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Gegenwartskunst : Nach dem Bild ist vor dem Bild: Neues aus Wiener Galerien

  • -Aktualisiert am

Man fühlt sich an die achtziger Jahre erinnert, wenn man zur Zeit die Galerie Lisa Ruyter und die dort laufende Ausstellung „The Image is Gone“ betritt. Mit den traditionellen Mitteln der abendländischen Kunstgeschichte bezieht Hans Weigand in der Galerie Senn Position zu der Diskussion über die Rückkehr des Religiösen.

          Auch im Wien Ende der achtziger Jahre machte man sich so seine Gedanken über das Verschwinden der Malerei im besonderen und den Bildbegriff im allgemeinen. Man zog Bilanz, und als Ergebnis dieser Abrechnung gab es Ausstellungen wie „Das Bild nach dem letzten Bild“, die 1991 von Kasper König und Peter Weibel für die damalige Galerie Metropol kuratiert wurde.

          Zwar unterscheidet man im Gegensatz zur deutschen Sprache im Englischen zwischen „picture“ und „image“; dennoch fühlt man sich an die achtziger Jahre erinnert, wenn man zur Zeit die Galerie Lisa Ruyter betritt. Vielleicht liegt es am Titel der laufenden Ausstellung „The Image is Gone“ oder am Sound, Teil einer Installation von Marc Bijl mit dem Titel „For the Ruling Class“. Die vertrauten Klänge stammen aus einem mit Klebeband zusammengehaltenen Stereo-Equipment, auf dem mit pechschwarzer Farbe übergossene Wien-Souvenirs aus Porzellan und eine Kristall-Tischlampe für „heimelig-gediegene“ Gemütlichkeit sorgen.

          Auf Vinyl gebettet

          Es ist das sich wiederholende Intro von „Vienna“ der Gruppe Ultravox, das einem entgegenklopft und die Textzeilen in Erinnerung ruft, wie zuerst das Gefühl verschwindet, dann das „image“, was beide Male im beschwörenden Refrain „it means nothing to me“ endet (17 600 Euro). Das ebenfalls von Bijl zu nächtlicher Stunde aufgenommene Maria-Theresia-Denkmal am Wiener Ring, das der von Lisa Ruyter zusammengestellten Ausstellung seinen Titel gibt, ist nur mehr in seinen Umrissen auszumachen: „The Image is Gone“ ist hier ganz wörtlich zu nehmen, - was bleibt, ist das Bild in seiner Entsprechung von „picture“ (Auflage 1/2; 3850 Euro).

          Doch auch die auf spiegelndem Vinyl gebettete, zerbrochene E-Gitarre, geformt aus Salz und Harz, von Banks Violette (30 000 Dollar) oder das kleine Gemälde einer Nelke von Paul P., die vergessen auf einer Bühne vor sich hinzuwelken scheint (4675 Dollar): Geschickt wird in den Arbeiten der Präsentation mit dem Gefühl gespielt, daß etwas verlorengegangen ist, das einem doch von Bedeutung sein könnte. Bei Michael Huey, der sich auch als Kunsthistoriker mit historischer Fotografie beschäftigt, ist es das Negativabbild einer während der Restaurierung im Palais Liechtenstein entdeckten Maueröffnung, die einst - wohl zum Schutz für das, was nun fehlt - mit alten Zeitungen ausgekleidet wurde (Auflage 1/3; 5500 Euro).

          Weltuntergangsszenario

          Nahezu klassisch gibt sich Hans Weigand in der Galerie Senn. Gerade zu der Diskussion über die Rückkehr des Religiösen bezieht Weigand mit den traditionellen Mitteln der abendländischen Kunstgeschichte aktuell Position. „Road to Babylon“ etwa ist ein zeitgemäßer Flügelaltar. Während die Werktagsseiten die gemalte Aufsicht eines Autobahnkreuzes zeigt, geht es im geöffneten Zustand apokalyptischer zu: Vorgefundene Fotos, Motive aus der Kunstgeschichte und Science-fiction-Comics werden hier mit Malerei zu einem beeindruckenden Weltuntergangsszenario zusammengestellt (28 000 Euro). Bei „Helden am Stadtrand“ wird die Peripherie zur Müllhalde von gestürzten Denkmälern (15 000 Euro).

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