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Grisebach-Auktion : Die schöne Fremde

Max Beckmanns „Ägypterin“ war seit 1942 in privatem Besitz. Jetzt kommt das Bild mit der bemerkenswerten Provenienz auf den Markt.

          Der „Weibliche Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“ war in prominenten Ausstellungen auf der ganzen Welt zu sehen. Von den monographischen Beckmann-Schauen der Museen in Boston, New York und Chicago 1964/65, über Hamburg und Frankfurt, London und Paris, bis München und Brüssel; dann Berlin, Saint Louis und Los Angeles in den achtziger Jahren. Zuletzt war die geheimnisvolle Unbekannte 2003 in London und New York zu betrachten. Auf dem Markt indessen erschien sie nie.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Bei Grisebach ist Elke Ostländer mitzuständig für die Moderne, sie kann Auskunft über die „Ägypterin“ geben, deutlich hingerissen: Der Beiname rührt von der Nähe des Porträts zu den auf Holztafeln gemalten Mumienporträts aus dem alten Ägypten her, von jenen großäugigen Kopf- und Brustbildnissen. Wobei Beckmann, ohnehin fasziniert vom Mythologischen, kaum einer solchen Vorlage bedurfte. Und auf die Frage, wer die Fremde denn sei, soll er selbst geantwortet haben: „Diese Frau ist mir im Traum erschienen.“ Nennen wir das eben – eine Wunscherfüllung.

          Im Exil entstanden

          Das Porträt entstand 1942, als Beckmann im Exil in Amsterdam war. Ob ihm dort die Schöne der Nacht leibhaftig begegnete, wird womöglich nie zu erfahren sein; Beckmanns Tagebücher jener Jahre sind nicht im ursprünglichen Umfang zugänglich. Mit zusätzlicher Spannung ist das Bildnis – das klein ist, grade sechzig mal dreißig Zentimeter messend – aufgeladen, weil die Geschmückte und um die Augen und auf den Lippen stark Geschminkte nach links aus dem Bild zu verschwinden scheint. Sie ist eine Vorübergehende, eine flüchtige Erscheinung. Das macht sie umso begehrenswerter.

          Eine spezielle Rolle spielt das Licht: Es kommt von unten, von einer Kerze vielleicht; das mag Beckmanns Phantasie umso mehr zur virtuosen Malerei angestachelt haben. Solche Lichtführung kennt man von den Alten Meistern, den Utrechter Caravaggisten zum Beispiel. Ein kurioser Nebeneffekt ist die von unten beleuchtete Nasenspitze der Traumfrau. Nein, sie ist kein Totenbild; sie ist das Leben.

          Die Provenienz ist lückenlos seit 75 Jahren: Erhard Göpel kaufte das Bild 1942 direkt bei Beckmann in Amsterdam, es verblieb bis heute in Familienbesitz. Göpel war lebenslang Unterstützer und Förderer Beckmanns, auch während des Nationalsozialismus. Er publizierte später mehrere Bücher über dessen Werk und erstellte, gemeinsam mit seiner Frau Barbara, das zweibändige Verzeichnis der Gemälde. Zugleich war Göpel jedoch in wichtiger Funktion an den Kunstraubzügen der Nationalsozialisten beteiligt. Seit Februar 1942 war er für den „Sonderauftrag Linz“, also die Beschaffung von Werken für das dort geplante „Führermuseum“, beim Reichskommissar in den besetzten Niederlanden und in Belgien tätig, zudem in Frankreich. In Hitlers direktem Auftrag ging es nicht zuletzt um Raubkunst, vor allem aus jüdischem Besitz. Erhard Göpel rückt damit in ein ähnliches Zwielicht wie Hildebrand Gurlitt.

          Die Anmut der „Ägypterin“ darf freilich unberührt bleiben davon. Am 15. Februar wird Grisebach bekanntgeben, dass das Porträt am 31. Mai in Berlin versteigert wird. Die Schätzung liegt bei 1,5 bis 2 Millionen Euro.

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