https://www.faz.net/-gqz-a11gk

Grisebach-Vorschau : Streifzug durch Epochen

  • -Aktualisiert am

Die Sommer-Auktionen bei Grisebach in Berlin versammelt Werke der Renaissance bis zu den Zeitgenossen. Das Spitzenlos kommt von Jan Brueghel d. J.

          3 Min.

          In seiner Abendauktion „Ausgewählter Werke“ am 9. Juli versucht Grisebach unter dem Titel „Von Dürer bis Balkenhol“ in 52 Losen den Bogen von der Renaissance bis zu den Zeitgenossen zu spannen. Dafür sollen die einzelnen Werke, schon im Katalog, in Korrespondenz zueinander treten, was mal mehr, mal weniger gut funktioniert. So findet sich ein „Bewegtes Feld“ von Günther Uecker aus dem Jahr 1971 (Taxe 200.000/300.000 Euro) in der Nachbarschaft von Jan Brueghels d. J. „Großem Blumenstrauß mit Kaiserkrone im Holzbottich“ von 1625/30 wieder. Das typische farbenfrohe Blumenarrangement vor schwarzem Hintergrund ist mit 800.000 bis 1,2 Millionen Euro das am höchsten taxierte Los.

          Die zwanziger Jahre sind vertreten vom Bauhaus, mit Oskar Schlemmers großformatiger Metallinstallation „Drahtfigur Homo mit Rückenfigur auf der Hand“ (150.000/200.000); eine originale Wagenfeld-Leuchte, Modell W1, kommt aus dem Jahr 1930 (60.000/80.000). Zur Neuen Sachlichkeit zählt eine „Bodenseelandschaft bei stürmischem Wetter“ von Otto Dix (140.000/180.000). Höhepunkt bei den Expressionisten ist das Doppelporträt „Pommersche Bauern“ von Karl Schmidt-Rottluff aus dem Jahr 1924, geschätzt auf 400.000 bis 600.000 Euro; durch seine schimmernden Farben und den geraden Pinselstrich wirkt es erstaunlich konstruktivistisch. Alexej von Jawlensky ist mit der leuchtenden Murnau- „Landschaft mit Bäumen“ von 1909 vertreten (300.000/400.000). Conrad Felixmüller porträtiert 1922 auf der großformatigen Tuschezeichnung „Wintertag auf der Zeche“ einen Grubenarbeiter an einem kalten Wintermorgen (70.000/100.000 Euro). Felixmüller reiste Anfang der zwanziger Jahre ins Ruhrgebiet, um der Arbeiterschicht ein künstlerisches Denkmal zu setzen. Der Impressionismus im Angebot wird dominiert von Lesser Ury und Max Liebermann. Lichtdurchflutet ist Urys atmosphärische Stadtansicht „Unter den Linden mit Blick aufs Brandenburger Tor“ (100.000/150.000), mit interessanter Provenienz: In den Sechzigern kam das Bild in den Besitz des Ury-Liebhabers Axel Springer, der es 1975 dem Showmaster Hans Rosenthal zum fünfzigsten Geburtstag schenkte.

          Ein Fokus liegt bei Grisebach auf wiederentdeckten Künstlern, die in den letzten Jahren bei Auktionen erfolgreich vermittelt werden konnten. Hierher gehört die 1876 in Warschau geborene Künstlerin Mela Muter, die von der Jahrhundertwende an in Paris malte; sie ist mit dem Großformat „Kindergruppe“ von 1913 vertreten (180.000/240.000). Muters Gruppenbildnis wirkt mit seinen pastelligen Farbtönen und in der Komposition wie ein Andachtsgemälde. Von starken Kontrasten geprägt sind die kompositorisch flirrenden „Schwarzmaler II“ von Norbert Bisky. Das Bild, das 2019 in der St. Matthäuskirche in Berlin zu sehen war, pendelt zwischen Abstraktion und Figuration und zeigt zwei junge Männer im typischen Körper-Stil Biskys (50.000/70.000).

          Die Gegenwartskunst wird gemeinsam mit der Moderne am 10. Juli unter den Hammer gebracht. Bei den Zeitgenossen dominieren Abstraktion und Pop-Reflexionen, der Anteil deutscher Künstler fällt auf. Raumeinnehmend ist ein frühes Werk „Ohne Titel“ von Katharina Grosse, für das 200 000 bis 300 000 Euro erwartet werden. Ähnlich großformatig ist das in Schwarz und Rot gehaltene Gemälde „Pluton“ von André Butzer (50 000/ 70 000), das ein menschenähnliches Wesen mit abstrahierten Gesichtszügen zeigt. Für Imi Knoebels Installation „Frauenstück“ (70 000/90 000) ist ein langes rotes Metallstück unter der Decke verankert, eine graue und eine weiße Blechkiste stehen daneben.

          In der Fotografie-Sektion, die von der Geschäftsführerin Diandra Donecker kuratiert wurde, stehen erotische Aufnahmen von Ren Hang, Nobuyoshi Araki oder Germaine Krull im Mittelpunkt. Mit Krulls „Daretha (Dorothea) Albu. Kostümentwurf: Lotte Pritzel“ (3000/5000) bietet Grisebach eine Arbeit von einer der bedeutendsten deutschen Fotografinnen an. Ein Bild von Olaf Heine mit dem Titel „Beatrice M. with her daughter Clementine. Photographed in Kigali on June 19, 2018“ aus der Serie „Rwanda Daughters“ (10 000/15 000) wird zugunsten der Organisation „Ora Kinderhilfe international e.V.“ versteigert.

          An den zwei Auktionstagen werden insgesamt 666 Lose zum Aufruf kommen. Der mittlere Gesamtschätzwert liegt bei fünfzehn Millionen Euro. Die „Third-Floor“-Offerte mit 120 Losen bis zu Schätzungen von 3000 Euro hat Grisebach aus der dritten Etage der Villa als Online- Only-Auktion (noch bis zum 5. Juli) ins Netz verlegt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           Eine Mitarbeiterin des Instituts für Infektiologie Emilio Ribas zeigt den Impfstoff gegen SARS-CoV-2 des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac.

          „Versehen“ des RKI : Das Wumms-Papier aus der Berliner Corona-Zentrale

          Impfung im Herbst – das Schicksal meint es wirklich gut mit den Deutschen, so musste man das neue Positionspapier des Robert-Koch-Instituts zur Corona-Strategie deuten. Bis der Traum ganz schnell zerplatzte.

          Wieder Proteste : Belarus trotzt der Polizeigewalt

          In den vergangenen Nächten ließ Lukaschenka Proteste gegen seinen angeblichen Wahlsieg brutal niedergeschlagen, dennoch gehen auch am Mittwoch wieder Tausende auf die Straße. Nun gibt es ein zweites Todesopfer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.