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Gefälschte Klassiker : Kunstskandal auf Amerikanisch

Jetzt wird auch Amerika von einem Kunstfälschungsskandal erschüttert: Wer fälschte über Jahre Meisterwerke des Abstrakten Expressionismus - von Pollock, Motherwell und Rothko?

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          Wir haben an dieser Stelle in den vergangenen Monaten mit wachsendem Erstaunen über den Fall Beltracchi berichtet - über den Mann, der seit Jahrzehnten unzählige Meisterwerke der Moderne gefälscht und auch dank eines turbulent vernetzten Systems von Experten und dubios arbeitenden Kunsthändlern erfolgreich in den Markt gebracht hat. Im Prozess gegen Wolfgang Beltracchi standen vierzehn von ihm im Stil der Klassischen Moderne erfundene Gemälde zur Verhandlung. Bis heute weiß niemand, wie viele andere seiner Fälschungen noch kursieren; Schätzungen zufolge sollen es deutlich über hundert, Gerüchten nach mehr als zweihundert sein. Und kaum hat man sich gefragt, wo sich eigentlich diese Werke befinden, ob man je von ihnen erfahren wird und was mit ihnen passiert, berichtet die „New York Times“ über einen Fall, der sich im ersten Moment wie eine US-Version des Falls Beltracchi liest.

          Ermittler des FBI, heißt es da, untersuchten zur Zeit, ob renommierte New Yorker Kunsthändler und Galerien über Jahre - und zu Preisen von bis zu 17 Millionen Dollar pro Bild - gefälschte Werke von Robert Motherwell, Jackson Pollock und anderen bedeutenden amerikanischen Malern der Nachkriegszeit wie Mark Rothko, Richard Diebenkorn und Franz Kline in den Markt gebracht haben.

          Die meisten dieser Bilder, deren Echtheit mittlerweile auch durch Pigmentanalysen in Frage gestellt werden konnte, kamen über eine kaum bekannte, seit 1993 tätige Kunsthändlerin zu den renommierten Adressen - die auf Long Island ansässige gebürtige Mexikanerin Glafira R. und ihren früher in Galizien als Kunstberater tätigen Partner José Carlos B.

          Glafira R . war, so erzählte sie es ihren Abnehmern in der New Yorker Galerieszene, angeblich auf die Sammlung eines Kenners der Nachkriegskunst gestoßen, der die Werke in den fünfziger Jahren direkt bei den Künstlern erworben haben soll; sein Sohn, angeblich ein enger Freund von Glafira R., der in der Schweiz lebe, wolle einige davon verkaufen, aber anonym bleiben. Die Geschichte wurde der Frau offenbar ebenso abgenommen, wie die europäische Kunstwelt den Beltracchis ihre Story von der angeblichen Sammlung des Großvaters Werner Jägers glaubte. Glafira R. hat die Werke dann über den Kunsthändler und Motherwell-Experten Julian Weissman (der jetzt vor Gericht landete, weil er die Kunden für diese Bilder mit erlogenen Provenienzen köderte), über die renommierte New Yorker Galerie Knoedler, die es seit geschlagenen 165 Jahren gibt, und über deren damalige Präsidentin Ann Freeman in den Markt gebracht.

          Auch Marc Blondeau ist in den Skandal verstrickt

          Ist es ein Zufall, dass ebendiese Galerie Knoedler von ihren Eigentümern vergangene Woche überraschend dichtgemacht wurde, und zwar für immer? Es war bekannt, dass die Knoedler durch die Finanzkrise in Probleme geraten war, es war bekannt, dass Ann Freedman, die einunddreißig Jahre für die Galerie gearbeitet hatte, vor zwei Jahren überraschend zurückgetreten war und dass zwei Monate später das Haus, in dem die Galerie über vierzig Jahre lang residierte, für fast sechzig Millionen Dollar angeboten und schließlich für den halben Preis verkauft worden war. Knoedler, Freedman und Weissman wurde von der Dedalus Foundation, einer nichtkommerziellen, vom Künstler Robert Motherwell selbst gegründeten Stiftung, schon seit längerem vorgeworfen, mit gefälschten Motherwells gehandelt zu haben.

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