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Halbjahresbilanz international : Die teuersten Lose gibt es immer noch in New York

  • -Aktualisiert am

Stabilität ist eine relative Größe: Die Halbjahreszahlen von Christie’s, Sotheby’s und Phillips liegen vor. Das Auktionshaus Sotheby’s gerät unter Druck. Steigerungen brachten die Finanzgeschäfte.

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          Bevor der weltweite Auktionsmarkt im Oktober wieder richtig in Gang kommt, veröffentlichten die Marktgiganten Christie’s und Sotheby’s, neben Phillips, ihre Halbjahrsbilanzen. Es geht um die harten Zahlen, die erst einzelne Erfolgsmeldungen in den Zusammenhang stellen, und diese Daten müssen in das vorteilhafteste Licht gerückt werden. Dass der globale Kunstmarkt expandiert, ist überall zu hören. Christie’s wie auch Sotheby’s verbuchen gigantische Umsätze, die sind bei beiden im ersten Halbjahr überraschend stabil. Wobei es allerdings darauf ankommt, in welcher Währung man die Zahlen betrachtet.

          Christie’s im Privatbesitz des französischen Großunternehmers François Pinault und daher nicht zur Veröffentlichung finanzieller Details verpflichtet, verkündet einen Halbjahrsumsatz von 4,5 Milliarden Dollar, bei Auktionen und Privatverkäufen - unverändert gegenüber 2014. Dort wurde allerdings eine Steigerung von 22 Prozent gegenüber 2013 erzielt. Und: In Pfund gerechnet, bedeutet das aktuelle Ergebnis eine Umsatzsteigerung von stolzen acht Prozent. Mit Versteigerungen setzte Christie’s vier Milliarden Dollar um, davon 56 Prozent in Amerika, elf Prozent in Asien und 33 Prozent in „Emeri“, was bedeutet: Europa, Mittlerer Osten, Russland und Indien. Der Anteil der Privatverkäufe - das Angebot, mit dem die Auktionsfirmen dem traditionellen Handel aggressiv auf die Pelle rücken - sank im ersten Halbjahr von 828,2 Millionen auf 515 Millionen Dollar.

          Nicht nur die Kunst bringt Umsatz

          Mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar bleibt Christie’s Marktführer bei der zeitgenössischen Kunst, bei einer Steigerungsrate von acht Prozent in Dollar (in Pfund berechnet, sind es sechzehn Prozent). Zum Wachstum der Sparte trug der Standort London mit einem Zugewinn von 28 Prozent bei; der Gesamtumsatz in London hatte einen Rückgang zu verzeichnen, da andere Segmente schwächelten. Weltweit wurde die Eine-Milliarde-Grenze auch von der Abteilung Impressionismus und Moderne überschritten: Dort konnte das Haus mit 1,19 Milliarden Dollar eine Steigerung von 33 Prozent verzeichnen, sein bisher bestes Ergebnis in einem ersten Halbjahr. Dabei gilt es, besondere Umstände zu beachten: Zum Auktionsumsatz der Moderne-Kategorie trugen bei Christie’s die zusätzlichen 705,8 Millionen Dollar bei, die mit einer neu eingeführten Veranstaltung unter dem Titel „Looking Forward to the Past“ im Mai in New York eingespielt wurden. Bei dieser Auktion mit Werken des gesamten 20. Jahrhunderts aus verschiedenen Sparten wurden auch Picassos „Les Femmes d’Alger, (Version ,O’)“ von 1955 und Alberto Giacomettis „L’homme au doigt“ von 1947 vermittelt, die zusammen allein 320,7 Millionen Dollar erzielten; sie trugen als Spitzenlose des gesamten Halbjahrs einen beträchtlichen Anteil zum Umsatz bei.

          Es überrascht kaum, dass sämtliche zehn teuersten Lose in New York verkauft wurden und dass darunter, neben Picasso und Giacometti, Mondrian, Rothko, Warhol, Freud und Bacon waren. Die Alten Meister, die Kunst des 19. Jahrhunderts und Russische Kunst enttäuschten mit einem - gemeinsamen - Rückgang von 37 Prozent auf 110 Millionen Dollar. Besonders gute Nachrichten kann Christie’s für asiatische Kunst bekanntgeben, vor allem dank der Sammlung des berühmten Händlers Robert Hatfield Ellsworth: Im März wurden in New York innerhalb von vier Tagen 134 Millionen Dollar mit 1400 Losen umgesetzt, das Vierfache der Erwartung; der Halbjahrsumsatz mit asiatischer Kunst stieg so um 25 Prozent auf insgesamt 461,4 Millionen Dollar.

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