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Impressionismus und Moderne : Munchs letzter Schrei

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Die New Yorker Auktionen mit Impressionismus und Moderne werden von spektakulären Spitzenlosen angeführt. Die Begeisterung kaschiert die Akquiseprobleme.

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          Zweiunddreißig Lose führt der Christie’s-Katalog der New Yorker Mai-Auktion mit Impressionismus und Moderne am 1. Mai. Das ist ein Minusrekord. Dadurch wird deutlich, was seit ein paar Jahren diskutiert wird: Es gibt keinen Nachschub. Wo sollte der auch herkommen? Die Sammler wollen in diesen Zeiten in Kunst investieren, nicht sie verkaufen. Sotheby’s hatte mehr Erfolg bei der Akquise und kommt auf insgesamt 76 Lose, die am 2. Mai angeboten werden. Bei beiden Auktionshäusern werden Hauptwerke angeboten, deren Preisentwicklung kaum vorherzusehen ist. Sotheby’s hat sicherlich den größten Coup zu erwarten mit Edvard Munchs „Der Schrei“, der letzten noch in privater Hand befindlichen Version des Sujets. Das ikonische Pastell auf Holz kommt am 2. Mai abends unter den Hammer: Sotheby’s rechnet mit einem Zuschlag bei mehr als achtzig Millionen Dollar.

          Zugpferd bei Christie’s ist ein Entwurf zu Cézannes berühmter „Kartenspieler“- Serie: Das Aquarell wurde zuletzt 1953 gezeigt. Im September 2011 wurde es dann im Nachlass des Sammlers und Forschers Heinz F. Eichenwald in Dallas entdeckt. Eichenwald erbte das Blatt von seinem Vater, der es seinerseits um 1930 in einer Berliner Galerie erworben hatte. Im Jahr 1936 floh die Familie mit ihrer Kunstsammlung vor den Nationalsozialisten nach New York - und die Zeichnung verschwand. Cézannes fünf Gemälde der „Kartenspieler“ entstanden in den Jahren 1890 bis 1896. Das jetzt angebotene Aquarell zeigt den stoischen Schnauzerträger, der stets rechts am Tisch im Profil zu sehen ist. Dargestellt wird Cézannes Gärtner Paulin Paulet, der sich um sein Haus bei Aix-en-Provence kümmerte. Das Herausragende des 46,7 mal 30,5 Zentimeter großen Blatts fällt sofort auf: Es basiert nicht auf einer Unterzeichnung, die Linien sind frei gezogen. Die Schätzung dafür liegt bei fünfzehn bis zwanzig Millionen Dollar.

          Eine wahre Farbexplosion folgt auf den zarten Spieler: Der Blumenstrauß aus dem Jahr 1907 von Henri Matisse passe in den Frühling, schreibt Christie’s und erhofft sich für die fauvistischen „Pivoines“ acht bis zwölf Millionen Dollar. Wie kleine Hütchen verteilen sich die Strohballen auf Monets „Les Demoiselles de Giverny“ (Taxe 9/12 Millionen Dollar) von 1894 auf dem Feld; das Bild ist jetzt seit den zwanziger Jahren erstmals öffentlich zu sehen.

          Der Auktionsliebling Picasso ist sechsmal vertreten, fast alle seine Frauen sind dabei: Marie-Thérèse Walter, Françoise Gilot, Dora Maar und Jacqueline Roque (nur Olga Khoklova fehlt). Das Spitzenlos dieser Gruppe sind „Deux nus couchés“ (8/12 Millionen), zwei Akte aus der Vogelperspektive. Der grasgrüne Hintergrund deutet darauf hin, dass Picasso beim Malen zu viel an Manets „Frühstück im Grünen“ dachte. Attraktiver zeigte Picasso Marie-Thérèse Walter 1932 in ihrer Lebensrolle „Le repos“ (5/7 Millionen): Sie schläft, den Kopf auf ihre Hand gelegt, mit rotgeschminkten Lippen.

          Sotheby’s hat nach Munchs „Schrei“ eine weitere Sensation zu melden: Das Gemälde „Nu adossé I“ aus dem Jahr 1925 von Tamara de Lempicka hat die Öffentlichkeit vor 85 Jahren zuletzt gesehen. Der Akt einer Frau mit Bubikopf, die kokett ihren Kopf an ihre Schulter schmiegt, soll drei bis fünf Millionen Dollar einbringen. Damals gab eine Ausstellung in der Mailänder Galerie Bottegia di Poesia Lempickas Karriere einen Schub. Das Bild galt seit der Schau als verschollen. Was gibt’s noch? Natürlich - Picasso.

          Er hat Dora Maar sehr kantig auf einen Stuhl gesetzt; „Femme assise dans un fauteuil“ (20/30 Millionen) malte er am 23. Oktober 1941 auf eine 92 mal 73 Zentimeter große Leinwand. Das Gemälde „Le chausseur de chez Maxim’s“ von Chaim Soutine bezeichnet Sotheby’s als eines seiner Schlüsselwerke (10/15 Millionen) und hat gleich noch ein zweites Gemälde des Künstlers aus dem Paris der zwanziger Jahre angenommen: „Le chasseur“ für geschätzte vier bis sechs Millionen. Mirós hübsche „Tête humaine“ von 1931 soll zehn bis fünfzehn Millionen bringen, Gauguins Hochformat mit blauen Bäumen „Cabane sur les arbres“ ist auf fünf bis sieben Millionen Dollar geschätzt.

          Die Gesamttaxe der Abendauktion bei Christie’s liegt bei 98,5 bis 142,2 Millionen Dollar. Bei Sotheby’s hält man einen Gesamtumsatz von mehr als 240 Millionen Dollar für möglich. Für die nächste Woche gilt: Ein Großteil der Verantwortung, ob die Auktionen gelingen, misst sich am Erfolg von Cézannes „Kartenspieler“ und Munchs „Schrei“.

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