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Gegenwartskunst : Wer steckt hinter CAP?

Testballon für die Gegenwartskunst: In New York versteigert Sotheby’s aus einer indischen Privatsammlung. Doch wer hat diese interessante Auswahl zusammengestellt?

          Das New Yorker Auktionsjahr für die zeitgenössische Kunst beginnt mit der interessanten Auswahl aus einer Privatsammlung, die nur als „CAP Collection“ ausgewiesen ist. Am 7. März kommen 88 Lose bei Sotheby’s zum Aufruf, unter dem Titel „Passion+Transmission“, Leidenschaft und Übertragung. Die offensichtlich vor allem im vergangenen Jahrzehnt zusammengebrachte Sammlung, die sich maßgeblich, das erläutern die Provenienzen, aus dem internationalen Primärmarkt, also den wichtigen Galerien, speist, umfasst Kunst aller Kontinente, wie eine Weltkarte vorn im Katalog zeigt.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Die Auswahl, die Malerei und Plastik umfasst, ist so eigenwillig wie anregend, hier nur einige Namen: Francis Alÿs, Cosima von Bonin, Marlene Dumas, Tracey Emin, Anish Kapoor, William Kentridge, Yayoi Kusama, Chris Ofili, Enoc Pérez, Ugo Rondinone, Dirk Skreber, Rosemarie Trockel, Gavin Turk, Kara Walker, Christopher Wool. Erwartet wird ein Gesamterlös von sieben bis zehn Millionen Dollar; ein Teil davon soll der „CAP Foundation“ zufließen, die sich global für Bildung, Kunst, medizinische Forschung und die Umwelt einsetzt, indem sie Menschen zur Entfaltung verhilft, die nicht schon privilegiert geboren sind.

          Das Geheimnis ist gelüftet

          Wer aber steht hinter der „CAP Collection“? Der Katalog gibt keinerlei Aufschluss, und auch vom Auktionshaus waren keine Informationen zu bekommen. Ein wenig Recherche mag das Geheimnis aber gelüftet haben. Die Spur führt zu den indischen Philanthropen Nalini Gangadharan und K.R.Gangadharan. Jedenfalls steht dieses Ehepaar, beide akademisch ausgebildet, hinter der „CAP Foundation“. Im November 2011 berichtete die indische Zeitung „The Hindu“ über ihre sozialen Aktivitäten, mit der schönen Zeile unter dem Foto der beiden, dass sie „dared to go beyond the theories of social work“. Sollten die Gangadharans nicht nur die Praxis des sozialen Engagements gewählt haben, sondern auch die künstlerisch eigenständiger Wege, würde das schon passen. Und vermutlich waren sie gut beraten. Denn es lässt sich auch finden, dass eine Dokumentation der „CAP Collection“ 2005 erschienen ist, erstellt von Arlène Bonnant, die mit Simon de Pury, dann mit der Firma Phillips de Pury & Luxembourg bis zu diesem Jahr zusammengearbeitet hat, ehe sie sich selbständig machte.

          Alles hängt mit allem zusammen

          So hängt alles mit allem zusammen, nicht zum Schaden derer vielleicht, die in der Auktion wählen können. Die höchsttaxierten Lose sind zwei Großformate von Christopher Wool auf Aluminium aus den neunziger Jahren, geschätzt bis 1,8 Millionen Dollar. Der südafrikanische Meister William Kentridge ist zehnmal vertreten, am unteren Ende der Preisskala firmiert die Zeichnung eines Rhinozeros für die Ausstattung von Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ für 15000 bis 20000 Euro. Von Rosemarie Trockel gibt es ein tolles kleines Aquarell, „Ohne Titel (Doppelkopf)“ aus dem Jahr 1986, beziffert auf 5000 bis 7000 Euro. Ein psychedelisches Rundbild von Ugo Rondinone (zuletzt 2004 versteigert bei Phillips de Pury freilich) steht am anderen Ende bei 200000 bis 300000 Euro. Damit sind die Margen markiert, innerhalb deren sich Kara Walker oder Tal R., Sue Williams oder ganz oben Mark Bradford mit ihren Arbeiten bewegen können.

          Die Werke aus der „CAP Collection“ (die gewiss weit mehr umfasst als diese Offerte) ist jedenfalls ein Testballon für den Zeitgenossen-Markt in diesem Frühjahr. Sotheby’s sieht das wohl auch so; denn man hat dafür vorsichtig eine Morgen-Auktion angesetzt. Die Versteigerung beginnt um 10Uhr, New Yorker Zeit.

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