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Herbstauktionen : Kasse machen in der Not

Georg Baselitz, „Das letzte Selbstbildnis I“, 1982, Öl auf Leinwand, 250 mal 200 Zentimeter, Taxe 4,7-6 Mio. Pfund bei Phillips. Bild: Katalog Phillips

Vorschau London: Nachkriegs- und Gegenwartskunst in den drei großen britischen Auktionshäusern Christie’s, Sotheby’s und Phillips, wohlkoordiniert mit Paris.

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          Die Oktober-Termine mit Nachkriegskunst und Zeitgenossen stellen, abgesehen von der Abendauktion mit Alten Meistern Anfang Dezember, die letzte große Auktionssaison in London vor dem britischen EU-Austritt dar. Dass der Standort Paris vom Brexit profitieren würde, deutete sich gleich nach dem Austrittsreferendum von 2016 an. Ein starkes Signal setzen nun Christie’s und Sotheby’s in der kommenden Woche. Beide Unternehmen haben ihren Londoner Abendauktionen eine Abendveranstaltung in Paris vorangestellt – von Paris wird gleich zum Auktionssaal in London herübergeschaltet. London bleiben zwar weiterhin die teuersten Lose und größeren Umsatzerwartungen vorbehalten, doch ohne die physische Präsenz der „Frieze“- und der „Frieze Masters“-Messe erscheint der historische Anspruch der britischen Hauptstadt, der wichtigste Standort für den internationalen Kunstmarkt in Europa zu sein, in diesem Herbst zusätzlich geschwächt.

          Phillips macht mit seiner Abendauktion am Berkeley Square am 20. Oktober Auftakt. Die Gesamterwartung liegt bei 23 bis 32 Millionen Pfund für vierzig Objekte. Georg Baselitz stellt das Spitzenlos. Er ist bei allen drei Auktionshäusern prominent vertreten. Mit Abstand am dramatischsten ist sein Gemälde „Das letzte Selbstbildnis I“ (Taxe 4,7/6 Millionen Pfund) aus dem Jahr 1982 bei Phillips: Der kopfüber präsentierte blutrote, nackte männliche Körper im schwarzen Raum, das Gesicht ganz Ausdruck der Qual, spricht vom deutschen Nachkriegstrauma und existentieller Entfremdung. Es wurde eingereicht aus der Sammlung von Marcel Brient, der es seit 2001 besaß. Die fünf Quadratmeter große Leinwand gehört zu einer Serie, in der Baselitz die späten Selbstporträts Edvard Munchs verarbeitete. Es war zuletzt 1996 in der Zürcher Galerie von Hauser und Wirth öffentlich zu sehen.

          Bridget Riley, „Untitled (Diagonal Curve)“, 1966, Synthetikemulsion auf Karton, 129,5 mal 129,5 Zentimeter, Taxe 5,5/7,5 Mio. Pfund bei Sotheby’s.
          Bridget Riley, „Untitled (Diagonal Curve)“, 1966, Synthetikemulsion auf Karton, 129,5 mal 129,5 Zentimeter, Taxe 5,5/7,5 Mio. Pfund bei Sotheby’s. : Bild: Sotheby’s

          Das zweitteuerste Los bei Phillips ist George Condos ebenfalls rot gehaltenes Gemälde mit weiblichen Akten, denen satirisch verzerrte Gesichter aufgesetzt wurden, „The Age of Reason“ (2/3 Millionen). Es wird zugunsten der Bedari Foundation angeboten, die ebenso vom Verkauf einer Maske, die Keith Haring im Jahr 1987 nach der mit ihm befreundeten Sängerin und Schauspielerin Grace Jones fertigte, profitieren soll. Harings leuchtend grüne Maske mit schwarzen und silbernen Verzierungen, „Untitled (Grace Jones Mask)“, misst etwas mehr als einen Meter und soll 1,5 bis zwei Millionen Pfund einspielen. Phillips konzentriert sich wie immer auf junge Künstler. Die Auktion bietet Werke von Hernan Bas und Salman Tor, sowie der Texanerin Emily Mae Smith, die mit dem attraktiv taxierten Gemälde „Alien Shores“ (40.000/60.000) den Auftakt macht, und der 1988 in Simbabwe geborenen Portia Zvavahera, der die Galerie David Zwirner in London gerade eine Solo-Schau ausrichtet.

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