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Heiner Friedrich zum 80. : Der Kunstsetzer

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Mit seiner Münchner Avantgarde-Galerie schuf Heiner Friedrich Ausstellungen am Puls der Zeit und prägte die Entwicklung des deutschen Kunstbetriebs entscheidend. Heute wird der Galerist achtzig Jahre alt.

          Kopfschüttelndes Publikum, geringer Umsatz, aber anhaltender Enthusiasmus: Das beschreibt in Kurzform die Situation in der Münchner Maximilianstraße15, wo 1963 drei junge Menschen in Eigenarbeit eine Wohnung zur Galerie zurechtgewerkelt hatten und ein Programm entwickelten, dessen Bedeutung seinerzeit nur wenige in der Stadt begriffen. Heiner Friedrich, seine damalige Frau Six Friedrich und Franz Dahlem zeigen schon bald nach der Eröffnung Gerhard Richter – noch bevor der die Kunstakademie abgeschlossen hat. Sie holen Cy Twombly und einen noch so gut wie unbekannten Georg Baselitz in die Galerie Friedrich&Dahlem.

          Später wird Walter de Maria die Galerieräume mit Erde zuschaufeln – es war sein erster „Earth Room“ –, Dan Flavin installiert Neonröhren-Werke und Fred Sandback spannt seine hauchdünnen Fadenskulpturen auf. Mit diesen und Ausstellungen von Warhol, Sol LeWitt, Carl Andre, Robert Ryman, Sigmar Polke und der Premiere von Blinky Palermo spielte die Avantgarde-Galerie eine formende Rolle in der Entwicklung des deutschen Kunstbetriebs.

          Im Jahr 1966 verlässt Franz Dahlem die Galerie, um in Darmstadt die Sammlung für den Wella-Shampoo-Erben Karl Ströher aufzubauen. Es gelingt Friedrich und Dahlem, in New York die Pop-Art-Sammlung von Leo Kraushar für Ströher anzukaufen, was dessen Kollektion zu einer der bedeutendsten jener Zeit macht. Als der Wunsch fehlschlägt, die Sammlung den damals auf zeitgenössischer Ebene noch unterbelichteten Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zuzuführen, und als nach jahrelanger Vorarbeit für Kunstbeiträge zur Münchner Olympiade auch Walter de Marias „Olympic Mountain Project“ scheitert, reicht es Heiner Friedrich: „Ich bin noch am Tag der Ablehnung nach Amerika ausgewandert, weil es für mich in Deutschland nichts mehr zu tun gab.“ Das sagt er im Gespräch mit Corinna Thierolf in der Festschrift, die zu seinem achtzigsten Geburtstag erscheint: Den feiert er am heutigen Samstag.

          Friedrich sucht bleibende Standorte für Kunstwerke

          In New York eröffnete Friedrich 1971, nach München und Köln, eine dritte Galerie; vor allem aber kann er seinen Traum der „Kunstsetzungen“ verwirklichen: Gemeinsam mit seiner zweiten Frau Philippa de Menil und der Kunsthistorikerin Helen Winkler ruft er die Dia Art Foundation ins Leben. Ziel der Stiftung ist es, öffentliche Kunstprojekte umzusetzen, deren Größe und Kosten die Möglichkeiten individueller Sammler übersteigen. Ohne Dia würde es weder Walter de Marias „Lightning Fields“ in New Mexico geben, noch hätte Joseph Beuys 7000 Eichen zur Documenta7 pflanzen können, und aus Donald Judds Kunstsiedlung im texanischen Marfa wäre auch nichts geworden. Als die Ölkrise Mitte der achtziger Jahre Philippa de Menils Aktienvermögen abschmilzt, endet eine lange Reihe spektakulärer Förderungen.

          Seither nutzt Heiner Friedrich sein ausgezeichnetes Netzwerk, um bleibende Standorte für Kunstwerke zu finden, die ihm wichtig sind. Und in Deutschland gab es dann doch noch etwas für ihn zu tun: In Oberbayern, wo er, geboren am 14.April 1938 in Stettin, aufwuchs, gründete er 2011 seine Stiftung „Das Maximum“. Dafür machte er in Traunreut aus ehemaligen Werkshallen seines Vaters, der Bohrmaschinen herstellte und dort nebenbei einen kleinen Sportwagen produzierte, einen attraktiven Ausstellungsort für einige der Künstler, deren Werdegang er seit seinen Münchner Anfängen mitgestaltet hat.

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