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Großeinkauf : Norwegens Big Spender

  • -Aktualisiert am

Die norwegische Sparebankstiftelsen kauft beste Expressionisten für ihre Bestände. Dabei kann sie sich auf gut gefüllte Kassen stützen.

          3 Min.

          Am 12. November 2018 wurde bei Sotheby’s in New York Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Das Soldatenbad“ für 19,2 Millionen Dollar zugeschlagen. Mit Aufgeld bezahlte der zunächst unbekannte Käufer fast 22 Millionen Dollar dafür. Das berühmte Bild aus dem Jahr 1915 war kurz zuvor im Oktober vom New Yorker Guggenheim Museum an die Erben des bis 1933 in Deutschland tätigen Galeristen Alfred Flechtheim zurückgegeben worden. Es zeigt Soldaten des Ersten Weltkriegs in einem Duschraum zusammengedrängt, Kirchner verarbeitete darin sein eigenes Kriegstrauma.

          Im Auktionssaal erhielt eine junge Frau aus Norwegen den Zuschlag. Es war Oda Wildhagen Gjessing, sie ist die Chefkuratorin bei der norwegischen Sparebankstiftelsen. Die Sparebankstiftelsen, zu Deutsch Sparkassenstiftung, ist ein besonderes Konstrukt der Kulturförderung, das in seiner Form und finanziellen Ausstattung wohl nur in Norwegen existieren kann. Im Jahr 2002 gegründet, ist sie der zweitgrößte Eigentümer der größten norwegischen Bank DNBNor. In den Jahren seither hat die Stiftung mehr als 400 Millionen Euro für kulturelle und gemeinnützige Zwecke bereitgestellt.

          Die Stiftung hat ein Eigenkapital von mehr als zwei Milliarden Euro. Ihre Betätigungsfelder sind breit gefächert, vom Aufbau einer Kunstsammlung über den Ankauf historischer Musikinstrumente bis hin zur Förderung kommunaler Sozialprojekte. Vor allem die Kunstsammlung ist in den wenigen Jahren, seit Gjessing für die Erwerbungen zuständig ist, stark gewachsen. Das künstlerische Engagement ist jung; erst 2005 begann die Stiftung ihre Bestände aufzubauen. „Wir arbeiten eng mit den großen Museen des Landes, vor allem dem Nationalmuseum in Oslo, zusammen und treffen auf Basis dieser Konsultationen unsere Kaufentscheidungen“ so Gjessing. Auch deshalb fokussiert sich ihr Team stark auf deutsche Expressionisten – und ist für einige jüngere Auktionsrekorde von Künstlern der Epoche verantwortlich. Als Begründung erklärt Gjessing: „Deutsche Kunst der Klassischen Moderne war in den norwegischen Museen kaum vertreten, und das, obwohl die Verbindungen zwischen dem Deutschen Reich und Norwegen so eng gewesen sind. Munch verbrachte einen großen Teil seiner Schaffenszeit in Deutschland. Deutsche Künstler wie Karl Schmidt-Rottluff zog es in die norwegische Natur. Kurt Schwitters war von 1940 an hier im Exil. Das Fehlen deutscher Kunst war lange Zeit die große Lücke in den Osloer Museen.“

          Insbesondere die Künstler der „Brücke“ sind in der Sammlung umfassend vertreten. Zu ihr zählt zum Beispiel auch Hannah Höchs Aquarell „Er und sein Milieu“ von 1919, das die Stiftung erst in diesem Jahr für etwa 700.000 Euro erworben hat. Oder Karl Schmidt-Rottluffs Gemälde „Badende am Strand“, entstanden 1912, das bei Christie’s in London für umgerechnet rund 1,3 Millionen Euro versteigert wurde. Für Gjessing hat die Ankaufspolitik nationale Bedeutung: Mit den Erwerbungen etabliere man eine ganz neue norwegische Kunstgeschichte und könne zeigen, wie eng die Verflechtungen zwischen der norwegischen und der deutschen Avantgarde gewesen seien. Zu sehen war das im Jahr 1932, als in Oslo eine Ausstellung von „Brücke“-Künstlern stattfand. Die junge Generation norwegischer Künstler wie Sigurd Winge oder Bjarne Engebret habe sich von dieser Schau so inspirieren lassen, dass sie ihren Malstil an die Techniken der deutschen Avantgarde anpassten und einen spezifisch norwegischen Expressionismus entwickelten.

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