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„Highlights“-Messe in München : Bunter Kunstherbst

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In München will sich die „Highlights“-Messe zwischen der Konkurrenz in London und New York behaupten.

          Auch der neueste Auftritt der „Highlights“ kann sich sehen lassen. Nobel aufgemacht, besetzt die Kunst- und Antiquitätenmesse den Kaiserhof der Münchner Residenz, vor sich den Hofgarten in schönsten Herbstfarben, hinter sich den kürzlich wiedereröffneten Königsbau. Vierzig Teilnehmer sorgen für ein breitangelegtes Angebot mit Hauptakzenten bei Alter Kunst von Gotik bis Barock und bei Klassischer Moderne.

          Für manchen ließ sich schon die Eröffnung bestens an, Peter Mühlbauer etwa verkaufte da ein hinreißendes, neu entdecktes Täfelchen des Elfenbeinvirtuosen Balthasar Permoser, das er mit 120000 Euro beziffert hatte. Dario Ghio aus Monte Carlo füllt mit Elfenbeinarbeiten eine große Vitrine; der Spezialist für Kunstkammerobjekte ist erstmals dabei mit seinen Raritäten, darunter ein Schreibzeug aus petrifiziertem Holz und Silber, gefertigt um 1800 in Italien, für Kardinal Ignazio Busca (180000 Euro). Gemeinsam mit den Schmuck-Experten VKDJewels aus den Niederlanden ist Ghio die Ausnahme unter den im Übrigen deutschen und österreichischen, wenngleich international aktiven Ausstellern.

          Die Highlights-Messe hat es nicht leicht, seit sie in der Terminzange ist zwischen der Londoner Frieze Masters und der New Yorker Ausgabe von Tefaf. Nicht wenige Händler, die zum weltläufigen Flair früherer Ausgaben beigetragen hatten, lassen eher eine kleine feine Boutiquemesse aus als die großen Renommierschauen. Neue Pracht bringt immerhin die Rückkehr von Röbbig mit einem in Burgunderrot ausgeschlagenen Stand, der frühe Porzellane in Szene setzt. Darunter den Dreiersatz großer, nach ostasiatischen Vorbildern bemalter Meissener Vasen, der, so erläutert ein Mitarbeiter in bayerischer Tracht, als diplomatisches Geschenk an den Duc d’Orléans gelangte, der die Kostbarkeit seiner Mätresse, der Marquise de Parabère, schenkte (1,4Millionen Euro).

          Bestens bestückt treten auch die beiden Generalisten aus Bamberg auf. Senger bietet, neben gotischer Skulptur oder ziselierten Schraubgefäßen für Nadeln und Garne aus der Renaissance, ein reizendes Gemälde an: Barbara Rosina de Gasc, gebürtige Berlinerin und Schülerin von Antoine Pesne, die an mehreren Fürstenhöfen tätig war, malte um 1745 den Markgrafen Friedrich Heinrich von Brandenburg-Schwedt, der im Garten vor einem Rokokobrunnen mit Gemahlin und Hofdamen der Darbietung des Ballettstars Barbara Campanini folgt (480000 Euro). Und bei Christian Eduard Franke holt man zwischen Möbeln von Abraham und David Roentgen die Kleinbronze eines „Mars“ mit keckem Bärtchen aus der Vitrine, zugeschrieben dem Venezianer Girolamo Campagna (36400 Euro).

          Wie Franke engagiert sich Alexander Kunkel als Geschäftsführer für die Messe – eine Aufgabe, um die man ihn wohl nicht beneiden muss; denn die Standmieten sind beachtlich, und passende Anwärter scheinen nicht gerade Schlange zu stehen. An Kunkels eigenem Stand zieht Lovis Corinths expressives Großformat „Ariadne auf Naxos“ die Blicke auf sich; es entstand 1913 und wanderte umgehend in die Sammlung von Alfred Krupp (450000 Euro). Wo viele Österreicher ausstellen, finden sich oft Gemälde von Alfons Walde: Bei Kovacek aus Wien hängen seltenere Motive wie Akte und eine Cancan-Tänzerin, während Erstaussteller Freller aus Linz in den beliebten Schneemotiven schwelgt, darunter ein „Hof am Kaisergebirge“ von 1891 (950000 Euro). Mit Otto Muellers vor Grün porträtiertem „Russischen Mädchenpaar“ von 1919 hat Ludorff aus Düsseldorf eines der kapitalsten Gemälde der Messe am Stand – es kostet 4,65 Millionen Euro – und noch dazu ein großartiges Scheibenbild „Dominant Gelb“ von Ernst Wilhelm Nay (1,25Millionen Euro).

          Auch bei Papierarbeiten schneidet die Klassische Moderne bestens ab, wo Wienerroither&Kohlbacher eine ganze Wand füllen mit Alfred Kubins Zeichnungen voller Rätsel, darunter das düstere „Verbaute Haus“ (95000 Euro). Thole Rotermund aus Hamburg fährt mit Holzschnitten von Franz Marc auf, Handdrucken, die Maria Marc fertigte und Lyonel Feininger schenkte (12000 bis 168000 Euro). Bei Sundheimer brillieren Klee-Arbeiten aus einer Sammlung in diversen Techniken und perfektem Zustand. Das wohl größte, jüngste und bunteste Werk im Zelt dürfte Jiří Dokoupil mit pigmentangereicherten Seifenblasen geschaffen haben, die er auf 3,50 Meter breiter Leinwand zerplatzen ließ, es prangt bei Pfefferle (99000 Euro).

          Eine Kunstmesse allein hat in München noch selten gereicht. Parallel zum Zugpferd der Highlights geht wieder „Kunst&Antiquitäten“ in Stellung: Die sechzig Aussteller verwandeln diesmal die Kleine Olympiahalle in ein Dorado für Einsteiger und viele Geschmäcker. Und zum zweiten Mal beziehen die „Paper Positions“ eine helle, luftige Lokalität in der Alten Bayerischen Staatsbank: Auf 39 Galerien angewachsen, die aus sieben Ländern kommen, führt das auch in Berlin und Basel aktive Salonformat vor Augen, welche Bandbreite an Möglichkeiten die Künstler im Material Papier entdecken. Es wird gerissen, geklebt, gerollt, gepresst und sogar beschnitzt, es wächst zu großen Installationen, trägt Fotografie – und natürlich auch Zeichnungen. Mit Jahn&Jahn und Max Weber/Six Friedrich aus München oder Commeter aus Hamburg testen auch etablierte Galerien mit ihren Künstlern den kojenfreien Parcours einer jungen und in jeder Beziehung bunten Mischung. Unter anderem mit Studien von Adolph Menzel hält hier einzig Fichter aus Frankfurt der Alten Kunst die Stange.

          Highlights, Residenz München, Eingang Hofgarten. Geöffnet am Samstag, dem 20. Oktober, und am Sonntag, dem 21.Oktober, von 11 bis 19 Uhr. Eintritt 25 Euro. – Kunst & Antiquitäten München, Kleine Olympiahalle. Bis zum Sonntag, dem 21. Oktober, geöffnet von 11 bis 19Uhr. Eintritt 9Euro. – Paper Positions, Alte Bayerische Staatsbank. Am Samstag, dem 20. Oktober, von 13 bis 20 Uhr, am Sonntag, dem 21.Oktober, von 11 bis 18 Uhr. Eintritt 15Euro.

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