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Gemälde und Zeichnungen : Hirschkäfer mit Fortune

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In Zürich bei Koller ist man mit den Ergebnissen der Auktionen mit Gemälden und Zeichnungen zufrieden, wenngleich es einige Rückgänge gab. Die russische Kundschaft aber war einmal mehr aktiv.

          Insbesondere die seit Jahren gut vertretene Kundschaft aus Moskau und St. Petersburg sicherte sich aus der Offerte mit Gemälden und Zeichnungen bei Koller in Zürich einige markante Stücke und war bereit, dafür teils hohe Preise zu bezahlen. Das Glanzstück unter mehreren niederländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts war das von Ambrosius Bosschaert d. J. mit Früchten in einem Flechtkorb: Bei 380.000 Franken hob ein russischer Privatsammler den Arm für die 1633 entstandene, beinahe wissenschaftlich genaue Darstellung und beförderte das mittlere Querformat damit in seine Taxierung von 350.000 bis 450.000 Franken. Unmittelbar davor verbuchte schon Bosschaerts Landsmann und Zeitgenosse Jacob van Walscapelle einen beachtlichen Erfolg: Für sein Stillleben in einer Nische mit Glaskrug und Zitrone freute sich ebenfalls ein russischer Kunde über den Zuschlag, musste aber 300.000 Franken (Taxe 75.000/ 90.000) investieren.

          Auch ein Gemälde von Jan Kessel d. Ä. reüssierte: Die bloß auf den ersten Blick unscheinbare Studie eines Hirschkäfers und anderer Insekten in Öl auf Kupfer erreichte 155.000 Franken (45.000/65.000). Frans Franckens d. J. opulentes „Gastmahl des Belsazar“, versehen mit der Schätzung von 700.000 bis 900.000 Franken, dagegen fiel durch. Ähnlich enttäuschend verlief der Nachmittag für Werke von Carl Spitzweg: Von den vier angebotenen Gemälden konnte nur eines vermittelt werden, nämlich „Faust und Gretchen“ auf einem Spaziergang bei Meran für 19.000 Franken (18.000/25.000).

          Mit Recherche zum Erfolg

          Schon in der Vorbesichtigung fiel eine „Heilige Familie vor einer weiten Landschaft“ auf, die der sogenannte Meister der Mansi-Magdalena wohl am Beginn des 16. Jahrhunderts in Antwerpen gemalt hat. Das aus Schweizer Privatbesitz eingereichte Gemälde in Öl auf Holz ging mit einer Taxe von 220.000 bis 280.000 Franken in die Auktion: Am Ende standen 260.000 Franken zu Buche. Ebenfalls aus Schweizer Privatbesitz kam eine „Büßende Magdalena“ des Guercino zum Aufruf. Das Halbfigurenbild aus der Mitte des 17. Jahrhunderts war eine Auftragsarbeit des Conte Giovanni Panici, der Statthalter in Cento war, der norditalienischen Geburtsstadt des Malers. Jetzt erhielt das Bild ein siegreiches Gebot von 240.000 Franken (150.000/200.000). Ihre Taxe gar verdoppeln konnte Francesco Guardis Ansicht der „Piazza San Marco verso la Basilica“, um 1770/80 in Öl auf eine 26 mal 43 Zentimeter große Holztafel gemalt: Die reizvolle Vedute erreichte beachtliche 200.000 Franken (80.000/120.000).

          Cyril Koller ist mit dem Ergebnis der Auktion zufrieden, obwohl die Kundschaft spürbar wählerisch geworden ist. Werke in gutem Erhaltungszustand, von hoher künstlerischer Qualität und visueller Attraktivität sowie mit privater Provenienz hält Koller weiterhin für Erfolgsgaranten - und nicht zuletzt die Recherchen des Auktionshauses stimulieren Käufer: Bestes Beispiel dafür ist ein beidseitig bemalter Altarflügel des Meisters der Barmherzigkeiten aus der Zeit um 1460/70, der auf maximal 45.000 Franken taxiert war. Eng verwandte Tafeln im New Yorker Metropolitan Museum und im Stadtmuseum Trier wurden im Katalog zum Vergleich herangezogen, der Zuschlag eines Sammlers erfolgte schließlich bei spektakulären 235.000 Franken.

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