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Galerierundgang Leipzig : Vom tiefen Blau der Bombe

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          Die Gruppe von Galerien, die auf dem Industriegelände der Baumwollspinnerei in Leipzig-Plagwitz residieren, hat ihren Nukleus in Judy Lybkes Eigen+Art. Um diesen Big Player im internationalen Kunstmarkt arrangiert sich eine feste Corona aus etablierten Leipziger Kunsthändlern: Jochen Hempel, der die ehemalige Dogenhaus Galerie mittlerweile nach sich selbst benannt hat, Matthias Kleindienst in seiner gleichnamigen Galerie oder die Maerzgalerie von Torsten Reiter.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Sie alle, wie auch die Galerien Laden für Nichts, aspn, Filipp Rosbach und b2, sind schon seit 2005 dabei, als das Areal als Kulturmischgebiet aus Handel, Ateliers, Ausstellungshallen, Lokalen und Clubs eröffnet wurde. Seitdem wird die Erfolgsgeschichte nur von zwei Faktoren getrübt: der mangelnden Kontinuität bei der Gastronomie und der zu großen Kontinuität bei den Galerien. Denn die Baumwollspinnerei könnte durchaus weitere Akzente vertragen.

          Malerei als Technik der Wahl

          Das zeigt der Winterrundgang im frischen Handelsjahr der Spinnereigalerien, auf dem vor allem zwei Anbieter glänzen, die relativ neu hier vertreten sind. Da ist einmal die Galerie Queen Anne, die erst 2010 gegründet wurde und damals zunächst als Standort das nicht weit von der Baumwollspinnerei gelegene Tapetenwerk wählte, das zu einem weiteren Leipziger Galerienschwerpunkt werden sollte: Diese Hoffnung hat sich bislang nicht erfüllt, und so zogen Carolin Modes und Esther Niebel von Queen Anne mit der Übersiedelung in die Spinnerei im vergangenen September die Konsequenz.

          Nach Einzelausstellungen von Helge Holmes und Maria L. Felixmüller hat Queen Anne sich diesmal für eine Gruppenschau entschieden. Das ist beim Winterrundgang, dem kleinsten der drei Leipziger Saisonereignisse, nicht unüblich - auch Eigen+Art wählt diese Kompromisslösung. Queen Anne hat als Motto „Die Bilder sind unter uns“ gewählt und zeigt mit Henriette Grahnert, Franziska Holstein, Heide Nord, Titus Schade, Sebastian Speckmann und Claus Stabe sechs Nachwuchskünstler, die, mit Ausnahme einer Installation von Heide Nord, ganz auf Malerei und Zeichnung setzen - das auf erfrischend unkonventionelle Art.

          Zwei Arbeiten ragen dabei heraus. Titus Schade hat für seinen Zyklus „Modellhäuser“ auf getöntem Papier Tuschezeichnungen von Gebäuden angefertigt, die wie Architekturdokumentationen wirken, aber mittels Öl- und Acrylfarben subtil koloriert sind. Die zehn Blätter kosten pro Stück 800 Euro, während zwei Gemälde mit ähnlichen, aber etwas geometrisch verfremdeten Motiven für jeweils 2500 Euro zu haben sind. Ganz anders, nämlich mit Bild- wie Sprachwitz statt konstruktiver Ernsthaftigkeit, arbeitet Henriette Grahnert: Drei Bilder werden von ihr gezeigt, und sie weisen alle dieselbe Freude an humoristischer Betitelung auf.

          „Schluss mit der Egomaschine“ zeigt nicht mehr als die plastische Ziffer „2“ vor einem Schlingendekor (6000 Euro). Das großformatige „Manchmal erscheinst du mir sehr abstrakt“ (16.700 Euro) könnte als Miró-Hommage verstanden werden, nimmt aber die Dekonstruktion eines Männerporträts mit so viel Geschick vor, dass im Linienspiel ein neuer Ausdruck entsteht. Am geistvollsten ist „Der Mann ohne Zwischenleib“. Er bietet nicht mehr als zwei laufende Beine, über denen sich eine gebuckelte Linie mit zwei Augen wölbt: als wäre Napoleon fast zur Gänze in seinem Hut versunken (4000 Euro).

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