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Halbjahresbilanz Österreich : Österreich schläft auch nicht

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Das erste Halbjahr macht die Wiener Auktionshäuser Im Kinsky, Dorotheum und Hassfurther sehr zufrieden. Die Umsätze steigen, und die Klientel wird immer internationaler.

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          Die Geschäftsführer der österreichischen Auktionshäuser konnten leichten Herzens in ihren diesjährigen Sommerurlaub gehen. „Sehr, sehr gut“ bewertet Martin Böhm vom Dorotheum die erste Saison 2012, und Michael Kovacek von der Konkurrenz Im Kinsky lobt das Halbjahr sogar als „absolut grandios“. Wiewohl nicht vor Nachschubproblemen gefeit, konnten beide Unternehmen ihre Umsätze steigern und den ausländischen Kundenkreis, auf den sie in bestimmten Sparten stark angewiesen sind, noch weiter ausbauen. Weitere Internationalisierung lautet das Geschäftscredo im Vielsparten-Tanker Dorotheum ebenso wie bei dem auf heimische Kunst spezialisierten Haus Im Kinsky.

          „Wir sind sehr vorsichtig an 2012 herangegangen, weil es doch schwierige Zeiten sind“, schildert Böhm die Skepsis angesichts der Wirtschaftslage zu Jahresbeginn, die jedoch bald entkräftet werden sollte. Im Februar hielt das Dorotheum die Auktion „Nachlass Fürst Kinsky“ ab, bei der man der Konkurrenz nahe kam, indirekt: Denn die Objekte stammten aus dem Besitz des 2009 gestorbenen Fürsten Franz Ulrich Kinsky - und zwar aus seinem Domizil in jenem Palais, in dessen Bel Etage das Auktionshaus Im Kinsky jetzt residiert.

          Da sich die Erben nicht auf eine Versteigerung vor Ort einigen konnten, wurden die mit dem typischen Fürstenhut der Kinsky markierten Antiquitäten, Einrichtungsgegenstände, Glas- und Porzellanobjekte bis hin zu Dienerlivreen in die Dorotheergasse gebracht, wo sie der Inneneinrichter Philip Hohenlohe gelungen arrangierte. Mit einer Verkaufsquote von 96 Prozent und 1,7 Millionen Euro Umsatz zahlte sich die Nachlassauktion voll aus. Das Toplos stellte ein auf nur 20.000 bis 30.000 Euro taxierter Boulle-Prunktisch dar, der 130.000 Euro einspielte.

          Ein Dorfbild von de Momper und Brueghel dem Jüngeren

          Mit Möbeln konnte das Dorotheum auch bei seiner erstmals veranstalteten Spezialauktion „Austrian Design“ punkten, die sich die Aufwertung einer vernachlässigten Gestaltungsepoche zum Ziel setzte. Der Fokus richtete sich dabei auf Wiener Möbel der zwanziger bis fünfziger Jahre; Designerstücke von Josef Frank, Oswald Haerdtl oder Carl Auböck fanden sehr guten Absatz. Den nächsten Grund zum Jubeln bot dem Dorotheum seine Auktion Alter Meister Mitte April, bei der ein italienisches Werk überraschend obsiegte: Lediglich 120.000 bis 150.000 Euro waren für Lorenzo Lippis alttestamentarische Szene „Der Triumph Davids“ veranschlagt; sie wurden von den internationalen Telefonbietern jedoch auf 750.000 Euro hinaufgekämpft.

          Das bisher unpublizierte Werk aus privater Hand führt nun das Ranking der österreichischen Halbjahresergebnisse an. Zu den Highlights der zu 53 Prozent abgesetzten Offerte zählte ein Dorfbild mit Ziehbrunnen von Josse de Momper und Jan Brueghel d.J., das mit 340.000 Euro Platz sieben der Top Ten belegt. Für Begeisterung sorgte Giuliano Bugiardinis herrliches Damenbildnis von 1510/20, das es mit dem Zuschlag bei 280.000 Euro auf Rang zehn der Bestenliste schaffte.

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