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Highlights Messe : Herbstlicher Auftrieb in München

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Für Porzellan wird man bei Röbbig fündig und bei Langeloh. Langeloh begeht stolz das hundertjährige Firmenjubiläum mit einer umfangreichen Publikation und hält, würdig zum Anlass, die Rarität einer zwölfkantigen Meissen-Schale mit Shiba-Onko-Dekor aus dem Besitz Augusts des Starken bereit (45.000 Euro). Erstmals kommt Carl Weishaupt zur Messe, die Hofjuwelier und -silberschmiede des ehemaligen bayerischen Königshauses. Einen königlichen Besitzer, Karl Theodor von der Pfalz nämlich, vermutet Christian Eduard Franke-Landwers hinter einem Sekretär, den Jakob Kieser um 1765 baute und zu dem sich ein fast gleiches, mit Blüteneinlagen verziertes Gegenstück erhalten hat (84.000 Euro). Frankes Stand, wie auch der seines Bamberger Kollegen Senger oder der von Peter Mühlbauer aus Pogging, bieten beste Qualität in den Augen jener, die Antiquitäten, Kunst und Kunsthandwerk des 15. bis 19. Jahrhunderts schätzen.

Kunstgrüße zum Jubiläum schickten elf Händler, die die Highlights zum Teil mitgründeten oder dort ausstellten, und die alle viel zum Ruf der Messe beigetragen haben. Der häufigste Grund für ihre Abkehr ist die zeitliche Nähe zur Tefaf in New York; der Ableger der Maastrichter Messe genießt im Herbst bei ihnen Priorität. Beim Betrachten der Kostproben, die dieser harte Kern von einst in der Orangerie präsentiert – die Kunstkammerobjekte von Georg Laue oder Böhler, Heribert Tenscherts Zimelien oder Sascha Mehringers Skulpturen –, bedauert man zutiefst, dass der Markt in Deutschland für Alte Kunst dieses Levels offenbar zu überschaubar geworden ist, als dass Messeteilnahmen noch lohnen würden.

In der Stadt säumen beachtenswerte Veranstaltungen die Highlights: Daxer& Marschall lenkt die Blicke auf „Anthonis van Dyck und seine Zeitgenossen“. In den Geschäftsräumen an der Barerstraße zeigt man, gemeinsam mit der Londoner Agnews Gallery, eine kompakte Schau von zwei Dutzend Werken. Porträts wie das einer jungen Dame, die um 1606 dem ebenfalls jungen Rubens saß (385.000 Euro), wechseln mit biblischen Szenen und Genredarstellungen, unter denen Jan Steens erzählfreudiger „Alchemist“ (600.000) hervorsticht. Es gibt kleine Ölskizzen, wie den grimassierenden Kopf eines Folterknechts von Van Dyck oder Jacob Jordaens Studie zweier Männerakte (1,5 Millionen Euro), die vom Lichtspiel auf nackter Haut handelt. (Bis zum 27.Oktober).

Gegenüber den Highlights zeigt eine Gruppe von Händlern in den Räumen von Arnoldi-Livie und Artcurial schöne Beispiele für „Künstlerfreundschaften“. Wenigen ist Günther Förgs Interesse an Hans von Marées bekannt. Er sammelte nicht nur Marées, er befasste sich intensiv mit dessen Fresken in der Zoologischen Station in Neapel, deren Komposition und Bildaufteilung in abstrakte Werke Förgs einflossen. (Bis zum 20.Oktober). Wer noch mehr Messen besuchen möchte, hat die Wahl zwischen Kunst und Antiquitäten im Haus der Kunst, Artmuc auf der Praterinsel und Positions in der Reithalle an der Heßstraße (alle bis zum 20.Oktober).

Highlights. In der Residenz, München; bis zum 20.Oktober, täglich von 11 bis 19 Uhr. Eintritt 25 Euro.

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