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Galerierundgang München : München geht ein Licht auf

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Durch reinen Zufall rasselt es an der Ludwigstraße gleich zweimal militärisch. Olaf Nicolai zeigt bei Sabine Knust „Noms de Guerres“; der Künstler recherchierte Codewörter etlicher seit 1945 in vieler Herren Länder durchgeführter Militäroperationen und kombinierte sie zu Blöcken konkreter Poesie. Von Offizieren am grünen Tisch ersonnen, bestücken überraschend schöne oder positiv konnotierte Begriffe das Vokabular für Aktionen, die immer Gefahr, meistens Gewalt und oft den Tod einkalkulieren. Olaf Nicolai überträgt die Gedichte in UV Neonschrift, im Hellen stehen sie schwarz auf der Wand, im Dunkel aber macht ihr Licht Unentdecktes sichtbar und lässt dabei keinen aus, der sich im Raum aufhält (je 20.000 Euro, Aufl. 2).

Zwischen Apérol oder Himbeersirup

Auf der anderen Straßenseite präsentiert Daniel Blau mit „Tod und Teufel“, seine über Jahre zusammengetragene Sammlung an Fotos des Krieges, seiner Vorboten und seiner Folgen. „Künstlerischen Wert und eine moralische Botschaft“ misst er den Vintage-Prints bei, darunter Aufnahmen von Capa und Margaret Bourke-White.

Unbeschriebene, mit Klebstreifen an die dunkle Wand gepappte Blätter setzte Cornelius Völker mit flottem Pinselstrich für seine Schau neuer Bilder bei Andreas Grimm auf die Leinwand. Der Maler von mitten aus dem Alltag gegriffener Motive - man denke an die satte Pracht von Käsebrot, Meerschweinchen oder Faltenrock - deutet damit eine Kursänderung an; explizit knöpft sich seine primär vom Medium selbst handelnde Malerei hier Fläche und reine Form vor - weißes Viereck auf dunklem Rechteck -, während weitere Sujets Formauflösung betreiben: Verschüttete Flüssigkeiten, farblich zwischen Apérol oder Himbeersirup, mit nicht näher definierten organischen Klumpen darin bilden Lachen (Die Ölbilder kosten von 6500 Euro bis 26.000 Euro, Aquarelle 2900 Euro).

Ein Duett namens „Licht“ erfüllt die großen Räume der Walter Storms Galerie. Es ehrt Rupprecht Geigers Strahlkraft und stellt ihr das innere, durch viele Schichten Farbe scheinende Leuchten von Shannon Finleys Bildern zu Seite. Auf einen Trip zu noch mehr Malerei nimmt Häusler Contemporary den Besucher mit. Er führt ins Amerika der sechziger und siebziger Jahre und beginnt mit einer kleinen Frechheit von Peter Young: Sein Gemälde eines gelben, aus den Fugen geratenen und aufgebrochenen Rechtecks verulkt 1965 gekonnt die von Donald Judd beherrschte Minimal Art (64.000 Euro).

Young verließ New York und die Leo Castelli Gallery, zog nach Arizona und malt seither von indianischen Impulsen inspirierte, leuchtend bunte Ornamentkompositionen. Richard Allen Morris steht für die abstrakt-expressive Richtung und eine spezielle Auseinandersetzung mit Alten Meistern und Klassischer Moderne. Michael Venezia, der dritte im Bunde, experimentiert über die Ränder des Minimalismus hinaus, indem er der Farbmaterie eine gewisse Autonomie gewährt. Mehrfach setzt er die Spraypistole am äußersten Rand der Leinwand an, die Farbe schießt nach vorn, erst dicht, zur Bildmitte hin als feiner Schleier (ab 66000 Euro, auf Papier 8000 Euro).

Die Idee zum „Kunstwochenende“ entstand vor drei Jahren, als „Highlights“, die Spitzenmesse für Kunst und Antiquitäten im Haus der Kunst ihren Einstand gab und zwei weitere Messen im Postpalast und am Nockherberg terminlich mit auf den Wagen sprangen. Inwieweit die allseitig erhofften Synergieeffekte der Parallelaktionen tatsächlich eintreten, lässt sich freilich auch in ihrem dritten Jahr schwer einschätzen. Eins aber ist garantiert: An diesem Wochenende hat München in Sachen Kunst mehr als genug zu bieten.

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