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Illegale Ausfuhr? : Gemälde von Artemisia Gentileschi beschlagnahmt

Wieder in Bari: das Artemisia Gentileschi zugeschriebene Ölgemälde „Caritas Romana“ Bild: AP

Carabinieri haben in Wien ein mutmaßlich illegal ausgeführtes Gemälde von Artemisia Gentileschi beschlagnahmt. Es sollte versteigert werden. Stattdessen ist es nun nach Italien zurückgekehrt.

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          „Gerettet für Italien“, frohlocken Nachrichtenportale im Belpaese: Ein womöglich illegal ausgeführtes Gemälde der italienischen Barockmalerin Artemisia Gentileschi wurde von Carabinieri des Kulturschutzes aus Bari in Wien entdeckt, sichergestellt und zurück nach Italien gebracht. Ohne den italienischen Zugriff wäre die Darstellung der „Römischen Caritas“, deren Wert auf um zwei Millionen Euro geschätzt wird, womöglich bei dem österreichischen Auktionshaus Dorotheum unter den Hammer gekommen oder im Rahmen eines Privatverkaufs in neue Hände geraten.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Entstanden ist das Ölgemälde vermutlich 1643/44 im Auftrag des Grafen Giangirolamo Acquaviva d’Aragona. Es setzt eine von Valerius Maximus verbreitete Legende ins Bild, wonach eine erwachsene Frau einem ihrer vom Hungertod bedrohten Elternteile im Gefängnis die Brust gibt, um es vor dem Hungertod zu retten. Dieses Exempel der Nächstenliebe avancierte im Barock zu einem beliebten Bildsujet.

          Apulisches Erbe

          Bis vor wenigen Jahren soll sich das Gentileschi zugeschriebene Bild in baresischem Familienbesitz befunden haben, zunächst auf Schloss Conversano, anschließend auf Schloss Marchione. Die gegenwärtigen Besitzer des Werks, Michele Forte und Domenico Iannuzziello, werden des Betrugs und der illegalen Ausfuhr eines Kulturguts beschuldigt. Forte und Iannuzziello sollen vom Kultusministerium in Genua zwar zunächst eine Ausfuhrgenehmigung erhalten haben, doch die Zuschreibung des Werks an Artemisia Gentileschi verschleiert und einen weit niedrigeren Schätzwert als den tatsächlichen angegeben haben. Die Genehmigung wurde widerrufen, die Ausfuhr wird daher als illegal eingestuft.

          Dass das Kunstwerk sichergestellt wurde, verdankt sich eines europäischen Abkommens zum „Einfrieren“ rechtswidrig ins Ausland gebrachten Kapitals, das nun auf ein Kunstwerk übertragen wurde. Die Staatsanwaltschaft Bari, die dem Kultusministerium angegliederten Carabinieri „Comando tutela patrimonio culturale“, das Amt für Archäologie und bildende Kunst der apulischen Hauptstadt, die Agentur der Europäischen Union für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen und die italienische Botschaft in Österreich arbeiteten bei der präventiven Beschlagnahmung zusammen. Nicht ohne Pathos kommentiert, den Anti-Mafia-Kämpfer Peppino Impastato zitierend, der Staatsanwalt Roberto Rossi: „Zur Schönheit zu erziehen heißt, zur Legalität zu erziehen. Unsere Geschichte, unsere Vergangenheit ist das, was uns zu freien Menschen macht."

          Das Wiener Dorotheum teilt in einer offiziellen Stellungnahme mit: „Das besagte Gemälde wurde 2019 mit Ausfuhrgenehmigung des italienischen Denkmalamtes als ,Artemisia Gentileschi und/oder Onofrio Palumbo zugeschrieben, vormals Massimo Stanzione zugeschrieben‘ aus Italien legal von den Eigentümern des Gemäldes ausgeführt. Diese Ausfuhrgenehmigung wurde 2020 nachträglich wieder aufgehoben. Über die Aufhebung dieses Ausfuhrbescheids aus Italien befinden sich die Eigentümer, die das Bild geerbt haben, seitdem in einem offenen Rechtsstreit mit der Ausfuhrbehörde. Das Gemälde wurde weder in einer Auktion noch in einem Private Treaty angeboten.“

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