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Impressionismus und Moderne : Nach oben wird die Luft dünn

  • -Aktualisiert am

Bei den Auktionen mit Impressionismus und Moderne in London erzielen Malewitsch und Heckel Rekordpreise. Für das teuerste Kunstwerk reichte ein Anruf.

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          Die Abendauktion mit Impressionismus und Moderne bei Sotheby’s in London sorgte für Aufsehen: fünf neue Künstlerrekorde, Teilnehmer aus 35 Ländern. Ein Durchschnittspreis von fast drei Millionen Pfund für 63 verkaufte Lose. Und der höchste Umsatz einer Abendauktion jemals in London mit 186,5 Millionen Pfund. Der erste Markttest im Auktionsjahr 2015 zeigt, dass die Zahl der weltweit aktiven Investoren, Trophäensammler und Liebhaber der Kunst - nicht selten in einer Person vereint - weiterhin steigt. Im vergangenen Februar erst hatte Christie’s einen neuen Umsatzrekord von 176,9 Millionen Pfund aufgestellt. Diesmal blieb der Konkurrent mit einem Umsatz von 147,03 Millionen Pfund für siebzig der achtzig angebotenen Lose hinter Sotheby’s zurück.

          Der Abend bei Sotheby’s stand ganz im Zeichen des Impressionismus. Star-Los war Monets Gemälde „Le Grand Canal“. Es war mit einer Taxe von zwanzig bis dreißig Millionen Pfund versehen, und der siegreiche Telefonbieter fand gegen sein Gebot von 21 Millionen Pfund keinen Widerstand. Das Werk war mit einer Garantie abgesichert, denn in diesen Regionen wird die Luft dünn. Drei weitere Monets schafften es in die Top Ten bei Sotheby’s - darunter das Gemälde „Les Peupliers à Giverny“ von 1887 aus der Sammlung des MoMA, das für 9,5 Millionen Pfund einer amerikanischen Privatsammlung zugeschlagen wurde.

          Ebenfalls bei Sotheby’s erzielte Seurats 32,4 Zentimeter hohe „Étude pour une baignade, Asnières“ mit 6,8 Millionen einen neuen Rekord für den Künstler auf Papier. Doch die Überraschung des Abends war das kleine Selbstporträt Kasimir Malewitschs von 1909: Zum Fünffachen der unteren Taxe bei fünf Million Pfund wurde es zugeschlagen. Es war im vergangenen Jahr in der Malewitsch-Ausstellung der Bonner Bundeskunsthalle und der Tate Modern in London zu sehen. Der laszive Charme von Matisses „Odalisque au fauteuil noir“ (Taxe 9/12 Millionen) trieb ihren Wert auf vierzehn Millionen Pfund, während Toulouse-Lautrecs Liebende „Au lit: le baiser“ nahe der unteren Taxe von neun Millionen Pfund blieb. Für Abwechslung im Programm sorgte Gino Severinis futuristisch-bewegte Dame in blauem Ensemble: „Ritmo astratto di Madame M.S.“ (5/7 Millionen) wurde am Telefon von Caroline Lang, Chairman von Sotheby’s in der Schweiz, für 6,2 Millionen Pfund vermittelt.

          Bieten durch die Linse

          Christie’s dagegen kann unter der Ägide von Deputy Chairman Olivier Camu mit Spitzenwerken des Surrealismus glänzen. Stolze neun Werke von Magritte wurden bei Christie’s versteigert. Sein kleines „Souvenir de voyage“ (450 000/650 000), ein Apfel mit Maske, wurde im Saal bei 2,3 Millionen zugeschlagen - ein Rekord für Magritte auf Papier. Der auf vier bis sieben Millionen geschätzte Miró „Painting (Women, Moon, Bird)“, gemalt im Jahr 1950 und marktfrisch, hängte mit dem Rekordpreis für ein Nachkriegswerk des Künstlers von 13,8 Millionen Pfund sogar den als Spitzenlos angekündigten Cézanne ab. Vier Händler im Saal, darunter William Acquavella und David Nahmad, waren die Unterbieter. Im Wettstreit um den Cézanne, „Vue sur L’Estaque et le Château d’If“, aus der Sammlung von Samuel Courtauld (8/12 Millionen) - von 1985 bis 2014 als Leihgabe im Fitzwilliam Museum in Cambridge zu bewundern - lies die New Yorker Händlerin Nancy Whyte mit einem Gebot von zwölf Millionen Pfund die Konkurrenz hinter sich.

          Zu den Leckerbissen der Christie’s-Auktion gehörten außerdem vier Werke des deutschen Expressionismus aus der Sammlung von Carl Hagemann, die versteckt im Frankfurter Städel dem Zugriff der Nationalsozialisten entging. Erich Heckels „Badende am Waldteich“ (1,5/2,5 Millionen) aus dem Jahr 1910 und Karl Schmidt-Rottluffs „Badende am Strand“ (1/1,5 Millionen) von 1922 gingen an den gleichen Käufer im Saal, der sichtlich erfreut war, sich die Leinwände für 2,6 Millionen - ein Rekord für Heckel - und 950 000 Pfund sichern zu können. Ein offensichtlich sehr wichtiger Christie’s-Kunde am Telefon von Jay Vincze, dem Leiter der Moderne-Abteilung, hatte sich zuvor beide Leinwände vor das Rostrum, das heißt vor die Kamera, tragen lassen, da er die Auktion über das Internet verfolgte. Auch wenn er sich bei beiden schließlich überbieten ließ, hatte er doch zur allgemeinen Erheiterung im Saal beigetragen.

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