https://www.faz.net/-gqz-869de

Halbjahresbilanz Österreich : Mit den Alten Meistern und bewährten Avantgarden

  • -Aktualisiert am

Die großen Wiener Auktionshäuser können ihre aktuellen Erfolgsgeschichten weiterschreiben: Das Dorotheum punktet mit Castellani und Fontana, das Im Kinksy überzeugt mit einem prunkvollen Bouquet.

          Die halbjährlichen Ergebnisse der österreichischen Auktionshäuser können sich wirklich sehen lassen. Durch zahlreiche Rekorde fiel die erste Saison 2015 formidabel aus, auch wenn die Absatzquoten der einzelnen Auktionen bisweilen nicht so berauschend waren. Dabei wurde im Dorotheum und im Kinsky weniger Neues geboten als vielmehr die Fortsetzung von Erfolgsgeschichten - und diese Konzentration auf Bewährtes ging voll auf.

          So konnte das Kinsky bereits im Vorjahr ein exquisites Blumenstillleben von Jan Brueghel d. Ä. zum Spitzenpreis von 1,85 Millionen Euro absetzen. Bei der Auktion Mitte Juni wurde der Kraftakt nun vom Sohn des Künstlers übertroffen: Zwei Saalbieter kämpften Jan Brueghels d. J. auf eine größere Holzplatte gemalten „Blumenstrauß in einer skulptierten Vase“ vom Rufpreis bei 350.000 Euro auf 2,1 Millionen Euro (Taxe 500.000/1 Million) hinauf. Der aus Osteuropa angereiste Sieger konnte das Bouquet aus fünfzig verschiedenen Blumensorten heimtragen - ein Triumph für die Altmeister-Sparte des Kinsky und der höchste Wiener Zuschlag im ersten Halbjahr 2015.

          Die „Welt des Wachstums“

          Das Dorotheum erreichte mit seinen Geboten 2015 bisher zwar nicht die Millionengrenze, konnte aber durch die Fülle an sechsstelligen Zuschlägen erneut eine Rekordauktion bei den Zeitgenossen einfahren. Die prächtige Ernte verdankt das Mehrspartenhaus vor allem seinen italienischen Kunden, die Wien längst als Umschlagplatz für mittel- bis hochpreisige Werke der Mailänder Nachkriegsavantgarden etabliert haben. Dieses Mal war es eine frühe Arbeit von Enrico Castellani, die die meiste Begehrlichkeit auf sich zog: „Superficie blu“ entstand 1960, am Beginn von Castellanis mit Nägeln strukturierten Leinwänden. Für das auf 450.000 bis 650.000 Euro taxierte Monochrom, das absolut zeitlos erscheint, klingelte die Dorotheumsglocke erst bei 800.000 Euro. Auch der Stammvater der Italo-Avantgarde Lucio Fontana konnte im Dorotheum wieder punkten. Diesmal setzte sich ein untypisches Werk durch: Eine goldfarben bemalte Terrakottabüste aus dem Jahr 1949 machte das Rennen um den dritten Platz der Spitzenzuschläge. Der keramikbegeisterte Künstler hat seine „Busto di donna“ nach antikem Vorbild geformt, sie erinnert mehr an die Belle Époque. Die 49,6 Zentimeter hohe Goldlady erlöste stattliche 450.000 Euro (160.000/220.000).

          Auf den zehnten Platz der österreichischen Top Ten schafft es eine kleinformatige geschlitzte Leinwand Fontanas. Das weiße „Concetto Spaziale, Attesa“ von 1963/64 überflügelte mit dem Siegergebot von 330.000 Euro seine Erwartungen von 160.000 bis 220.000 Euro. Für die konzeptuelle Malerei von Ilya Kabakov, der darin sozialistischen Realismus zitiert, hat das Dorotheum bereits mehrfach gute Preise erzielt. Auch die „Landschaft mit Pionierlager“ des Russen fand einen Abnehmer und besetzt mit dem Zuschlag bei 400.000 Euro (450.000/600.000) den achten Rang. Einen Künstlerrekord bedeuteten die 320.000 Euro, die für die quadratische Eitempera-Malerei „Welt des Wachstums“ von Max Weiler bewilligt wurden: Das vierteilige, 180 mal 180 Zentimeter große Gemälde stellt ein schönes Beispiel für die Weise dar, in der der Tiroler Künstler Naturformen in Fleckengebilde transformierte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Proteste vor IAA : Blockade mit drei farbigen Fingern

          Hunderte Demonstranten der Aktion „Sand im Getriebe“ haben zwei der fünf Eingänge der Messe blockiert. Ihr Protest richte sich nur gegen die Konzerne, sagen sie. Das empfinden viele Besucher anders.
          Zu häufiges Nutzen des Smartphones kann krank machen. Aber ganz darauf verzichten geht heutzutage auch nicht.

          Data Detox : Wie man mit wenigen Schritten seine Datenflut eindämmt

          Unsere Datenflut kommt Konzernen wie Facebook und Google zugute, wobei alles andere als klar ist, was genau mit den Informationen geschieht. Mit einigen Tipps kann man sein Handy vor Zugriffen schützen.

          Bayerns zwei Gesichter : „Keine Feuer legen, bitte“

          War es ein Taktik-Sieg von Julian Nagelsmann gegen Niko Kovac? Die Bayern haben offenbar nicht schnell genug auf Veränderungen des Gegners reagiert – und rutschten in der Tabelle ab. In München will man aber Ruhe bewahren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.