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Herbstauktionen im Dorotheum : In weiches Licht getaucht

  • -Aktualisiert am

Das Wiener Dorotheum hat für den Herbst ein überzeugendes Angebot zusammengebracht. Die höchste Schätzung gilt einem London-Gemälde von Canaletto.

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          Das britische Königshaus zählte stets zu seinen Bewunderern: Nirgendwo sonst wurden so viele Gemälde des Venezianers Canaletto gesammelt wie im Hause Windsor. Vom Jahr 1746 an lebte der Vedutenmaler selbst für zehn Jahre in London und verewigte dort einen „Blick auf New Horse Guards vom Saint James’s Park“, der nun bei der Altmeister-Auktion im Wiener Dorotheum am 17. Oktober angeboten wird, geschätzt auf zwei bis drei Millionen Euro. Eine Zeichnung im British Museum korrespondiert mit dem Bild, das der Künstler um 1749/50 ungewöhnlicherweise auf eine Holztafel gemalt hat. Das 58 mal 110 Zentimeter große Gemälde stellt den Bau des neuen Gebäudes der Horse Guards mit weich beleuchteter Figurenstaffage dar. Das Werk kommt aus einer Schweizer Privatsammlung auf den Markt.

          Eine weitere Vedute hat die rund 300 Lose umfassende Auktion von Antonio Joli zu bieten, der das Gemälde „Der Königliche Festzug nach Piedigrotta“ als 2,5 Meter lange Panoramaansicht Neapels geschaffen hat. Die von unzähligen Figuren begleitete Bourbonen-Prozession vor dem Hintergrund des rauchenden Vesuvs ist auf 200000 bis 300000 Euro taxiert.

          Ein „Vogelkonzert“ von Melchior de Hondecoeter

          Unter den italienischen Werken besticht auch eine „Madonna mit Kind und der heiligen Anna“ aus dem Umkreis von Jacopo da Pontormo (200.000/ 300.000). Von Guercino wird eine klassisch komponierte „Caritas“ aufgerufen, die drei Putti flankieren (200.000/ 300.000), sowie eine bisher verloren geglaubte Version des „Tod der Kleopatra“ (120.000/180.000). Mit starken Kontrasten malte Bernardo Strozzi die syrische Königin Berenice, die ihre schwarzen Locken für ihren Gemahl opfert (100.000/150.000), und wohl Mitte der dreißiger Jahre des 17.Jahrhunderts ist Guido Renis „Büßende Magdalena“ entstanden (80.000/ 120.000).

          Von den Niederländern liegt eine ausgezeichnet erhaltene Waldlandschaft mit Jägerstaffage des Joris van der Haagen vor (350.000/450.000). Melchior de Hondecoeter bewies sein Spezialkönnen mit dem eleganten „Vogelkonzert“, das er auf dem dargestellten Notenbuch signierte (450.000/ 500.000). Von Jan Bruegheld.J. und Hendrick van Balen kommt eine unpublizierte „Allegorie der fünf Sinne“ in prächtiger Farbigkeit zum Aufruf (180.000/200.000) sowie die Szene „Die schlafende Diana und ihre Nymphen nach der Jagd“ (150.000/ 180.000).

          In aller Genauigkeit gemalte Stoffe

          Erasmus QuellinusII lehnte sich mit seinem Bild „Achill bei den Töchtern des Lykomedes“ an Tapisserien von Rubens an (150.000/200.000). Dem Amsterdamer Historienmaler Pieter Lastman wird das bisher unbekannte Ölbild „Der barmherzige Samariter“ zugeschrieben, dessen gelungene Figurenplazierung dem Gemälde Dramatik verleiht (100.000/150.000). Erwähnt seien auch die mit Öl auf Holz gemalten „Escortes d’Equipages“ von Watteau, die das Leben in einem Militärlager festhalten (250.000/300.000).

          Beim Titellos des Katalogs zum 19. Jahrhundert am 16.Oktober soll es sich um ein Selbstporträt des ukrainischen Malers Vasili Andreyevich Golynsky handeln: Allerdings zeigt „Ein heißer Sommertag“ lediglich den Rücken des Pleinairmalers, während sich vor einer Flusslandschaft eine junge Frau im rot-blauen Trachtenkleid ausruht (100.000/140.000).

          Viel Aufmerksamkeit auf die Textilien verwendete auch Eugen von Blaas, der 1887 eine venezianische „Wasserträgerin“ am Brunnen festhielt (50.000/70.000). Ländliche Grazien ließ der Mailänder Gerolamo Induno in seinem Genrebild „Da kommt der Zug“ warten (100.000/ 150.000). Ein sehnsüchtiger Blick prägt auch das berührende Ölbild „Nach der Arbeit“, mit dem der ungarische Künstler Philipp Alexius de László die jugendliche Schönheit eines Bauernmädchens einfing (40.000/50.000). Giovanni Boldini führte seinen typisch flotten Pinsel für das aparte Damenbild „Porträt der Josephine Alvear de Errazuriz“ (90.000/120.000).

          Eine Berg-Idylle von Spitzweg

          Bei dem Werk mit der höchsten Bewertung in dieser Sektion handelt es sich um den „Blick auf Ragusa“ von Emil Jakob Schindler, der das Panorama von seinem Sommerhaus aus auf die Küste mit Teilansichten seines Gartens verbindet. Im Schatten der Zypressen halten sich unter anderen seine Tochter Alma - die spätere Gattin Gustav Mahlers und Franz Werfels - sowie der Maler Carl Moll auf.

          Das Bild soll ein „bedeutendes, wenn nicht das bedeutendste“ des Stimmungsimpressionisten darstellen und ist mit stattlichen 250.000 bis 350.000 Euro bewertet. Ungeheure Detailtreue und Leuchtkraft zeichnen Federico del Campos Bild des Innenhofs im venezianischen Palazzo Ducale aus (80.000/120.000). Von Carl Spitzweg stammt das idyllische Ölbild „Dirndl auf der Alm“ (80.000/120.000). Thomas Ender führt in eine Schlucht bei Meran, über der die Zenoburg thront (45000/ 65000). Das gewohnte Naturidyll bieten die Gemälde von Friedrich Gauermann, etwa in dem Bild „Mädchen am Heimweg mit Ziegen und Kuhherde“ (80.000/ 120.000).

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