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Galerierundgang London : Schlachtfeld - oder Spielfeld mit Platz für alle?

  • -Aktualisiert am

Weitere wichtige amerikanische Galerien haben London zu ihrem Stützpunkt gemacht: Michael Werner, David Zwirner und Pace. Sie sehen dort neue zahlungskräftige Kundschaft.

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          London. Auf dem Londoner Kunstmarkt steigt die Temperatur. Das Fachblatt „Art Newspaper“ macht als Grund für dieses hotting up die Americans in town aus: Denn in diesem Monat eröffnen ein paar große Galerien mit Hauptsitz in New York neue europäische Außenposten in London. Sie folgen damit dem Beispiel des dominanten amerikanischen Galeristen Larry Gagosian, der mittlerweile weltweit zwölf Dependancen unterhält, davon zwei in London, von denen die erste im Jahr 2000, die zweite 2004 mit Cy Twombly eröffnet wurde.

          Die Zeitung „The Guardian“ spricht sogar davon, dass amerikanische Händler nun die Londoner Kunstszene in ein „Schlachtfeld“ verwandelten: Die Rede ist von den Galerien Michael Werner, David Zwirner und Pace, aber auch von dem jüngeren Per Skarstedt in der Bond Street.

          Die Kunstwelt funktioniert historisch in vielen Aspekten nach dem Prinzip der gentleman’s agreements, der unausgesprochenen Abmachung, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten. Galerien hatten ihren Sitz in New York oder London, in Paris oder Köln, und sie verkauften lokale Künstler an lokale Sammler. Seit der Preisexplosion in der vergangenen Dekade und der Globalisierung des Kunstmarkts haben Galerien mit besonders gefragten Künstlern ein verstärktes - finanzielles - Interesse daran, ihre Hauskünstler nicht nur in einem Land oder auf einem Kontinent zu vertreten.

          Sie wollen global agieren, und viele der superreichen Kunstsammler aus Russland, Asien und dem Mittleren Osten unterhalten einen Wohnsitz in London. Die Datenbank „Wealth-X“ schätzt, dass in London 10.760 Personen mit einem Vermögen von mehr als dreißig Millionen Dollar einen Wohnsitz angemeldet haben - davon fast ein Drittel jene „Non-Doms“, die in England keine Steuern auf Einkommen, sofern es außerhalb von England verdient wurde, bezahlen müssen, weil sie hier nicht die meiste Zeit des Jahres leben. Nicht wenige dieser „Ultra-Reichen“, wie die Oligarchen Usmanov und Abramovich, sammeln Kunst.

          Eigentlich ist die Galerie Michael Werner - mit ihrem Stammsitz in Köln - schon seit 2003 mit temporären Projekten diskret in London aktiv. Nun hat sie nach längerem Suchen endlich einen Ort in London gefunden, der den Vorstellungen der Direktoren entspricht: „Es sollte in Mayfair sein und eine historische Atmosphäre haben, wie unsere Galerie in New York“, sagt Gordon VeneKlasen, der Direktor des 1990 in New York eröffneten Ablegers und Geschäftspartner von Michael Werner. Die neue Galerie ist tatsächlich in der elegantesten Gegend Londons angesiedelt, gleich hinter der Park Lane, in einem alten Stadthaus in der Upper Brook Street.

          Von dort ist es nur ein kurzer Weg zu den Luxushotels Claridges und The Connaught, in denen wohlhabende Sammler gerne logieren. Zu der Beletage mit hohen stuckverzierten Decken führt eine breite Treppe mit geschnitztem Geländer hinauf: Die Galerie Werner hat sich für einen längeren Aufenthalt eingerichtet - sogar der alte Eichenparkettboden im Fischgrätmuster wurde neu verlegt; er hat eine passende Provenienz: Beim letzten Umbau wurde er aus der Londoner Tate Britain entfernt.

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