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Halbjahresbilanz : Mit gemischten Gefühlen

  • -Aktualisiert am

Nicolas de Staël - Parc des Princes 1952 - Christie’s Bild: Christie’s

Brexit-Unsicherheiten haben negative Auswirkungen auf die Zahlen des ersten Halbjahrs von Christie’s und Sotheby’s.

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          Die deutlich weniger gut bestückten Abendauktionen im Juni in London haben es schon angedeutet, im zweiten Quartalsbericht von Sotheby’s steht es nun schwarz auf weiß: „Unsicherheiten in Bezug auf den Brexit“ haben sich negativ auf das Auktionsgeschäft ausgewirkt. Sie haben zum Beispiel die Akquise hochrangiger Werke und Sammlungen für London schwieriger gemacht. Nicht nur ist man unsicher, was mögliche neue Regulierungen und Zölle angeht, auch das Pfund – die Währung, in der in London auf Auktionen geboten wird – hat im ersten Halbjahr deutlich an Wert verloren. Das schlägt sich im Gesamtumsatz nieder – vor allem, wenn er in Dollar berechnet wird. Sotheby’s gibt an, dass das Unternehmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahrs insgesamt 3,1 Milliarden Dollar umsetzte; das sind zehn Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2018. Insgesamt 2,6 Milliarden Dollar davon wurden mit Auktionen erwirtschaftet, von denen Sotheby’s mehr als vierhundert im Jahr in verschiedenen Kategorien abhält.

          Das vor 275 Jahren gegründete Auktionshaus Sothebys ist zurzeit noch das älteste an der New Yorker Börse notierte Unternehmen – jedoch nicht mehr für lange. Im Juni wurde bekannt, dass der französisch-israelische Medien- und Telekommunikationsunternehmer und Kunstsammler Patrick Drahi Sotheby’s nach mehr als dreißig Jahren an der Börse wieder in ein privates Unternehmen umwandeln will. Die 3,7 Milliarden Dollar schwere Übernahme durch seine Firma BidFairUSA soll Ende des Jahrs abgewickelt sein. Drahi bot den Anteilseignern die Auszahlung von 57 Dollar pro Aktie – damit einen Betrag weit über dem an der Börse gehandelten Wert. Zunächst hatten mehrere Aktionäre gerichtlich Klagen gegen den Deal erhoben, unter anderem mit der Begründung, die mitgeteilten Informationen seien nicht ausreichend. Anfang September kam es schließlich zur Abstimmung, und 91 Prozent der Anteilseigner stimmten dem Verkauf zu, womit die Übernahme durch Drahi gesichert sein sollte, falls sich keine der beiden Parteien vor Anfang Oktober aus dem Deal zurückzieht. In Zukunft wird Sotheby’s seine Finanzen dann nicht mehr detailliert offenlegen müssen, was als Wettbewerbsnachteil gegenüber Christie’s galt. Das bedeutet weniger Transparenz für den Kunsthandel, der ohnehin als vergleichsweise undurchsichtig gilt. Sotheby’s gewinnt damit jedoch an Freiraum, was seine Geschäftsstrategie und Vertragsverhandlungen angeht.

          Die Konkurrenz Christie’s ist schon seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Hand des französischen Milliardärs François Pinault und muss daher keine Zahlen veröffentlichen. Den Gesamtumsatz für das erste Halbjahr gab Christie’s nicht bekannt, teilte aber einen Auktionsumsatz von 2,2 Milliarden Pfund (oder 2,8 Milliarden Dollar) mit. Nicht angegeben ist, dass dies einen starken Rückgang gegenüber dem Vorjahr bedeutet, als 2,65 Milliarden Pfund allein mit Auktionen umgesetzt werden konnten, was damals noch 3,61 Milliarden Dollar entsprach. Christie’s-Geschäftsführer Guillaume Cerutti hebt jedoch in seinem kurzen Statement hervor, dass die Versteigerung der Rockefeller-Sammlung im ersten Halbjahr 2018 ein Ausnahmeereignis darstellte – und dass also der Halbjahrsumsatz, bereinigt um die Rockefeller-Auktion, im ersten Halbjahr seit 2016 in etwa stabil sei. Hier ist jedoch hinzuzufügen, dass dies nur in Pfund der Fall ist und dass das Pfund seitdem stark an Wert verloren hat; in Dollar ist der Umsatz deutlich gefallen.

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