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Grafik der Weimarer Republik : Satirische Meisterwerke

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Jeanne Mammen, „Nutten“, um 1930, Lithographie, 13/20, 46,5 mal 35 Zentimeter, 17.500 Euro. Bild: Galerie J. Fach/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Mit bissiger Satire haben die Künstler der Weimarer Republik die ungleichen Verhältnisse ihrer Zeit angeprangert. Zu sehen sind viele dieser gesellschaftskritischen Blätter im aktuellen Katalog der Galerie Joseph Fach in Oberursel.

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          In den keineswegs nur glamourösen zwanziger Jahren war das Leben in großen Teilen der Bevölkerung hierzulande von bitterer Armut und vielfacher Not bestimmt. Immerhin ging es damals einigen Künstlern weniger um L’art pour l’art als vor allem darum, die nach dem Ersten Weltkrieg unerträglichen Zustände anzuprangern und mit kritischen Arbeiten hoffnungsvoll in eine bessere Zukunft zu verändern. So hat Georg Scholz auf seiner Lithographie von 1921/22 einen verhärmten „Zeitungsträger (Arbeit schändet)“ eindringlich und zu Herzen gehend dargestellt: Der Arme, eine Elendsgestalt, wird auf seinem Weg obendrein von einem neureichen, verfetteten Zigarrenraucher aus seinem Luxusauto heraus voller Spott beobachtet (18.500 Euro).

          Eine ähnlich demütigende Erfahrung hatte der Künstler selbst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gemacht, als er halbverhungert einen Bauern um Hilfe bat und grob abgewiesen wurde; in seiner Lithographie „Industriebauern“ schilderte er diese abstrus hässliche Familie, den knochigen Bauern mit der Bibel neben der dicken, fast glatzköpfigen Frau und den missratenen Sohn, der gerade einen Frosch zu Tode quält (28.000 Euro). Georg Scholz ist damit ein großartiges Meisterwerk bissiger Satire gelungen, das als Titelbild den aktuellen Katalog „Expressionismus. Neue Sachlichkeit. Graphik“ der Galerie Joseph Fach in Oberursel ziert: eine lohnende Auswahl vielfach gesellschaftskritischer Blätter.

          Georg Scholz, Zeitungsträger (Arbeit schändet), 1921/22, Lithographie, Blattgröße 40,3 mal 54,8 Zentimeter, 18.500 Euro.
          Georg Scholz, Zeitungsträger (Arbeit schändet), 1921/22, Lithographie, Blattgröße 40,3 mal 54,8 Zentimeter, 18.500 Euro. : Bild: Galerie J. Fach.

          Ein ganz kritikfreies und sehr anziehendes Bildnis hat aber Otto Dix von seiner hübschen Ehefrau „Mutzli“ 1924 als Radierung geschaffen (3200 Euro). Und der Wiener Künstler Max Oppenheimer, genannt Mopp, zeigt sich als glänzender Porträtist des großen Architekten Peter Behrens in einem extrem seltenen, brillanten Abdruck mit scharfzeichnender Plattenkante (5900 Euro). Eine der faszinierendsten Künstlerinnen ihrer Ära war Jeanne Mammen, die zwei durchaus sympathische „Nutten“ auf einer Lithographie dargestellt hat, die als das bedeutendste ihrer grafischen Werke gelten kann (17.500 Euro). Temperamentvoller, weitgehend unbekleidet und vermutlich im ähnlichen Milieu wie Jeanne Mammens zwei Frauen beschäftigt ist „Die süße Peitsche ( Milly in Berlin)“ auf einer Radierung von Karl Hubbuch aus dem Jahr 1922 (22.000 Euro); Hubbuch gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit.

          Unter mehreren Lithographien von Max Beckmann wird ein besonders interessantes Blatt angeboten, weil versehen mit der Provenienz Reinhard Piper, München. Es ist ein sich liebendes Löwenpaar, das Beckmann veranlasste, auf Wunsch seines Verlegers Piper den Zoo zu besuchen, „um mich für Ihre Bestie zu interessieren. Ich bin also mit Ihrem Vorschlag einverstanden, der ja eigentlich keiner ist, und lasse Ihnen das Blatt zugehen. Sie setzen ja doch immer alles durch, was Sie wollen, und haben richtig geahnt, dass Sie mir mit der Bestie einen Floh in’s Ohr gesetzt haben“ (5800 Euro).

          Katalog 15 Euro; info@galerie-fach.de

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