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Herbstauktion in Wien : Damenabende

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Der Katalog des Wiener Dorotheums für die Herbstauktion besticht durch eindrucksvolle Damenportraits

          WIEN, im Oktober An den beiden Ladies gibt es im Dorotheum am 23. Oktober kein Vorbei: Mit einer „Lucretia“ von Artemisia Gentileschi und dem neuentdeckten „Bildnis einer Dame mit einem Papagei“ von Anthonis van Dyck holt das Wiener Traditionshaus zwei marktfrische Schönheiten aufs Auktionsparkett. Nicht zuletzt, um etwas gegen das Fehlen von Künstlerinnen in seiner Sammlung zu unternehmen, erwarb die Londoner National Gallery im vorigen Sommer für 3,6 Millionen Pfund Artemisia Gentileschis „Selbstporträt als heilige Katharina von Alexandria“. Das Dorotheum hat früher bereits erfolgreich Werke von Lavinia Fontana und Sofonisba Anguissola veräußert. Nun machen die guten Beziehungen zu Italien ein rares Bild von Gentileschi zugänglich.

          Mit einem Schätzwert von 500 000 bis 700 000 Euro wurde die bis zuletzt in neapolitanischem Privatbesitz verbliebene „Lucretia“ vergleichsweise moderat angesetzt. Auf 133 mal 106 Zentimetern ist Lukrecias Selbstmord mit dem Dolch inszeniert, nachdem die tugendhafte Römerin Opfer einer Vergewaltigung wurde: Die diagonale Komposition, die Drehung des nackten Oberkörpers, das Chiaroscuro des Inkarnats sprechen für die künstlerische Reife der Malerin um 1640/45.

          Van Dyck stand noch am Beginn seiner steilen Karriere, als er sein Damenporträt schuf. Das auf einer Eichentafel bestens erhaltene Bildnis stellt eine Unbekannte mit unterschiedlichen Augenfarben dar. Vermutlich um 1619/20 gemalt, befand es sich lange im Besitz des Adelshauses Arenberg. Die Kombination von spanischem Kragen, Mieder mit Goldbesatz und Perlenhaube hat Van Dyck auch bei anderen Porträts dargestellt. Das Ölgemälde könnte das Pendant eines Paarbilds sein, das männliche Gegenstück ist jedoch unbekannt. Rückseitig mit der Marke des Panelmakers Peeter de Noble versehen, geht das Werk bei 300 000 bis 500 000 Euro an den Start.

          Zu den großfigurigen Bildern des italienischen Barocks zählt Guido Renis „Fortuna mit Geldbeutel“, auf dem die Glücksgöttin mit einem Putto fliegt. Die Pastelltöne der um 1636/37 entstandenen Malerei mussten erst von einer Übermalung befreit werden; das Bild gilt nun aber zur Gänze als eigenhändig (Taxe 300 000/ 500 000 Euro). Prächtig strahlt auch die Couleur der 2,3 Meter hohen „Heiligen Familie mit dem heiligen Antonius“ von Gaetano Gandolfi (300 000/400 000); das mit 1761 datierte Bild könnte für den Altar der Bologneser Adelsfamilie Salaroli entstanden sein. Dunkle Goldtöne wählte Giuseppe Maria Crespi für seine „Büßende Maria Magdalena“, die voller Sinnlichkeit ein Kreuz umfängt (150 000/ 200 000). Ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammt Donato Cretis „Christus im Haus Marthas und Marias“, wo ein knallrot gewandeter Jesus mahnend zu den Frauen spricht (80 000/120 000).

          Aus der niederländischen Kunst gelangt ein tadellos erhaltenes „Blumenarrangement in einem Korb mit Tazza“ zum Aufruf, das Jan Brueghel d. J. in bunter Pracht zum Blühen bringt (180 000/ 250 000). Von seinem Sohn Abraham Brueghel liegt ein von Putten, Papageien, und Hündchen bevölkertes Blumenstillleben vor (150 000/200 000). Voller charmanter Details steckt die „Allegorie des Winters“, bei der Sebastian Vrancx auch Sinterklaas- Pfannkuchen und Fastnachtstreiben stilllebenhaft einbringt (140 000/ 180 000). Feurig lodert es auf dem Kleinod der „Höllenszene“, für die Jan Brueghel d. Ä. eine 26 mal 36 Zentimeter kleine Kupferplatte mit unzähligen Teufeln überzogen hat (250 000/350 000).

          Den Katalog des 19. Jahrhunderts am 24. Oktober schmückt eine Römerin, die der viktorianische Historienmaler John William Godward 1904 auf eine Marmorbank plazierte. Die „Süßen Träume“ ähneln stark den Bildern von Godwards Vorbild Lawrence Alma-Tadema (160 000/ 180 000). Sind es bei diesen Briten die Oberflächentexturen von Marmor, Fell und Stola, so sorgen in Ferdinand Georg Waldmüllers Genrebild „Die Briefleserin“ Satinkleid, Perserteppich und das bestickte Tischtuch für Eleganz (280 000/ 350 000). Das signierte Gemälde kam 1938 durch die Gestapo in Wiens Kunsthistorisches Museum, wurde 1951 restituiert und gelangt nun nach mehr als sechzig Jahren in deutschem Privatbesitz auf den Markt. Zu den erfolgreichsten italienischen Salonmalern zählt Vittorio Matteo Corcos, der auf dem Ölbild „Dis-moi tout!“ zwei Frauen voller Sentiment darstellt (200 000/300 000).

          Auch die Konkurrenz Kinsky offeriert am 23. und 24. Oktober Alte Meister und 19. Jahrhundert. Zu seinem 25. Jubiläum bietet das Haus einen „Blumenstrauß in chinesischer Vase“ auf, den Jan Brueghel d. J. auf eine Kupfertafel gezaubert hat. Die um 1625/27 entstandene Nature morte versammelt Tierchen in den Blüten und ebenso am Dekor der Vase (50 000/ 100 000). Viel Humor steckt in Marten van Cleves Tableau „Affen in einer Wachstube“, um 1570, das dem Soldatenstand mit bekleideten Primaten die lange Nase zeigt (80 000/100 000). Von Abraham Teniers stammt die Ansicht eines Kirmesfests, auf dem es hoch hergeht (50 000/ 100 000). Als Highlights der Auktion werden zwei Kinderbildnisse von Erzherzog Maximilian und Erzherzogin Elisabeth präsentiert (je 50 000/100 000): Jakob Seisenegger war von 1531 an Hofmaler bei Ferdinand I. und wurde mit diesen Porträts der beiden Kaiserkinder betraut. Zur Darstellung in edlem Gewand gesellt sich noch ein Distelfink, mit dessen Dressur die Geduld des aristokratischen Nachwuchses geschult werden sollte.

          Wesentlich lieblicher fallen da Franz von Defreggers „Spielende Kinder“ von 1906 aus; das Kleinformat tritt mit 25 000 bis 50 000 Euro an. Waldmüllers Spätwerk „Die milde Gabe“ wechselte im Dorotheum bereits 2009 für 260 000 Euro den Besitzer. Nun wird das 1850 entstandene Genrebild im Kinsky für 250 000 bis 350 000 Euro angeboten. Fast gleichzeitig entstand Friedrich Gauermanns Szenerie „Füchse jagen Wildenten“ (35 000/ 70 000). 

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