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Highlights Messe : Herbstlicher Auftrieb in München

  • -Aktualisiert am

Die Kunstmesse „Highlights“ feiert ihre zehnte Ausgabe. Auch um sie herum gibt es bemerkenswerte Angebote.

          3 Min.

          Während der elegante Standort im Kaiserhof der Residenz seit längerem stabil bleibt, hat sich inhaltlich viel bewegt: hin zu einem immer stärker von Klassischer Moderne und jüngerer Kunst geprägten Angebot und einem insgesamt bodenständigeren Charakter. Rund vierzig Stände, darunter Aussteller aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden, besorgen das abwechslungsreiche Programm der Highligts. Man sieht, was möglich ist, auch wenn zum Beispiel kein Antikenhändler zugegen ist: Ein rotfiguriger Glockenkrater aus dem vorchristlichen Apulien (in Kommission von Charles Ede, London) kann trotzdem mit einer filigranen Metallskulptur Fausto Melottis von 1981 in Beziehung treten. Die Koje von Beck&Eggeling mischt Werke verschiedener Epochen und Kulturen zu solchen „Überraschenden Begegnungen“. Dass Sammler heute gerne eklektisch orientiert vorgehen, weiß auch der Salzburger Thomas Salis und stellt außereuropäische Bildwerke zu diversen Formaten von Markus Lüpertz und einem „Liegenden Oval“, das Kurt Schwitters 1944 im englischen Exil collagierte (475.000 Euro).

          Seit der ersten Ausgabe nimmt Martin Moeller aus Hamburg an den Highlights teil, diesmal konfrontiert er barocke Rötelzeichnungen mit Blättern von Adolf Menzel. Überhaupt versetzt die PapierFraktion in Staunen, wo etwa Thole Rotermund ein expressionistisches Feuerwerk funkeln lässt. Florian Sundheimer präsentiert ein Werk-Konzentrat von Hermann Glöckner, dem einst in der DDR wirkenden Konstruktivisten. Gabriele Münters „Interieur mit Weihnachtsbaum“ in Öl von 1908/09, sie selbst ist hinter dem locker gemalten Bäumchen im Spiegel zu sehen, bietet die Galerie Schwarzer für 680.000 Euro an. Gezielt österreichische Akzente setzen Wienerroither& Kohlbacher zur Entwicklung vom Wiener Modernismus bis zum Wiener Aktionismus, den Günther Brus’ großformatige Ölkreidezeichnung „Passbild“ mit Kopfnaht von 1987 rundet (135.000 Euro). Und die Wiener Galerie bei der Albertina hängt Schieles zauberhafte Zeichnung von pausbäckigen Zwillingsbabys, ehemals in der Sammlung Serge Sabarsky, zu Wiener Design des frühen 20.Jahrhunderts.

          Für jüngere Designklassiker bekam Felicitas Vogdt eine der neuen „Young Dealer“-Kojen. Dort stellt sie einen Teak-Schreibtisch mit integriertem Regal auf, den Pierre Jeanneret in den Fünfzigern für Regierungsgebäude im indischen Chandigarh entwarf, dem großen Bauprojekt seines Vetters Le Corbusier (16.800 Euro). Zeitgenössische Kunst zeigen mehrere Münchner Galerien, aber auch Ludorff aus Düsseldorf, wo man auf den schwarzen Pudel achten sollte, den Karin Kneffel 2004 auf einem wildgemusterten Teppich porträtierte (240.000 Euro). De Jonkheere aus Genf hält das AltmeisterFach mit flämischen Gemälden hoch, darunter ein Steuereintreiber oder Dorfanwalt, den der jüngere Pieter Brueghel in einer mit Scheinen und Papieren vollgestopften Stube arme Bauern empfangen lässt, die mit Eiern und Geflügel ihre Schuld begleichen wollen (1,8 Millionen Euro).

          Für Porzellan wird man bei Röbbig fündig und bei Langeloh. Langeloh begeht stolz das hundertjährige Firmenjubiläum mit einer umfangreichen Publikation und hält, würdig zum Anlass, die Rarität einer zwölfkantigen Meissen-Schale mit Shiba-Onko-Dekor aus dem Besitz Augusts des Starken bereit (45.000 Euro). Erstmals kommt Carl Weishaupt zur Messe, die Hofjuwelier und -silberschmiede des ehemaligen bayerischen Königshauses. Einen königlichen Besitzer, Karl Theodor von der Pfalz nämlich, vermutet Christian Eduard Franke-Landwers hinter einem Sekretär, den Jakob Kieser um 1765 baute und zu dem sich ein fast gleiches, mit Blüteneinlagen verziertes Gegenstück erhalten hat (84.000 Euro). Frankes Stand, wie auch der seines Bamberger Kollegen Senger oder der von Peter Mühlbauer aus Pogging, bieten beste Qualität in den Augen jener, die Antiquitäten, Kunst und Kunsthandwerk des 15. bis 19. Jahrhunderts schätzen.

          Kunstgrüße zum Jubiläum schickten elf Händler, die die Highlights zum Teil mitgründeten oder dort ausstellten, und die alle viel zum Ruf der Messe beigetragen haben. Der häufigste Grund für ihre Abkehr ist die zeitliche Nähe zur Tefaf in New York; der Ableger der Maastrichter Messe genießt im Herbst bei ihnen Priorität. Beim Betrachten der Kostproben, die dieser harte Kern von einst in der Orangerie präsentiert – die Kunstkammerobjekte von Georg Laue oder Böhler, Heribert Tenscherts Zimelien oder Sascha Mehringers Skulpturen –, bedauert man zutiefst, dass der Markt in Deutschland für Alte Kunst dieses Levels offenbar zu überschaubar geworden ist, als dass Messeteilnahmen noch lohnen würden.

          In der Stadt säumen beachtenswerte Veranstaltungen die Highlights: Daxer& Marschall lenkt die Blicke auf „Anthonis van Dyck und seine Zeitgenossen“. In den Geschäftsräumen an der Barerstraße zeigt man, gemeinsam mit der Londoner Agnews Gallery, eine kompakte Schau von zwei Dutzend Werken. Porträts wie das einer jungen Dame, die um 1606 dem ebenfalls jungen Rubens saß (385.000 Euro), wechseln mit biblischen Szenen und Genredarstellungen, unter denen Jan Steens erzählfreudiger „Alchemist“ (600.000) hervorsticht. Es gibt kleine Ölskizzen, wie den grimassierenden Kopf eines Folterknechts von Van Dyck oder Jacob Jordaens Studie zweier Männerakte (1,5 Millionen Euro), die vom Lichtspiel auf nackter Haut handelt. (Bis zum 27.Oktober).

          Gegenüber den Highlights zeigt eine Gruppe von Händlern in den Räumen von Arnoldi-Livie und Artcurial schöne Beispiele für „Künstlerfreundschaften“. Wenigen ist Günther Förgs Interesse an Hans von Marées bekannt. Er sammelte nicht nur Marées, er befasste sich intensiv mit dessen Fresken in der Zoologischen Station in Neapel, deren Komposition und Bildaufteilung in abstrakte Werke Förgs einflossen. (Bis zum 20.Oktober). Wer noch mehr Messen besuchen möchte, hat die Wahl zwischen Kunst und Antiquitäten im Haus der Kunst, Artmuc auf der Praterinsel und Positions in der Reithalle an der Heßstraße (alle bis zum 20.Oktober).

          Highlights. In der Residenz, München; bis zum 20.Oktober, täglich von 11 bis 19 Uhr. Eintritt 25 Euro.

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