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Highlights Messe : Herbstlicher Auftrieb in München

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Matthias Steinl, „Neptun raubt Amphitrite“, um 1690, Elfenbein, Höhe 31,5 Zentimeter bei Peter Mühlbauer. Bild: Peter Mühlbauer

Die Kunstmesse „Highlights“ feiert ihre zehnte Ausgabe. Auch um sie herum gibt es bemerkenswerte Angebote.

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          Während der elegante Standort im Kaiserhof der Residenz seit längerem stabil bleibt, hat sich inhaltlich viel bewegt: hin zu einem immer stärker von Klassischer Moderne und jüngerer Kunst geprägten Angebot und einem insgesamt bodenständigeren Charakter. Rund vierzig Stände, darunter Aussteller aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden, besorgen das abwechslungsreiche Programm der Highligts. Man sieht, was möglich ist, auch wenn zum Beispiel kein Antikenhändler zugegen ist: Ein rotfiguriger Glockenkrater aus dem vorchristlichen Apulien (in Kommission von Charles Ede, London) kann trotzdem mit einer filigranen Metallskulptur Fausto Melottis von 1981 in Beziehung treten. Die Koje von Beck&Eggeling mischt Werke verschiedener Epochen und Kulturen zu solchen „Überraschenden Begegnungen“. Dass Sammler heute gerne eklektisch orientiert vorgehen, weiß auch der Salzburger Thomas Salis und stellt außereuropäische Bildwerke zu diversen Formaten von Markus Lüpertz und einem „Liegenden Oval“, das Kurt Schwitters 1944 im englischen Exil collagierte (475.000 Euro).

          Seit der ersten Ausgabe nimmt Martin Moeller aus Hamburg an den Highlights teil, diesmal konfrontiert er barocke Rötelzeichnungen mit Blättern von Adolf Menzel. Überhaupt versetzt die PapierFraktion in Staunen, wo etwa Thole Rotermund ein expressionistisches Feuerwerk funkeln lässt. Florian Sundheimer präsentiert ein Werk-Konzentrat von Hermann Glöckner, dem einst in der DDR wirkenden Konstruktivisten. Gabriele Münters „Interieur mit Weihnachtsbaum“ in Öl von 1908/09, sie selbst ist hinter dem locker gemalten Bäumchen im Spiegel zu sehen, bietet die Galerie Schwarzer für 680.000 Euro an. Gezielt österreichische Akzente setzen Wienerroither& Kohlbacher zur Entwicklung vom Wiener Modernismus bis zum Wiener Aktionismus, den Günther Brus’ großformatige Ölkreidezeichnung „Passbild“ mit Kopfnaht von 1987 rundet (135.000 Euro). Und die Wiener Galerie bei der Albertina hängt Schieles zauberhafte Zeichnung von pausbäckigen Zwillingsbabys, ehemals in der Sammlung Serge Sabarsky, zu Wiener Design des frühen 20.Jahrhunderts.

          Adolph von Menzel, „Stehender Mann im Gebet mit gefalteten Händen“, 1890, Bleistift auf Papier, 20,5 mal 13 Zentimeter, Dr. Moeller & Cie Kunsthandel.  Bilderstrecke

          Für jüngere Designklassiker bekam Felicitas Vogdt eine der neuen „Young Dealer“-Kojen. Dort stellt sie einen Teak-Schreibtisch mit integriertem Regal auf, den Pierre Jeanneret in den Fünfzigern für Regierungsgebäude im indischen Chandigarh entwarf, dem großen Bauprojekt seines Vetters Le Corbusier (16.800 Euro). Zeitgenössische Kunst zeigen mehrere Münchner Galerien, aber auch Ludorff aus Düsseldorf, wo man auf den schwarzen Pudel achten sollte, den Karin Kneffel 2004 auf einem wildgemusterten Teppich porträtierte (240.000 Euro). De Jonkheere aus Genf hält das AltmeisterFach mit flämischen Gemälden hoch, darunter ein Steuereintreiber oder Dorfanwalt, den der jüngere Pieter Brueghel in einer mit Scheinen und Papieren vollgestopften Stube arme Bauern empfangen lässt, die mit Eiern und Geflügel ihre Schuld begleichen wollen (1,8 Millionen Euro).

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