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Galeristenpaar : Agenten der Künstler

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Jérôme und Emmanuelle de Noirmont gründeten ihre Galerie in den neunziger Jahren in Paris. Der Weitblick des Galeristenpaares zeigt sich, wenn sie Sammler und Künstler zusammenführen, wie es bei François Pinault und Jeff Koons gelungen ist.

          Wie die Künstler treten auch die meisten Galeristen als individualistisch stark ausgeprägte Persönlichkeiten einzeln in Erscheinung, seltener im Team. Hinter dem Namenszug der Pariser Galerie Jérôme de Noirmont verbirgt sich indessen ein Paar. Jérôme und Emmanuelle de Noirmont gehören zu den ehrgeizigsten und erfolgreichsten Pariser Galeristen für zeitgenössische Kunst ihrer Generation. Im Oktober 1994 eröffneten sie ihre Galerie an der Avenue Matignon. Mittlerweile vertreten sie internationale Kaliber wie Jeff Koons, Francesco Clemente, A. R. Penck oder exklusiv den Nachlass Keith Harings in Frankreich und zählen zu ihren Schützlingen den Bildhauer Bernar Venet, die Fotografin Bettina Rheims, die Videokünstlerin Shirin Neshat sowie die Künstlerduos Pierre et Gilles, McDermott & Mc Gough und Eva & Adele. François Pinault, Frankreichs berühmtester Sammler zeitgenössischer Kunst und Eigentümer des Auktionshauses Christie's, gehört zu den regelmäßigen Kunden der Galerie.

          „Er ist der Händler“, sagt die blonde, mädchenhaft grazile Emmanuelle de Noirmont und deutet auf ihren Ehemann. Jérôme de Noirmont, von leicht untersetzter Statur und mit runden Gesichtszügen, hat vor mehr als zwanzig Jahren als Antiquitätenhändler begonnen und mit Möbeln und Kunsthandwerk „vom Mittelalter bis ungefähr 1950“ sowie Gemälden und Zeichnungen gehandelt. Die Begegnung mit Emmanuelle, die nach einem Wirtschaftsabschluss auf dem Gebiet des Designs und Sponsorings tätig war, hat seinen Interessen eine andere Richtung gegeben. Er verkaufte seine Sammlung von Zeichnungen und begann, Gegenwartskunst zu sammeln. Einige Künstler rieten ihm, eine Galerie aufzumachen. Doch Emmanuelle und Jérôme de Noirmont gönnten sich erst ein halbes Jahr Weltreise, bevor sie den Entschluss fassten, eine Galerie für zeitgenössische Kunst zu eröffnen. Emmanuelle de Noirmont ist jedenfalls eine gestandene Geschäftsfrau: Das „Abenteuer“ Galerie wurde von Anfang an nicht wie eine Boutique, sondern wie ein Unternehmen mit weit vorausschauender Strategie geführt.

          Geschickte Positionierung

          Anfang der neunziger Jahre lag der Pariser Markt für zeitgenössische Kunst ziemlich flach. Es war Jérôme und Emmanuelle de Noirmont klar, dass eine unbekannte Galerie, die unbekannte junge Künstler zeigt, selbst unbekannt bleiben würde. Also beschloss man, in den ersten Jahren nur international anerkannte Künstler zu zeigen, die in Frankreich damals noch nicht vertreten waren. Die Ausstellung von Jeff Koons 1997 war ein Meisterstreich und die erste - und bislang einzige - Einzelausstellung des amerikanischen Starkünstlers in Frankreich. Der Standort an der Avenue Matignon, für zeitgenössische Kunst in Paris eher untypisch, war ebenso eine strategische Wahl. „Damals konnten Christie's und Sotheby's noch nicht in Frankreich versteigern“, erinnert sich Jérôme de Noirmont, „aber es war nur eine Frage der Zeit, bis sich der Markt für die internationalen Häuser öffnen würde.“ Jérôme de Noirmont war sich ziemlich sicher, dass die Auktionshäuser sich an Prestigeadressen im „Goldenen Dreieck“ niederlassen würden.

          Mit dieser Vermutung hat er ebenso recht behalten wie mit der Vorstellung, dass die Nähe zu den Palasthotels und den Luxuseinkaufsmeilen Faubourg Saint-Honoré und Avenue Montaigne der Galerie von Anfang an vor allem eine internationale Kundschaft bescheren würde. Künstler wie Koons oder Penck hätten sich für die Galerie gewinnen lassen, weil Paris zwar nicht in erster Linie ökonomisch, aber historisch weiterhin ein Markt von Prestige sei. Inzwischen haben die Galeristen auch weniger bekannte, jüngere Künstler wie Claudine Drai, Benjamin Sabatier und Yi Zhou in ihr Programm aufgenommen, doch ihr Image bleibt stärker von den international gesicherten Werten geprägt als durch Neuentdeckungen.

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