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Impressionismus und Moderne : Nichts geht ohne Picasso

  • -Aktualisiert am

Von den Rekorden im vergangenen November beflügelt, starten Christie's und Sotheby's mit großen Erwartungen in ihre Maiauktionen. Dreistellige Millionenbeiträge sollen Werke der Impressionisten und der Moderne einspielen. Vor allem Freunde von Picasso werden dabei auf ihre Kosten kommen.

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          Anknüpfend an die von Klimt und Kirchner dominierte New Yorker Ausnahme-Auktion bei Christie's im vergangenen November, haben die beiden führenden Häuser in dieser Saison wieder Großes vor. Sotheby's peilt mit einer oberen Gesamttaxe von fast 300 Millionen Dollar hausintern die umsatzstärkste Abendveranstaltung in der Kategorie Impressionismus und Moderne an; Christie's folgt mit 245 Millionen. Eine Woche später will Sotheby's zeitgenössische Kunst im Wert von bis 265 Millionen Dollar versteigern, während Christie's sogar 300 Millionen avisiert - was ebenfalls ein Rekord wäre für eine Abendauktion mit Kunst nach 1945.

          Am 8. und 9. Mai wird weniger Impressionismus angeboten als in der Vergangenheit - dafür mehr Moderne. Wer nach großformatigen Seerosenbilder von Monet Ausschau hält, wird in diesem Frühjahr enttäuscht, kann sich aber trösten mit Bronzeplastiken von Giacometti, Frauenbildnissen von Modigliani, Aquarellen von Cézanne, herausragenden Ölbildern von Lyonel Feininger, Giacomo Balla und Juan Gris oder Léger, Chagall, Kandinsky, Kirchner und Miró.

          Picasso in allen Phasen

          Freunde von Picasso haben die Wahl zwischen frühen Pastellen, Gouachen und kleinen Ölbildern der Rosa Periode, zwischen Großformaten der dreißiger Jahre, Skulpturen und aggressiv bunten Spätwerken. Bei Christie's sind neun von 77 Losen von Picasso, bei Sotheby's mit fünfzehn von 61 sogar ein Viertel aller Lose. Unter anderen versteigert Sotheby's für - mit einer Garantiesumme für den Einlieferer versehene - vierzehn bis achtzehn Millionen Dollar das 35 mal 26 Zentimeter messende, melancholische Ölbild „Tête d'Arlequin“ aus dem Jahr 1905, auf dem derselbe Junge im Rautenkostüm porträtiert ist, der vor drei Jahren als „Garçon à la Pipe“ für 104 Millionen Dollar in die Geschichte eingegangen ist.

          Bei Christie's wird das 65 mal 55 Zentimeter große Gemälde „Tête et main de femme“ von 1921 aufgerufen, das eine von Picassos kolossalen klassizistischen Göttinnen zeigt. Bei allem Genie hat Picasso doch immer auch Sinn für Humor, und so wirkt die Dargestellte hier nicht wie in Stein gehauen, sonder eher wie ein aufgeblasener Ballon. Vor nur zwei Jahren hat das Bild am selben Ort (inklusive Aufgeld) knapp 13,5 Millionen Dollar gebracht; nun liegt die Schätzung bei vierzehn bis achtzehn Millionen. Picassos „Les Amants“, ein Breitformat mit zwei abstrakten Körpern aus dem Jahr 1932, soll bei Sotheby's zehn bis fünfzehn Millionen kosten - vor sieben Jahren hat sein Besitzer bei Christie's rund die Hälfte dafür bezahlt, (inklusive Aufgeld) knapp 6,5 Millionen Dollar. Picassos fruchtbares Jahr 1965 schließlich ist bei Sotheby's mit der lebensgroßen „Femme nue assise“ vor blutrotem Hintergrund repräsentiert (Taxe 8/10 Millionen Dollar; garantiert).

          Verzauberte Tage in Marokko

          Das Spitzenlos bei Sotheby's am 8. Mai jedoch stammt von Picassos Rivalen Henri Matisse: Es ist eine farblich zurückhaltende „Odalisque grise et jaune“, die er 1925 in Nizza gemalt hat. Eine junge Frau mit tiefliegendem Gürtel über durchscheinendem Gewand räkelt sich barbusig auf einem grünweißgestreiften Diwan. Auf einem Beistelltisch hinter ihr stehen eine bauchige Wasserpfeife und ein schwarzes Kästchen. Matisse selbst nannte die Odalisken „einen lieblichen, lebendigen Traum, die Ausbeute glücklicher Erinnerungen an verzauberte Tage und Nächte im marokkanischen Klima“. Der Kringel neben der Losnummer bedeutet, dass auch auf die Odaliske ihrem Einlieferer eine Garantie gewährt wurde; die Schätzung liegt bei fünfzehn bis zwanzig Millionen Dollar.

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