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Großeinkauf : Norwegens Big Spender

  • -Aktualisiert am

Einen Auktionsrekord bezahlte die Sparebankstiftelsen für Erich Heckels „Badende am Waldteich“ aus der Sammlung des Frankfurters Carl Hagemann. Für umgerechnet mehr als 3,4 Millionen Euro wurde das Bild 2015 bei Christie’s zugeschlagen und nach Oslo geholt. Damit ist es das teuerste jemals verkaufte Gemälde Heckels. Die Stiftung Seebüll, die den Nachlass von Emil Nolde verwaltet, hat nach einer Ausstellung im Osloer Nationalmuseum Noldes „Im Nachtcafé“ an Gjessing veräußert, um damit die Renovierung der eigenen Museumsräume zu finanzieren. Neben den erwähnten Künstlern umfasst die Sammlung zahlreiche weitere Werke der deutsche Avantgarde, Bilder von Max Pechstein, Kurt Schwitters oder August Macke. Beispielsweise war es Mackes Werk „Rokoko“ von 1912, das für 2,2 Millionen Dollar ersteigert wurde und den Startschuss für die Entwicklung der umfassenden deutschen Expressionismus-Sammlung gab.

Weil die Sparebankstiftelsen gemeinnützig orientiert ist, verschwinden ihre Meisterwerke des deutschen Expressionismus nicht im Depot, sondern werden direkt nach dem Erwerb in den Museen Norwegens oder auch international ausgestellt. Derzeit befindet sich das „Soldatenbad“ in Kopenhagen, wo es im Rahmen einer Sonderschau noch bis 2021 zu sehen ist. Danach wird es einen prominenten Platz im norwegischen Nationalmuseum einnehmen, das gerade renoviert wird und einen futuristischen Neubau im Hafen von Oslo bekommt. Kirchners berühmtes Bild geht in die Geschichte der Stiftung ein. Nie zuvor wurde ein so teures Werk angekauft; es stellt den Höhepunkt der Expressionisten-Sammlung dar. Schon jetzt umfasst der Bestand 400 Werke, und die Stiftung plant für die nächsten Jahre weitere Ankäufe. „Die Sammlung deutscher Expressionisten ist sehr gut ausgestattet“, sagt Oda Wildhagen Gjessing, „aber mit Mackes ,Rokoko‘ haben wir nur einen Vertreter des ,Blauen Reiters‘. Auf diese Künstlergruppe fokussieren wir uns nun.“

Gjessing legt großen Wert auf weibliche Positionen in der Moderne, sie findet die weibliche Avantgarde des zwanzigsten Jahrhunderts bahnbrechend. Ein aktuelles Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Henie Onstad Kuntsenter am Stadtrand von Oslo stattfindet, organisiert eine Dadaismus-Sonderschau unter dem Titel „The Great Monster Dada Show“, die vom 25.Oktober an zu sehen ist. Die gesamte Dada-Sammlung der Sparebankstiftelsen wird dort gezeigt, besonders viele Werke von Hannah Höch. Auch so arbeiten Gjessing und ihr Team kontinuierlich daran weiter, den deutschen Expressionismus und Dadaismus mit Hilfe eines Stiftungskapitals, das zu den höchsten in Europa zählt, wieder ins Kunstgedächtnis Skandinaviens zu holen.

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