichen Blumen und Pflanzen gesäumt ist. Zwischen der üppigen Botanik erkennt man ein kleines Kind, ein Paar und eine alte Frau auf verschiedenen Wegabschnitten, als den menschlichen Lebensstufen. Auch die Pflanzenwelt ist aufgeteilt: Unten finden sich zarte Blumen und Frühblüher, in der Mitte versammeln sich kräftige und satte Farbtöne mit herbstlichen Pflanzen, während oben dunkle Tannen und Pilze wachsen (140 000 Euro). Eine ganz ähnliche Symbolik findet sich im Großformat „Der Berg“ von 1939 (280 000 Euro).

          Trotz ihrer gescheiterten Beziehungen – nach Hausmann lebt sie zehn Jahre mit der niederländischen Schriftstellerin Til Brugman zusammen, und 1936 lernt sie den 21 Jahre jüngeren Handelsvertreter Kurt Heinz Matthies kennen, mit dem sie von 1938 bis 1944 verheiratet ist – finden sich zahlreiche Darstellungen von Paaren in ihrer Kunst. Nach zwei Abtreibungen während der Zeit mit Hausmann kann Hannah Höch keine eigenen Kinder mehr bekommen, stattdessen nehmen Haustiere eine wichtige Rolle in ihrem Leben ein. Das „Selbstbildnis mit Katze Ninn“ von 1928 zeigt das geliebte Tier, ganz in warmen Rottönen, sich selbst stellt die Künstlerin in kühlem Blau dar (140 000 Euro). Auch Collagen, Hannah Höchs Meister-Medium, versammelt die Hamburger Ausstellung: In „Duo gespannt“ von 1964 sind zwei in ihren Bewegungen verharrende Katzenkinder mit Ausschnitten teils überklebt, die wie Drippings von Jackson Pollock wirken und offensichtlich von der Künstlerin selbst angefertigt wurden (26 000 Euro).

          Galerie und Verlag St. Gertruden: Hannah Höch. Auf der Suche nach der versteckten Schönheit“

          Noch bis zum 10. Juni.

          Der Katalog kostet 5 Euro.

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