https://www.faz.net/-gqz-72ink

Galerierundgang Frankfurt : Das Wohnzimmer als Wahnzimmer

  • -Aktualisiert am

Thomas Draschan verehrt Joseph Cornell. Aus diesem Grund können die digital bearbeiteten Fotografien des Künstlers, die unter dem Titel „Utopia Parkway“ in der L.A. Galerie von Lothar Albrecht zu sehen sind, auch als Hommage an den großen amerikanischen Künstler und dessen phantasiereiche Kästen wahrgenommen werden. Wie alle besseren Hommagen sind aber auch Draschans Werke keine bloßen Repliken. In gewissem Sinne mit Cornells Wunderkästen vergleichbar ist die Vielzahl erstaunlicher und keineswegs sinnvoll zuzuordnender Dinge, die Draschan in Publikationen unterschiedlichster Art und Güte gefunden und für seine magischen Bildwelten verwendet hat.

Da sitzt in einer farbigen Fotografie ein braves Ehepaar in seinem sehr ehrbaren bis spießigen Wohnzimmer, das Draschan in ein Wahnzimmer verwandelt hat, indem er zur offensichtlichen Überraschung vor allem des Hundes, eine splitterfasernackte weibliche Schönheit in lasziver Pose auftreten lässt. „Phantom Melody“ von 2011 ist ein Print auf Büttenpapier, 63 mal 91 Zentimeter groß. Er kostet 4522 Euro bei einer Auflage von drei. Schön ist auch die schmucke Hausfrau in der Kittelschürze mit einem Auge, das von einer schwarzen Hand bedeckt wird, die sich aus dem Gemälde hinter ihr selbständig gemacht hat. Eine von zahlreichen kleinen witzigen Collagen, die zwischen 1200 und 1800 Euro kosten.

In der Galerie Tolksdorf, die neben Frankfurt auch in Berlin ein Standbein hat, überzeugt die Einzelausstellung von Matthias Meyer, ein Schüler von Gerhard Richter und Dieter Krieg. Unschärfe und Verwischung - auch dies sind die Themen der Gemälde des Künstlers, der sich jedoch wesentlich grundsätzlicher von gegenständlichen Bezügen entfernt hat und nur noch in Schemen seine Stadt- und Landschaftsbezüge durchscheinen lässt.

Eine der reizvollsten Ausstellungen dieses Frankfurter Saisonbeginns ist in der Galerie von Parisa Kind zu sehen: Olaf Metzel, bekannt durch seine spektakulären Kunstwerke im öffentlichen Raum, hat sich einem neuen Genre zugewandt: Wandskulpturen aus kunstvoll gefalteten Aluminiumplatten, die er zuvor auf beiden Seiten mit Zeitungsseiten bedruckt hat. Je nach - noch durchaus lesbarer - Schlagzeile sind auch die Titel gewählt. Endlich eine Metzel-Skulptur in Wohnzimmerformat also. Parisa Kind und Jackie Strenz, die beide zu den international ausgerichteten und einen Besuch immer lohnenden Frankfurter Galeristen gehören, sind jüngst aus der Interessengemeinschaft Frankfurter Galerien ausgetreten. Der Inhaber der ebenfalls hervorragenden Galerie „Neue alte Brücke“ will dort erst gar nicht Mitglied werden. Diese drei Galerien gehören zu den wenigen, die sich auch ganz junger Städelschulabsolventen annehmen. Bei den meisten Galerien der Interessengemeinschaft bekommt man dagegen oft den Eindruck, die interessierten sich für die junge Kunst nicht. Sie zieht dann nach Berlin und New York oder auch zur Documenta 13 weiter und sorgt dort für den guten Ruf der Frankfurter Städelschule.

Weitere Themen

Das ist kein „Vogelschiss“

Pro-Sieben-Doku über Rechte : Das ist kein „Vogelschiss“

Auf die Pro-Sieben-Doku „Rechts. Deutsch. Radikal“ reagiert die AfD schnell. Den einstigen Sprecher Christian Lüth, der meinte, man könne Migranten „erschießen“ oder „vergasen“, setzt sie vor die Tür. Der Reporter Thilo Mischke hat aber nicht nur deshalb Großes geleistet.

Topmeldungen

Frauen demonstrieren kurz nach Donald Trumps Amtseinführung im Januar 2017 in Washington

Entscheidende Wählergruppe : Trumps Frauen-Problem

Frauen in den Vorstädten könnten über den Sieg bei der amerikanischen Präsidentenwahl entscheiden. Donald Trump umwirbt diese Wählergruppe intensiv. Nicht alle der Angesprochenen finden sein Vorgehen gut.
Niemand weiß, was die Zukunft bringt – auch die Banker nicht.

Kosten der Anlageverwaltung : Friede den Aktien, Krieg den Gebühren!

In Sachen Geldanlage sind nur zwei Dinge sicher: die Vergangenheit und die Kosten. An den Gebühren verdienen Banken, die die Zukunft ebenso wenig kennen wie der Anleger. Ein Plädoyer für den Mut, das Vermögen selbst zu verwalten.
Christian Lüth (Mitte) auf dem 8. Bundesparteitag der AfD im Congresszentrum in Hannover am 02. Dezember 2017.

Pro-Sieben-Doku über Rechte : Das ist kein „Vogelschiss“

Auf die Pro-Sieben-Doku „Rechts. Deutsch. Radikal“ reagiert die AfD schnell. Den einstigen Sprecher Christian Lüth, der meinte, man könne Migranten „erschießen“ oder „vergasen“, setzt sie vor die Tür. Der Reporter Thilo Mischke hat aber nicht nur deshalb Großes geleistet.
Kein Betrieb wegen Streik: leerer U-Bahnhof in München

Streik im Nahverkehr : Mehr als 10.000 Bus- und Bahnfahrer im Ausstand

Millionen Pendlern und Schülern drohen am Dienstag massive Behinderungen auf dem Weg zur Arbeit und zum Unterricht: Bundesweit streiken heute Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs. Viele Busse und Bahnen werden wohl in den Depots bleiben.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.