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Gallery Weekend : Das Modell funktioniert bestens

  • -Aktualisiert am

Das Gallery Weekend in Berlin überzeugt mit hervorragenden Ausstellungen, und einmal mehr sind viele internationale Besucher in die Stadt gekommen. Ein Rundgang.

          4 Min.

          Dieser Film ist nur für dich bestimmt: In der fast leeren Galerie Barbara Weiss in Kreuzberg wartet nichts als ein 16-Millimeter-Filmprojektor auf den Besucher und eine Liste an der Wand mit Titeln wie „Anal Coitus“, „Breast Licking“ oder „Ear“. Eine Mitarbeiterin legt die gewünschte Filmspule ein, und man wohnt zweieinhalb Minuten der mechanischen Verrichtung eines Akts bei. Das Thema Sex ist nicht das erste, was einem angesichts des Werks von Maria Eichhorn in den Sinn kommt. Tatsächlich nähert sich die Berliner Konzeptkünstlerin dem Thema mit ihrem seit 1999 anwachsenden „Film Lexicon of Sexual Practices“ in herrlich spröder Sachlichkeit: So wird in „Japanese Bondage“ lediglich ein angewinkelter männlicher Oberarm verschnürt und wieder befreit. Es sind Anti-Pornos, die ihren Sujets jeden Fetischcharakter nehmen, bar jeder künstlerischen Geste. So wird der Akt des Galeriebesuchs selbst zum Thema, man erfährt sich als Geisel der eigenen Entscheidung. (Die Arbeit kostet als Gesamtpaket 135 000 Euro).

          Entscheidungen gilt es naturgemäß viele zu treffen angesichts der 54 Ausstellungen dieses Berliner Gallery Weekends, aber eine Tatsache kann dabei beruhigen: Viele dieser Entscheidungen werden gute sein. Diese Tage Ende April sind die einzigen im Jahr, an denen wirklich viele internationale Sammler in die Stadt kommen, also zeigen die Teilnehmer ihre Highlights. Die zwölfte Ausgabe der inzwischen vielkopierten Berliner Erfindung ist ein besonderes Prachtpaket. Es gibt herausragende Fotografie, etwa Christopher Williams bei Capitain Petzel, Michael Schmidt bei Nordenhake, Anne Collier bei Neu und Wolfgang Tillmans bei Buchholz. Es gibt Cornerstones der Malerei, etwa frühe Streifenbilder von Daniel Buren bei Buchmann. Vor allem aber gibt es viel von dem, wofür Berlin als globale Produktionsstätte steht: interessante junge Positionen, die die Diskussionen voranbringen.

          Weiße Spottgespenster und Schlangen aus Stoff

          Zu ihnen zählt der 1977 geborene Texaner Stephen G.Rhodes, der in Berlin lebt. Er hat bei Eden Eden, der Außenstelle der Galerie Isabella Bortolozzi an der Bülowstraße, ein klaustrophobisches Gruselkabinett eingerichtet, das Elemente aus seiner Schau im Kölnischen Kunstverein im vergangenen Herbst weiter- (so muss man wohl sagen) verdaut. Man zwängt sich durch ein Holzgerüst, vorbei an Stofffetzen und mit Logos bedruckten, vibrierenden Metallscheiben, auf denen Spielzeugfiguren zittern, und trifft auf aufgespießte Gummiköpfe und eine Playmobil-Schachtel, auf die die flüchtende Familie aus dem bekannten „Refugees Welcome“-Scherenschnitt gedruckt ist. Klingt schrottig, tritt aber Mike Kelleys und Paul McCarthys Erbe an und ist formal höchst präzise gesetzt. Ein Lächeln liegt auf den Gesichtern vieler, die aus dem letzten dunklen Kellerraum kommen, wo Überreste eines mechanischen Kaufhaus-Pferdchens laut polternd ein angelehntes Schlauchboot penetrieren. So leicht kann eine Form aussehen, in der die apokalyptische Grundstimmung der Gegenwart widerhallt und zugleich unterlaufen wird (Preise von 4000 bis 60 000 Euro).

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