https://www.faz.net/-gqz-6xl72

Impressionismus und Moderne : Ein veritables Schwergewicht hebt ab

  • -Aktualisiert am

Dank eindrucksvoller Marktfrische aus privaten Händen hat bei den Londoner Auktionen mit Impressionismus und Moderne Christie’s die Nase vorn.

          4 Min.

          Der Zauber der Elizabeth Taylor entfaltete seine Wirkung, und die Lose der Hamburger Sammlung Hubertus Wald überzeugten mit Qualität und Ausstrahlung: So konnte Christie’s mit einer marktfrischen Auswahl aus insgesamt sechs privaten Sammlungen den Erzrivalen Sotheby’s bei den Londoner Abendterminen mit Impressionismus und Moderne überrunden.

          Mit 76 verkauften von 88 Losen spielte Christie’s einen Umsatz von 135 Millionen Pfund ein: ein starkes Ergebnis oberhalb der Erwartung von 86 bis 127 Millionen. Bei Sotheby’s waren 53 Lose im Angebot, von denen 41 neue Besitzer fanden. Der Umsatz erreichte mit knapp 79 Millionen die Gesamttaxe von 77,3 bis 111,2 Millionen Pfund. Insgesamt überzeugen die Ergebnisse weiterhin und belegen, dass vor dem Hintergrund volatiler Börsenmärkte die Kunst als greifbare Geldanlage von erfahrenen wie von weniger erfahrenen Käufern geschätzt wird.

          Der Abend bei Christie’s begann vielversprechend mit neun Losen der Sammlung Wald. Robert Delaunays „Tour Eiffel“ überstrahlte mit intensiver Farbigkeit den Raum und wurde erst bei 3,3 Millionen Pfund (Taxe 1,5/2,5 Millionen) am Telefon zugeschlagen - ein Auktionsrekord für Delaunay. Kees van Dongens etwas schwerfällige „Buste de femme nue“ (700.000/1 Million) konnte keinen Sammler verführen, dafür waren die eleganten weißen und grauen, mit Orange, Violett und Grün in den Ecken balancierten Rechtecke von Georges Vantongerloo umso begehrter: Das Bild konnte die obere Taxe mehr als verdoppeln und wurde am Telefon von Andreas Rumbler bei 520.000 Pfund (250.000) zugeschlagen.

          Gleich im Anschluss kamen drei Lose aus der Sammlung der im März 2011 verstorbenen Elizabeth Taylor zum Aufruf: Degas’ kleines „Autoportrait“ stieg auf 600.000 Pfund (350.000/450.000), Pissarros sommerliche „Pommiers à Éragny“ konnten stolze 2,6 Millionen (900.000/ 1,2 Millionen) einspielen. Besonders umworben war jedoch van Goghs späte „Vue de l’asile et de la Chapelle de Saint-Rémy“, welche der Kunsthändler Francis Taylor 1963 bei 93.000 Pfund für seine Tochter in London ersteigerte. Erst 2007 wurde ein Restitutionsanspruch auf das Bild von einem amerikanischen Gericht abgelehnt. Mehr als eine Handvoll Bieter trieben nun den Hammerpreis auf neun Millionen Pfund (5/7 Millionen).

          Zur Sensation des Abends avancierte Henry Moores 2,5 Meter lange Bronze „Reclining Figure: Festival“ aus der Sammlung des New Yorker Immobilienmoguls Sheldon Solow, die auf 3,5 bis 5,5 Millionen Pfund geschätzt war. Die liegende, auf ihre Unterarme gestützte Figur wurde von Moore als eines seiner Schlüsselwerke bezeichnet. Sie entstand anlässlich des „Festival of Britain“ 1951 und war vom Arts Council in Auftrag gegeben worden. Zwei der fünf existierenden Abgüsse befinden sich in Museumssammlungen, in der Scottish National Gallery und im Musée d’Art Moderne von Paris. Nach einem langen Bietgefecht setzte sich schließlich der angereiste, auf russische Kunst spezialisierte Kölner Händler Alex Lachmann mit einem Gebot von siebzehn Millionen Pfund durch, möglicherweise für einen russischen Kunden: ein Rekord für Moore, der steigende Preise für Skulpturen reflektiert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impeachment-Anhörungen : Trumps Schattendiplomat

          Gordon Sondland muss sich auf ein regelrechtes Verhör gefasst machen. Von dem amerikanischen Botschafter bei der EU erhoffen sich die Demokraten Aussagen, mit denen sie Donald Trump der Erpressung und Bestechung überführen können.

          Bei Vortrag angegriffen : Weizsäcker-Sohn in Klinik getötet

          Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten, ist von einem Angreifer in Berlin bei einem Vortrag erstochen worden. Der Täter wurde festgenommen, über sein Motiv besteht noch Unklarheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.