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Kippenberger und sein Maler : Wer ist denn hier das Genie?

  • -Aktualisiert am

Martin Kippenberger malte sein berühmtes Bild „Paris Bar“ nicht selbst, sondern ließ es von dem Plakatkünstler Götz Valien ausführen. Der zeigt nun eine Version des Werks unter eigenem Namen – und Berlin diskutiert einen Urheberrechtsstreit.

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          Das Haus am Lützowplatz kann sich freuen; die aktuelle Ausstellung, die dort zu sehen ist, wird in der Berliner Presse als Skandal und als „brisant“ gefeiert, es finden Podiumsdiskussionen statt, und wenn die Berliner nicht gerade über ihre sogenannte neue Kunsthalle im Flughafen Tempelhof streiten, dann streiten sie sich über das, was dort zu sehen ist. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein berühmtes Gemälde des Künstlers Martin Kippenberger, der wie kaum ein anderer seiner Generation die Rolle des Künstlers auseinandergenommen und so lange gespiegelt hatte, bis den Zuschauern ganz schwindelig wurde. Zu diesen Dekonstruktionen gehört die Tatsache, dass Kippenberger dieses berühmte Gemälde nicht selber malte.

          1981 hatte er für die Aktion „Lieber Maler, male mir“ Gemälde nach seinen Vorstellungen von professionellen Theater- und Plakatmalern anfertigen lassen – was ein lustiges konzeptionelles Spiel war mit der Idee von Professionalität und künstlerischer Genie-Aura in einer Kunstwelt, in der Idee und Konzept mehr zählen als die technische Ausführung und das malerische Können im Sinne fotorealistischer Abbildung der Realität in Öl- oder Acrylfarbe. Im Geist dieser Serie muss man auch Kippenbergers teuerstes Bild lesen, das eine Innenansicht der Paris Bar auf der Berliner Kantstraße zeigt. Kippenberger, der dort Stammgast war, hatte als freundlichen Protest dagegen, dass er bei der großen Ausstellung „Metropolis“ nicht eingeladen war, mit ebenfalls nicht eingeladenen Künstlerfreunden in der Paris Bar eine Art „Salon des Réfusés“ eingerichtet: eine Wand, an der sie alle ihre Werke aufhängten. Diese so behängte Wand ließ Kippenberger von der Kinoplakat-Firma Werner im fotorealistischen Stil malen; die Firma beauftragte damit den Maler Götz Valien, der damals für sie arbeitete. Angeblich wusste er nicht einmal, dass er für Kippenberger tätig war. Kippenberger überließ das Gemälde dem damaligen Besitzer der Paris Bar, Michel Würthle, bei dem er gern Boudin Noir aß und viel trank; Würthle verkaufte es an einen Galeristen, der es an Charles Saatchie weiterreichte; so wurde das Kunstwerk immer teurer und schließlich bei Christie’s für 2,3 Millionen Pfund versteigert. Valien hatte 1000 Mark bekommen; so etwas schmerzt.

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