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Hirst-Auktion in London : Das Goldene Kalb lebt

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Damien Hirst ist der erste Künstler, der seine Galeristen zu Kunden und Bietern macht. Aber dennoch: In London geschah eine historische Auktion - mehr nicht.

          Das Quartier von Sotheby's in der New Bond Street am Montag und Dienstag dieser Woche glich einem Paralleluniversum. War der Anlass schon apart genug, gemessen an den Usancen des Kunstmarkts - der größte single artist sale aller Zeiten, mit 223 zum Teil eigens für diese Veranstaltung produzierten neuen Arbeiten Damien Hirsts -, so setzte die reale Welt ein weiteres Zeichen: Der Bankrott der Investmentbank Lehman Brothers, der am Montagmorgen die City von London mit einer Massenentlassung in blanken Schock trieb, machte aus dem Auktionssaal eine Enklave des global vagierenden Kapitals, das in der zeitgenössischen Kunst seinen Halt finden will, wie spekulativ auch immer.

          Beinah müßig ist die Frage, ob ohne die akute Zuspitzung der Bankenkrise mehr Geld aus den Vereinigten Staaten geflossen wäre; denn diese Klientel, die im Höchstpreissegment zugreift, ist schlicht finanziell unabhängig von den Fährnissen für das Gros der Bankangestellten. Entsprechend ging Hirsts Rechnung auf, wie zu erwarten war; das merkantile Genie des Ausnahme-Artisten triumphierte. Man kann sich fragen, ob er vielleicht den Vollmond ins Kalkül einbezogen oder ob er vorsätzlich das Spitzenstück, sein „Goldenes Kalb“, als Los mit der Nummer 13 gesetzt hatte - die Klimax des Finanzchaos kann er kaum berechnet haben.

          Rückgänge sind Mangelware

          Man kann auch am Ergebnis herumdeuteln, das immerhin auf einen Umsatz von 111,4 Millionen Pfund lautet (das von den Käufern an Sotheby's zu zahlende Aufgeld inbegriffen): Man kann also befinden, dass das eine oder andere Hauptstück nicht seine untere Schätzung realisiert hat; allerdings ist da außer mit einem eingelegten Kalb, das witzigerweise „False Idol“ heißt, und einem ebensolchen Zebra unter dem Titel „The Incredible Journey“ - beide übrigens nicht in der Abendauktion - wenig Staat zu machen. Der gravierendste Flop des Abends aber, zwei Becken mit vier Haifischen namens „Theology, Philosophy, Medicine, Justice“ und taxiert auf drei bis vier Millionen Pfund, wurde noch während der Auktion im Nachverkauf abgefischt.

          Und ganz schlecht beraten ist man mit Verschwörungstheorien. Ein amerikanisches börsennotiertes Unternehmen wie Sotheby's leistet sich keine illegalen Absprachen; sollten sie ruchbar werden, wäre das ein Desaster (in schmerzlicher Erinnerung an die Folgen der Preisabsprachen zwischen Christie's und Sotheby's im Jahr 2000). Die „New York Times“ will Gerüchte kennen, dass Jay Jopling, dem Eigentümer von Hirsts Londoner Galerie White Cube, von Sotheby's ein „incentive“ gegeben worden sei, um seine Kunden in die Auktion zu lenken: Das genau ist ziemlich absurd angesichts der Lage, in die Hirst seine Galeristen gebracht hat, indem er selbst direkt in die Auktion einlieferte.

          Hirsts Galeristen in direkter Konkurrenz

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