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Halbjahresbilanz Spanien : Bisher doch sehr verhalten

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Im Unterschied zu den meisten europäischen Nachbarländern fiel die Halbjahresbilanz des spanischen Kunstmarkts bescheiden aus. Wenn Christie's am 3. Oktober in Madrid seine Versteigerung mit spanischer Kunst abhält, wird sich jedoch voraussichtlich ein anderes Bild ergeben.

          Wenn Christie's am 3. Oktober in Madrid seine Versteigerung mit spanischer Kunst abhält, wird sich wohl ein neues Bild für den Auktionsmarkt 2007 in Spanien ergeben: Denn ein Rückblick auf das erste Halbjahr zeigt, dass die spanischen Häuser mehr gravierende Rückgänge verzeichnen mussten als hochkarätige Abschlüsse. Rubens, Ribera oder Juan de Zurbarán, Barceló oder Tàpies - mindestens vierzehn Werke anerkannter Meister, für die Preise zwischen 120.000 und einer Million Euro erwartet worden waren, fanden keine Interessenten. Die Zurückhaltung, mit der Fragen nach der Provenienz oder nach Expertisen in den spanischen Auktionshäusern beantwortet werden, mag einer der Gründe dafür sein, dass Institutionen und Sammler mit Investitionen zögern.

          Deshalb lautete der höchste Zuschlag überhaupt in diesem Jahr 150.000 Euro; dreimal fiel der Hammer bei dieser Summe: zunächst für den baskischen Maler Alvaro Alcalá Galiano mit „Esperando a los seres queridos“ von 1914. Drei Frauen sitzen am Strand und warten bangend auf die Rückkehr ihrer Söhne und Männer. Sie schlugen mehr als einen Bieter in ihren Bann; denn das Ölgemälde war im April bei Durán in Madrid für nur 47.500 Euro aufgerufen worden. In Barcelona hatte das Haus Balclis Erfolg mit einem Bild von Joaquín Mir: Eben 150.000 Euro (Taxe 90.000) zahlte ein Liebhaber für eine farblich fein abgestimmte Landschaft auf Mallorca aus dem Jahr 1903. Eine kleine Tafel von David Teniers d. J. konnte Ansorena in Madrid erfolgreich vermitteln. Das ausgelassene „Dorffest“ war ursprünglich dem Vater David Teniers d. Ä. zugeschrieben und spielte jetzt ebenfalls 150.000 Euro (Taxe 120.000) ein.

          Üppige Blumenstücke

          Bei Durán konnte eine gewaltige Innenansicht des Klosters San Juan de los Reyes in Toledo ihre Schätzung verdoppeln, die Genaro Pérez Villaamil (1807 bis 1854) im belgischen Exil nach Skizzen aus Toledo 1839 malte. Es existieren mehrere Versionen; die angebotene hatte Lady Manners einst direkt vom Künstler erworben, später war sie in die Hände des Bischofs von Exeter gelangt. 89 mal 114 Zentimeter groß, mit kleinen Figurengruppen unter den enormen Rundbögen, wurde das Bild von 65.000 auf 130.000 Euro angehoben.

          Vom spanischen Barockmaler Bartolomé Pérez, dessen üppige Blumenstücke besonders in London Erfolg haben und selten in Madrid auf den Markt kommen, bot das Haus Alcalá zwei Bilder mit Bronzekelchen voller Blumen an: Um eines von ihnen entflammte ein Bietgefecht, das die Pracht von 50.000 auf 110.000 Euro anhob. Bartolomé Pérez hatte die Tochter seines Lehrers geheiratet, des berühmten Blumenmalers Juan de Arellano; er stürzte beim Malen von einem Gerüst zu Tode. Ein überbordender Altar des kubanischen Malers Wifredo Lam, der in Havanna, Madrid und Paris bei den Surrealisten in die Schule gegangen war, rangiert gleichauf mit Pérez; das Bild wurde im Madrider Haus Goya bereits für 110.000 Euro abgegeben. Auch von Wifredo Lam sind nicht viele erstklassige Arbeiten auf dem spanischen Markt anzutreffen, so dass die obere Erwartung für diese Temperaarbeit auf Papier bei 150.000 Euro gelegen hatte. Mit dem Zuschlag bei 100.000 Euro folgt die „Plaza en Subiaco“, eine Dorfszene aus dem Jahr 1896. Das Ölgemälde des Genremalers Mariano Barbasán war in Bilbao im Auktionshaus Gran Vía für 90.000 Euro zum Aufruf gekommen.

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