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Galerierundgang Salzburg : Heilige Väter, Leuchten wie Neon, erfahrbare Farbe

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Zur Festspielzeit fahren in Salzburg traditionell auch die Galerien auf. Von figürlich bis abstrakt reichen die bestens sortierten Programme. Zusätzlich läuft die Messe „Art Salzburg“.

          Es stimmt Mario Mauroner stolz, dass die diesjährige Biennale in Venedig vier Künstler seiner Galerie zeigt. Derart positiv fiel seine persönliche Bilanz aller Schauen an der Lagune aus, dass er beschloss, seine Sommerausstellung zur Salzburger Festspielzeit diesmal allen „seinen“ Biennale-Teilnehmern zu widmen: Beginnend mit Dennis Oppenheim 1976, waren das in 44 Jahren 22 Künstler; allein den Pavillon Spaniens bespielten Künstler seiner Galerie dreimal. Weitere Länderpavillons gestalteten unter anderen Tony Cragg, Jan Fabre, Tatsuo Miyajima, Isamu Noguchi, Walter Pichler, Vadim Zakhharov, und der aktuellen Biennale steuerte Yane Calovski den Beitrag Mazedoniens bei.

          Der Galerie bestätigt dieses Resümee, „ein Seismograph für Neues“ zu sein. Wo der ausschlug, zeichnet jetzt ein bunter „Parcours d’Art“ nach, der, entlang dem roten Faden der Biennale, durch beide Salzburger Mauroner-Standorte führt, bis in den tiefen Keller der Residenz. Dort wartet mit dem „Administrator“ von Barthélémy Toguo eine Gruppe großer hölzerner Stempel-Büsten. Sie können Kritisches drucken und gleichen denen, die der Künstler aus Kamerun gerade im Arsenale von Venedig zeigt. (Bis 29. August.)

          Beziehung zwischen Körper und Raum

          Thaddaeus Ropac leistet in diesem Sommer ein wenig Erziehungsarbeit. Der Mann, der aus einer kleinen Salzburger Galerie ein internationales Großunternehmen machte, holt Yan Pei-Ming in die Stadt. In seiner Pariser Dependance zeigte Ropac den chinesischen, in Frankreich lebenden Maler, dessen Bilder schon weltweit Museumsreife erlangen, bereits erfolgreich. Sammlern im deutschsprachigen Raum ist Yan noch weniger bekannt. „Kirchliche Präsenz bis an die Schmerzgrenze“ habe Yan beim ersten Besuch in der alten fürstbischöflichen Residenzstadt Salzburg angesprungen, so berichtet Ropac, und habe ihn zum Ausstellungsthema „Aggressive Beauty“ inspiriert: Seine großformatige Porträtkunst, virtuos gemalt in reduzierter Farbigkeit, lässt er jetzt Päpsten angedeihen. Den wesentlichen Kick der Schau erzeugt aber der Kontrast zwischen den Heiligen Vätern (Preise von 210.000 Euro an) und angriffsbereiten Kampfhunden (von 135.000 Euro an). (Bis 28. August.) - In den Großräumen von Ropacs „Halle“ erforscht eine Armee neuer stählerner Gestalten von Antony Gormley die Beziehung zwischen Körper und Raum (von 350.000 Pfund an, Zeichnungen von 7500 Pfund an). (Bis 31. Oktober.)

          Nahe dem Mirabellplatz sitzt, in einem ehemaligen Spielzeuggeschäft an der Rainerstraße, die Galerie 2CforArt. Hohe Schaufenster lassen viel Licht in die renovierten Altbauräume, wo gerade ausschließlich Verhülltes hängt: Autos, antike Skulpturen, eine Flasche Frankenwein. Auch der verschnürte Berliner Reichstag und Wege im Central Park drücken ihre Umrisse auf Collagen und Drucken durch textile Verpackung. Anlässlich des achtzigsten Geburtstags von Christo erinnert die Galerie an Arbeiten aus vier Jahrzehnten, auch an nicht realisierte Großprojekte wie das „Wrapped Building“ am New Yorker Times Square. Die Editionen in zum Teil hohen Auflagen haben auch deshalb einen besonderen Stellenwert im Œuvre, weil sie die von Christo und seiner Frau Jeanne-Claude immer selbst geschulterten Projektkosten tragen halfen (Auflagen 3500 bis 15.000 Euro; Unikate 27.500 und 220.000 Euro). (Bis 13. August.)

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