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Halbjahresbilanz : Für Österreich alles Gute in Italien - und andere Gründe für positive Bilanzen im Dorotheum, im Kinsky und bei Hassfurther

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Dargestellt auf einem neusachlichen Stilleben von Rudolf Wacker aus dem Jahr 1928 erlebte ein ausgestopfter Haubensteißfuß bei Hassfurther einen Höhenflug: Das Bild erzielte 90 000 Euro.

          Erfolgreich haben die österreichischen Auktionshäuser im Kinsky und Dorotheum die erste Hälfte dieses Jahres zum Abschluß gebracht. Der Umsatz im Kinsky bestätigt den Eindruck, daß sich die Zusammenlegung der Auktionen für Alte Meister, Werke des 19. Jahrhunderts und Antiquitäten und der Auktionen für Klassische Moderne, Zeitgenössische Kunst und Jugendstil auf insgesamt nur zwei Termine für das Haus gelohnt hat: Im Kinsky verzeichnet gegenüber dem Vorjahr insgesamt eine Umsatzsteigerung von dreizehnProzent, das bedeutet einen Gesamtumsatz von 7,8 Millionen Euro. Eine weitere Erklärung für diese positive Entwicklung sieht das Auktionshaus im stark gestiegenen Interesse ausländischer Bieter.

          Gescheiterte Liebe

          Der bislang höchste Zuschlag des Jahres machte in Österreich nur Zwischenstation: Aus deutschem Privatbesitz stammt jene kleine Landschaft „Paysage d'Essoyes“, die Auguste Renoir um 1901/02 in Burgund auf der Leinwand festhielt und die sich ein italienischer Käufer für 200 000 Euro (180 000) sicherte. Während vierundzwanzig Lose mit Studien zu Ferdinand Hodlers „Die Liebe“ aus der Sammlung Josef Müller geschlossen scheiterten, reüssierte Carl Molls auf Holz gemalter Postkartenblick vom Neptunbrunnen auf das Schloß Schönbrunn mit 125 000 Euro (80 000). Ferner überraschte Herbert Gurschners Porträt „Bean Ingram“ von 1928 in seiner seltsamen Verbindung von neuer Sachlichkeit und Symbolismus mit einem Hammerpreis von 56 000 Euro (35 000).

          Nach der Euphorie der ersten Auktion Alter Meister im Kinsky im vergangenen Jahr folgte nun die Ernüchterung: Immerhin erfüllte Jan van Goyens „Flußlandschaft mit fünf Kühen auf einem Ufervorsprung“ von 1644 mit einem Ergebnis von 122 000 Euro (100 000/150 000) die Erwartungen. Bei den zeitgenössischen Werken darf nach der diesjährigen Auktion ein zaghafter Blick über den nationalen Tellerrand festgestellt werden: Sigmar Polkes Mischtechnik „Ohne Titel“ aus dem Jahr 2000 wurde beim unteren Schätz-
          wert von 25 000 Euro zugeschlagen; A.R.Pencks „Ankunft in Dublin“ bei 19 000 Euro (18 000) und „Otello-Jago“ von Markus Lüpertz bei 24 000 Euro (20 000).

          Steckenpferd Frauenpower

          Doch „lieber einen erstklassigen Rainer als einen drittklassigen Pollock“, lautet die Devise des Geschäftsführers Otto Hans Ressler und zeigt sich am Beispiel von Maria Lassnig: Seit sich „Woman Power“ vor einigen Jahren im Kinsky für 2,2 Millionen Schilling - rund 163 000 Euro - verkauft hat, war das Auktionshaus immer wieder mit Werken der Grande Dame der österreichischen Malerei erfolgreich: in diesem Jahr mit einem dem Symbolismus verpflichteten „Korkenziehermann (Tod)“ aus dem Jahr 1987 mit einem Zuschlag bei 105 000 Euro (100 000) und einem 1954 entstandenen Doppelporträt mit ihrem Künstlerkollegen Phadi Frieberger für 46 000 Euro (30 000).

          Wie schon im letzten Jahr, als ein mit kräftigen Kreidestrichen gezeichneter Frauenakt Egon Schieles für 140 000Euro (Taxe 90 000 Euro) erfolgreich versteigert wurde, bleiben Kunst und Kunsthandwerk aus der Zeit des Wien um 1900 das Steckenpferd des Hauses. Anläßlich des fünfzigsten Todestags des Designers Josef Hoffmann lag der Schwerpunkt der Jugendstil-Auktion auf dem nicht ganz so bekannten Spätwerk des Entwurfgenies.

          Teuerstes Stück beim Kunsthandwerk blieb jedoch ein früher Entwurf Hoffmanns: Das Teeservice der Wiener Werkstätte aus dem Jahr 1923 wurde für 39 000 Euro (25 000) nach Amerika verkauft. Das Design eines Tisches mit dem sich Hoffmann auf der Pariser Weltausstellung für den Ausstellungsraum „Boudoir d'une grande vendette“ 1937 empfahl, zeigt jedoch, daß es sich lohnt, in Zukunft einen Blick auf dieses unverholen selbstbewußte spätere Werk zu werfen. Der Tisch mit Spiegelplatte wurde bei 9000 Euro (5000) zugeschlagen.

          Erhellende Wintersonne

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