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Gegenwartskunst in London : Die Sache mit den Krankenschwestern

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Kopf an Kopf gehen Christie’s und Sotheby’s in die Auktionen zeitgenössischer Kunst in London. Auf beiden Seiten stehen altbekannte Namen - und Newcomer.

          Betrachtet man die Spitzen im Angebot der Londoner Auktionen mit Nachkriegs- und Gegenwartskunst, die am 10. Februar starten, könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich - außer Preissteigerungen - kaum etwas verändert hat, auch wenn jedes Werk einzigartig ist: Dieselben Namen - Richter und Bacon, Warhol und Basquiat - sind wieder die Zugpferde. Im überschaubaren Geflecht der Namen, die für die prestigeträchtigen Abendveranstaltungen überhaupt in Betracht kommen, herrscht dennoch Bewegung. So sind zum Beispiel der 1970 früh verstorbene Domenico Gnoli und Michelangelo Pistoletto nach jüngsten spektakulären Rekorden wieder mit je einem Werk oberhalb der Millionengrenze vertreten; vorher waren sie an den Abenden nicht beteiligt.

          Komplexer sind die Auktionskarrieren von Richard Prince und seinen Krankenschwestern-Gemälden aus der - inzwischen schon historischen - Schau 2003 bei Barbara Gladstone in New York. Dazu einige Beispiele: Eines dieser Bilder mit dem ansprechenden Titel „Millionaire Nurse“ wurde im Mai 2008 bei Sotheby’s in New York für 4,74 Millionen Dollar (Taxe 3,5/4,5 Millionen) verkauft. Im Juni 2010 wurde es dann - mit Verlust - bei Sotheby’s in London weitergereicht für umgerechnet 3,13 Millionen Dollar, nach einem Zuschlag unterhalb der Untertaxe. Diese Pleite bedeutete vier Jahre Pause vom Auktionsgeschäft, bis die „Millionaire Nurse“ im Mai 2014, wieder bei Sotheby’s in New York, abermals antrat: Mit 3,3 Millionen Dollar bestätigte sie ihren Preis von 2010, schwang sich also nicht zu neuem Höhenflug auf. Sie wanderte in die Galerie von Patricia Low in St. Moritz; dort ist sie noch bis zum 10. Februar zu sehen - und steht wieder zum Verkauf. Bei Phillips in New York, wo überhaupt die meisten Werke von Richard Prince verkauft werden, kamen im Jahr 2011 die letzten beiden, besonders coolen und großen Krankenschwestern aus dem Jahr 2006 zum Aufruf, vorsichtshalber mit Garantien versehen: Die zwei Meter hohe „Runaway Nurse“, und die etwas kleinere, aber attraktiv-blutige „Wayward Nurse“ spielten immerhin stolze 6,8 und 4,5 Millionen Dollar ein, innerhalb ihrer jeweiligen Taxen.

          Christie’s hatte schon seit November 2008 keine Krankenschwestern mehr verkauft: Damals war die „Lake Resort Nurse“ - auf fünf bis sieben Millionen Dollar geschätzt - dank ihres Preises von 3,33 Millionen Dollar inklusive Aufgeld knapp nicht in ihrem See ertrunken. Im Mai 2014 gelang dann bei Christie’s das große Comeback: Die zwei Meter hohe „Nurse of Greenmeadow“ aus der Gladstone-Schau erzielte, mit einem unwiderruflichen Gebot versehen, unglaubliche 8,56 Millionen Dollar (Taxe 7/9 Millionen), und die „Nurse on Trial“ von 2005 kostete im November 5,76 Millionen Dollar (5/7 Millionen). Nach diesem Markttest hat Christie’s nun für den 11. Februar wieder eine Krankenschwester ins Abendprogramm genommen: Die „Emergency Nurse“ ist zwar groß, aber im Jahr nach der Ausstellung bei Gladstone entstanden, und das Gemälde ist weniger attraktiv; sie ist auf vorsichtige 1,4 bis 1,8 Millionen Pfund geschätzt.

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