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Kunst und Antiquitäten : Beim Barte des Kaisers

  • -Aktualisiert am

Gleich eine ganze Sammlung aus Süddeutschland wird bei Nagel in Stuttgart zur Auktion gegeben. Am ersten Tag lockt ein reiches Angebot mit feinem Kunsthandwerk und Skulpturen prominenter Provenienzen.

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          Geschichten ranken sich um viele der fast 1700 Lose der Herbstauktionen mit Kunst und Antiquitäten bei Nagel in Stuttgart am 7. und 8. Oktober. Da ist das dreiteilige neugotische Aufsatzmöbel aus dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts (Taxe 8000 Euro): Anfang der fünfziger Jahre sollte es verheizt werden, landete dann aber doch, auf einem Leiterwagen, in der Universität München und wurde restauriert. Den mittleren Teil des hochgestreckten, mit Fialen bekrönten Möbels ziert ein auf Kupfer gemaltes Ölgemälde des schlafenden Kaisers Barbarossa, sein roter Bart schlängelt sich um den Steintisch neben ihm. Ein Wappen in der unteren Ecke des Bilds verweist auf den ersten Besitzer des Möbels: Johann Baptist von Wenzl, Leibarzt und Apotheker von König Ludwig I. von Bayern.

          Neben verschiedenen Tapisserien erlesener Herkunft fallen beim Kunsthandwerk viele schmiedeeiserne Arbeiten auf, unter ihnen ein Baldachin-Bettgestell (15.000), um 1600 in Norditalien entstanden, oder ein filigranes gotisches Flügeltor (7000). Das Wappen der Medici ziert ein sechsteiliges Schreibset aus vergoldetem Messing, das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf Sizilien mit Korallen veredelt wurde (12.000). Spärlicher fällt die Offerte mit Gemälden und Zeichnungen aus, in der sich ein Diptychon flämischer Schule des 17. Jahrhunderts mit Kreuztragung und Kreuzigung befindet (6000) sowie eine aquarellierte Venedig-Vedute des in Frankfurt geborenen Malers Jakob Alt (5000).

          Die Skulpturen führt eine Marmorfigur der kauernden Aphrodite an, die im 19. Jahrhundert nach ihrem Vorbild in den Vatikanischen Museen entstand (14.000). Die Provenienz einer Bamberger Mondsichelmadonna aus Laubholz vom Ende des 15. Jahrhundert ist speziell: Sie stammt aus der Sammlung der Frankfurter Mäzenin Lilly von Schnitzler (1889 bis 1981); geschätzt ist sie auf 10.000 Euro. Schon im Frühjahr konnte Nagel erfolgreich Werke dieser Herkunft versteigern. Mehrere Kunstobjekte aus dem ehemaligen Besitz des deutschen Industriellen Carl von Weinberg (1861 bis 1943) wurden an eine Erbin Lilly von Schnitzlers restituiert, sie kommen nun ebenfalls zum Aufruf. Dazu zählt das nur wenige Zentimeter große griechische Enkolpion; die Elfenbeintafel der Reliquienkapsel erzählt vom Leben Christi (1000).

          Der zweite Auktionstag in Stuttgart ist ausschließlich für die Auflösung einer süddeutschen Sammlung reserviert, die überwiegend aus reizvollen Kleinodien besteht. Zu ihnen gehören drei geschliffene Parfümflakons aus dem 19. Jahrhundert (400) oder ein opalisierendes roséfarbenes Empireglas (200) oder auch feinst beschnitzte Muscheln (200). Christliche wie profane Kleinplastik aus Bronze, Elfenbein und Holz wird abgelöst von größeren Gemälden, vermehrt aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Bereits im 17. Jahrhundert ist ein kleines Porträt eines ernstes Mädchens in Haarlem entstanden (600).

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