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Gegenwartskunst in London : Bitte rakeln Sie uns 41 Millionen her!

  • -Aktualisiert am

Bei den Auktionen mit zeitgenössischer Kunst in London ging es hoch her: Sotheby’s, Christie’s und Phillips melden neue Rekorde. Größtes Aufsehen erregt ein Werk von Gerhard Richter.

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          Abendauktionen sind dramaturgisch durchgeplante Veranstaltungen. Der Star-Auktionator hat seine Gesten und Phrasen wohl einstudiert, die Lose sind so kuratiert und aneinandergereiht, dass der Spannungsbogen immer wieder aufgenommen wird. Die Zahl der für die Auktion registrierten Kunden und der für jedes Los angemeldeten Telefonbieter ist bekannt, die Taxen geben die erwartete Preisspanne an. Und doch hält jede Auktion Überraschungen bereit, zum Beispiel wenn ein Sammler mit sensationell hohen Geboten davonprescht, anstatt die typischen Bietschritte einzuhalten.

          Cheyenne Westphal, weltweite Ko-Chefin für zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s, schien jedenfalls selbst erstaunt über das Verhalten ihres vermögenden Telefonkunden, der, anstatt in Schritten von einhunderttausend Pfund zu bieten, mehrfach gleich zwei weitere Millionen in den Ring warf, um seinen Kontrahenten einzuschüchtern. Das Werk, um das hier leidenschaftlich gefochten wurde, war Gerhard Richters drei mal 2,5 Meter messendes „Abstraktes Bild“, ehemals aus dem Besitz der Kölner Kunstsammler und engen Richter-Freunde Michael und Eleonore Stoffel, die es direkt vom Künstler erwarben. Es war als Leihgabe in den neunziger Jahren im Museum Ludwig in Köln zu bewundern, bevor die Sammler es 1999 bei Sotheby’s in New York für 607.500 Dollar verkauften.

          Richter schuf das Werk im Jahr 1986. Es markiert eine wichtige Entwicklung in seinem Werk: den Übergang von der kontrollierten, mit Pinselstrichen ausgeführten Komposition zur Rakeltechnik, durch welche die abstrakten Verschmierungen, Überblendungen, Streifen und Flecken entstehen, für die Richter bekannt ist. Jetzt kam das Bild bei Sotheby’s, mit einer Taxe von vierzehn bis zwanzig Millionen Pfund versehen, zum Aufruf. Bei siebzehn Millionen waren nur noch zwei Telefonbieter übrig, doch der Hammer fiel erst bei 27 Millionen Pfund; ein amerikanischer Privatsammler zahlte mit Aufgeld 41 Millionen Euro. Ein neuer Rekord für Richter, den teuersten - und begehrtesten - lebenden europäischen Künstler. Der vorausgehende Richter-Rekord lag bei umgerechnet 24 Millionen Pfund für „Domplatz, Mailand“. Den Titel des teuersten Kunstwerks der Welt bei einer Auktion trägt aber weiterhin jener „Balloon Dog“ von Jeff Koons, der 2013 umgerechnet 43 Millionen Euro erzielte.

          Rock-’n’-Roll muss beim Kunstverkauf nicht helfen

          Bei Sotheby’s wurden weitere Erfolge gefeiert: Mit einem Umsatz von 123,515 Millionen Pfund erzielte das Auktionshaus sein bestes jemals erreichtes Ergebnis mit Zeitgenossen in Europa. 65 der 75 angebotenen Lose wurden verkauft - eine Quote von 86,7 Prozent. Gegenüber Februar 2014 wurde eine vierzigprozentige Steigerung erzielt. Sotheby’s Zeitgenossen-Abteilung überrundete in dieser Woche auch knapp den Erzrivalen Christie’s, dessen Abendauktion 116,7 Millionen Pfund einspielte. Hier wurden 92 Prozent der 62 angebotenen Lose verkauft.

          Bei Sotheby’s positionierte sich Francis Bacons „Two Studies for Self-Portrait“ (13/18 Millionen) an zweiter Stelle unter den Spitzenreitern, mit einem Hammerpreis zur unteren Taxe von 13 Millionen Pfund. Lucio Fontanas weißes „Concetto Spaziale, Attese“ (5/7 Millionen) aus der in den sechziger und siebziger Jahren zusammengetragenen schwedischen Sammlung Hoglund wurde bei 7,35 Millionen einem anonymen Telefonbieter zugeschlagen. Es gibt nur zwei weitere Arbeiten, die noch mehr - nämlich 24 - Schlitze aufweisen.

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