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Kunst- und Antiquitätenwochen : Im sanften Licht des Sommers

  • -Aktualisiert am

Die 22. Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen locken noch bis zum 21. August: Die Händler in der Altstadt präsentieren ihre schönsten Stücke zur Festspielzeit.

          Fast unbemerkt kam der hohe Besuch nach Bamberg. Ohne Entourage, ganz privat wandelten Königin Silvia und König Carl Gustaf von Schweden vor wenigen Tagen durch die wundervolle Altstadt am Fuße des Dombergs und machten auch Stippvisiten bei den dortigen Antiquitätenhändlern. Von Käufen wurde zwar nichts bekannt – Drottningholm und die anderen Königsschlösser Schwedens dürften hinlänglich ausgestattet sein –, doch trug der Besuch sein Scherflein bei zum gelungenen Auftakt der diesjährigen Kunst- und Antiquitätenwochen. Dass das Paar diesen Ausflug mit seinem Besuch der Bayreuther Festspiele verband, entspricht im Übrigen exakt dem Synergiekalkül der Bamberger Veranstalter, die pünktlich zur Premiere in der Nachbarstadt ihr Angebot an Kostbarkeiten und Schönem ins Licht rücken.

          Jetzt, wo das schon zum zweiundzwanzigsten Mal geschieht, warf Christian Eduard Franke noch auf etwas anderes ein Schlaglicht, indem er das Titelfoto seines aktuellen Katalogs im „Vogelsaal“ des Bamberger Naturkundemuseums aufnehmen ließ. Der im Nordflügel des Jesuitenkollegs eingerichtete Saal hat ein bisschen Schleichwerbung durchaus verdient. Als hinreißende zweigeschossige, in Weiß, Blau und Gold gehaltene Raumschöpfung des späten 18. Jahrhunderts sollte er neben Naturalienliebhabern auch Kunstfreunde anziehen: Dort hinein, wo – inmitten von mit Putten bekrönten Vitrinen voller Vögel, Muscheln, Reptilien und solcherart mehr – einst ein großer, heute verlorener Globus stand, hatte Franke ein Globen-Paar gestellt, das Himmel und Erde, von Meridianringen gehalten, in eleganten Mahagonimonturen kugeln lässt.

          Hieronymus, der liebevoll den Löwen krault

          Jetzt stehen die 1816 und 1828 von den Brüdern John und William Cary in London signierten Instrumente wieder bei Franke in der Herrenstraße; zu haben sind sie für 187 000 Euro. Sie teilen sich die Aufmerksamkeit mit einer Vielfalt von Objekten, die auf zwei Geschäftsetagen verteilt an keiner Stelle den Anflug von Angst vor der Leere aufkommen lassen. Leise lächeln Elisabeth und Albrecht von Tscharner von der Wand herab, Johann Nikolaus Grooth malte das Berner Patrizierpaar 1765 in Samt und Seide, die Arme auf Möbel gestützt, wie sie damals modern waren und wie sie nun in ähnlicher Art in der schönen Fülle unterhalb der Porträts zu finden sind (34 500 Euro).

          Neben Franke, der als einer der neuen Geschäftsführer der Münchner „Highlights“-Messe agiert, wird dort im kommenden Herbst erstmals Senger den Bamberger Auftritt stärken. Ihr Renommee erwarb sich diese Kunsthandlung zunächst mit gotischen Skulpturen, wie sie auch jetzt in den Räumen und im warmen Lampenlicht des mittelalterlichen Gewölbekellers prangen. Da hält eine zauberhafte, um 1420 in Salzburg geschaffene Madonna (125 000 Euro) ihr Kindchen auf dem Schoß, und rund achtzig Jahre später lässt ein im Schwäbischen aktiver Schnitzer den heiligen Hieronymus liebevoll den Löwen kraulen, der an seinem Bein hochspringt (125 000 Euro). Mit Thomas Herzog, Walter Sengers Geschäftspartner und Schwiegersohn, sorgt die nächste Generation auch für weniger alte Kunst: zum Beispiel eine Statue Alexander von Humboldts im Expeditionsmantel und mit Deklinatorium in der Hand, die der Mailänder Bildhauer Filippo Biganzoli 1873 aus Carraramarmor schuf und drei Jahre später in Philadelphia auf der Weltausstellung zeigte (180 000 Euro).

          Nebenan räumt Gregor von Seckendorff Plastiken der Klassischen Moderne viel Platz auf Kommoden und Sekretären des 18. und frühen 19. Jahrhunderts ein; unter anderem lässt er die Stilentwicklung Fritz Klimschs anhand mehrerer Bronzen nachvollziehen. Sein Gemäldeangebot schließt Salonmalerei der Zeit um 1900 ein, darunter ein ruhender Mädchenakt, den Frederick Vezin fein lasierend und mit dem Stiel des Pinsels strukturierend in üppige textile Ambiance legte.

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