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Georges de la Tour : Im reinen Schein

Echt rar: Ein Bild von Georges de la Tour wird bei Lempertz in Köln versteigert. Es könnte das teuerste Kunstwerk in einer deutschen Auktion werden.

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          Bei Lempertz in Köln wird am 8. Dezember – separat von der regulären Auktion mit Alter Kunst – ein Werk von Georges de la Tour zum Aufruf kommen. Die Erwartung für „La fillette au braisier“ (Mädchen, in ein Kohlebecken blasend) liegt bei drei bis vier Millionen Euro. Laut Lempertz handelt es sich um das letzte Nachtstück des geheimnisvollen Malers – dem nur knapp mehr als vierzig erhalten gebliebene Originale zugeschrieben sind –, das sich noch in Privatbesitz befindet. Eingeliefert wurde die Rarität, als absolutes Spitzenstück, mit 21 weiteren Altmeistern aus der bedeutenden Sammlung des Luftfahrtunternehmers Hinrich Bischoff (1936 bis 2005).

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Werke von Georges de la Tour sind im Auktionsmarkt entsprechend selten: Soweit zu erkennen, kam zuletzt 2008 bei Sotheby’s in New York eines seiner Apostelporträts, ein Jakobus der Ältere, zum Aufruf und erzielte einen Hammerpreis von umgerechnet 1,95 Millionen Euro (Taxe 1/1,4 Millionen). Der bislang höchste Zuschlag für ein Gemälde von ihn datiert aus dem Jahr 1991, als eine Variante seines blinden „Drehorgelspielers“ bei Christie’s in London auf umgerechnet 2,57 Millionen Euro kam.

          Die Werke des Meisters aus Lunéville sind von einzigartigem Zauber. Auch wenn er dem Barock in Frankreich zugeordnet wird, gehört er wesentlich, nicht zuletzt seiner Lichtführung wegen, in die Nachfolge Caravaggios. Trotz seiner Alleinstellung brachte es der Mann aus Lothringen zum Hofmaler Ludwigs XIII. in Paris. Später geriet er vorübergehend in Vergessenheit, bis ihn die Moderne mit Begeisterung ins Gedächtnis zurückholte. Das Mädchen im Schein der glühenden Kohlen, das durch eine Signatur als eigenhändig gesichert ist, hat eine Ausstellungskarriere hinter sich. Im Katalog der Retrospektive 1997 im Pariser Grand Palais ist auch die Provenienz verzeichnet: Zuletzt erwarb das Bild Hinrich Bischoff 1975 bei einer Christie’s-Auktion in London für 17 850 Pfund (inklusive Aufgeld); die Summe entsprach damals umgerechnet 94.600 Mark). Von 1976 bis 1980 hing das Gemälde dann als Leihgabe in der Bremer Kunsthalle.

          Die Lempertz-Schätzung jetzt ist mit drei bis vier Millionen Euro die höchste, die je ein Kunstwerk in einer deutschen Auktion trug. Der höchste Zuschlag bisher in Deutschland sind die 4,7 Millionen Euro (Taxe 1,5/2 Millionen), die 2018 bei Grisebach in Berlin Max Beckmanns „Weiblichem Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“ galten. Es folgen die drei Millionen Euro (1/1,5 Millionen), die 2016 am selben Ort für Lyonel Feiningers „Gelbe Gasse“ geboten wurden. Einzustellen wäre zudem der Rekordzuschlag für einen Alten Meister, der bei Lempertz 2012 mit ebenfalls drei Millionen Euro (1,8/2,2 Millionen) für Gerard Dous Gemälde „Alter Maler in seinem Atelier“ erging. Georges de la Tours „Fillette au braisier“ könnte dafür Chancen haben.

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