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Impressionismus, Moderne und Gegenwartskunst : Viel elegantes Weiß für diesen Winter

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Wieder zählen Herkunft und Marktfrische: Das gilt für die Londoner Auktionen mit Impressionismus und Moderne wie für die mit zeitgenössischer Kunst.

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          Der Mythos Elizabeth Taylor soll auch in London Wunder wirken. Drei der 38 Werke ihrer Kunstsammlung wurden für die Abendauktion mit Impressionismus und Moderne bei Christie’s am 7. Februar ausgewählt, die übrigen werden am folgenden Tag versteigert. Diese attraktive Provenienz trägt das kleine Selbstporträt des jungen Degas (Taxe 350.000/450.000 Pfund), das die Leinwandlegende 1957 in Paris ersteigerte; es befand sich zuvor in der Sammlung von Prinz Ali Khan.

          Im selben Jahr kaufte Taylor die Sommerlandschaft „Pommiers à Éragny“ von Pissarro (900.000/1,2 Millionen). Die Schauspielerin konnte sich auf die Expertise ihres Vaters, eines in London agierenden Kunsthändlers, verlassen: Er kaufte für seine Tochter auch Van Goghs herbstliche „Vue de l’asile et de la Chapelle de Saint-Rémy“ bei Sotheby’s in London. Van Gogh malte das vergleichsweise ruhige Bild 1889, ein Jahr vor seinem Tod. Nun werden fünf bis sieben Millionen Pfund für das zweitteuerste Los des Abends erwartet.

          Christie’s fährt mehr interessante Provenienz auf: Die ersten neun Lose kommen marktfrisch aus der Sammlung des im Jahr 2005 gestorbenen deutschen Unternehmers Hubertus Wald, darunter Papierarbeiten von Kandinsky, Jawlensky und Henri Laurens, neben einer „Buste de femme nue“ auf Leinwand von Kees van Dongen (700.000/1 Million), einer abstrakten Komposition des Belgiers Georges Vantongerloo und einer spektakulären „Tour Eiffel“ im Großformat Robert Delaunays (1,5/2,5 Millionen) von 1926.

          Das Spitzenlos aber ist ein wichtiges kubistisches Stillleben mit Buch und Flasche von Juan Gris, entstanden zwischen 1914 und 1915: „Le livre“ schrieb Ausstellungsgeschichte, wurde es doch 1945 in der Nachkriegsschau „Cubisme“ in der Galerie de France in Paris ausgestellt. Seit den fünfziger Jahren befand es sich in einer Schweizer Privatsammlung; nun kommt es mit einer Erwartung von zwölf bis achtzehn Millionen Pfund. Christie’s erhofft sich dafür ein besseres Ergebnis als für das aggressiv taxierte Degas-Spitzenlos im November in New York, das zurückging.

          Henry Moore ist mit gleich vier Werken vertreten. Von einem New Yorker Sammler - es soll sich um den Immobilienmogul Sheldon Solow handeln -, wurde seine fast zwei Meter lange „Reclining Figure: Festival“ eingereicht (3,5/5,5 Millionen). Doch nicht nur in der Kunstwelt sind Bronzen grade sehr beliebt: Im Dezember wurde in London eine mit 500.000 Pfund versicherte Plastik von Barbara Hepworth in Dulwich gestohlen; eine auf drei Millionen Pfund geschätzte Plastik Moores, die 2005 aus einem englischen Park abtransportiert und eingeschmolzen wurde, soll den Dieben nicht mehr als 1500 Pfund eingebracht haben. Im Anschluss an die 51 Lose mit Impressionismus und Moderne werden bei Christie’s noch 39 Werke unter der Rubrik „The Art of the Surreal“ aufgerufen. Der erwartete Gesamtumsatz für die neunzig Lose des Abends liegt bei 86 bis 127 Millionen Pfund.

          Das erste Los der Sotheby’s-Abendauktion am 8. Februar ist Max Liebermanns noch muntere Berliner Szene „Gartenlokal am Wannsee“ von 1933 (500.000/ 700.000), eingereicht aus einer deutschen Privatsammlung. Im selben Jahr entstand auch das Spitzenlos, Mirós Leinwand „Peinture“ (7/10 Millionen), die seinen Versuch reflektiert, eben über Malerei hinaus zu gehen. Auch Sotheby’s hat eine Reihe attraktiver Landschaften im Programm; Klimts „Seeufer mit Birken“ - geschätzt auf sechs bis acht Millionen Pfund - aus dem Jahr 1901 ist eine besondere Entdeckung: Als 2007 ein Werkverzeichnis Klimts publiziert wurde, wusste dessen Herausgeber Alfred Weidinger, Vizedirektor des Belvedere in Wien und Klimt-Spezialist, noch nichts von der Existenz des Gemäldes.

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